Negative Zinsmargen verbucht
Japanische Lebenversicherer in der Bredouille

Die Bilanzen führender japanischer Lebensversicherungen sind im abgelaufenen Geschäftsjahr durch negative Zinsmargen belastet worden. Bei sieben der größten Gesellschaften belief sich die Marge zum Bilanzstichtag 31. März auf gut eine Billion Yen (7 Mrd Euro), wie aus den am Freitag vorgelegten Bilanzen hervorgeht.

HB/dpa TOKIO. Die negative Differenz zwischen realisierten Erträgen auf Kapitalanlagen einerseits und der Verzinsung, die die Gesellschaften ihren Policeninhabern garantiert hatten, stellt eines der gravierendsten Probleme für Japans Lebensversicherungsfirmen dar.

Nach den Banken ist die Versicherungsbranche, insbesondere die traditionellen japanischen Lebensversicherer, zu einem weiteren Sorgenkind im angeschlagenen Finanzsektor des Landes geworden. Japans Versicherer hatten ihren Kunden während der kreditfinanzierten Spekulationswirtschaft Ende der 80er Jahre hohe Renditen garantiert, die sie seit einigen Jahren auf Grund der Niedrigzinspolitik der japanischen Zentralbank und der Baisse am Aktien- und Immobilienmarkt nicht mehr erwirtschaften können. So verbuchte Japans größter Lebensversicherer Nippon Life Insurance eine negative Zinsmarge von rund 320 Mrd. Yen und erwartet das gleiche Niveau dieses Jahr.

Angesichts bereits mehrerer Insolvenzen in den vergangenen Jahren und der zunehmend prekären Lage der Lebensversicherungsgesellschaften will die Finanzaufsichtsbehörde FSA den Instituten per Gesetz ermöglichen, die garantierten Renditen zu verringern. Die Regierung hofft, eine entsprechende Gesetzesvorlage in der laufenden Parlamentsperiode durchzukriegen und zum Juli in Kraft setzen zu können. Ein weiteres Krisenphänomen ist die im Berichtsjahr bei den meisten der führenden Lebensversicherungsgesellschaften weiter gesunkene Solvenzmarge. Die Marge war im März 1999 als Reaktion auf den Zusammenbruch der Nissan Mutual Life eingeführt worden und ist ein Maß für die Zahlungsfähigkeit einer Versicherungsgesellschaft.

Zwar lag die Solvenzmarge bei allen sieben großen Lebensversicherern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/2003 weit oberhalb des geforderten Mindestwertes von 200 %. Dieser Wert bedeutet, dass die Rückstellungen und das Kapital mindestens dem Zweifachen der abgegebenen Leistungsversprechen entsprechen müssen. So verfügte Nippon Life zum Bilanzstichtag 31. März über eine Marge von 630,6 %, nachdem es im Vorjahr noch 714,4 % gewesen waren. Auch die Quoten der meisten Gesellschaften lagen weit über 400 %, was nach Angaben von Experten als unbedenklich gilt.

Doch halten Beobachter die von den Versicherungen ausgewiesenen Werte auf Grund nachsichtig definierter technischer Kriterien zur Berechnung der Quoten für überhöht. Hinzu komme der Umstand, dass die Versicherungen ähnlich wie die Banken des Landes über eine hohe Zahl an Problemkrediten verfügten, was die Zweifel an der finanziellen Stärke einiger Gesellschaften angesichts Kapitalrückgängen erhöhe.

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