Negativer Quartalsausblick lässt Kurs einbrechen
Siemens: Ausblick in Abgründe

Siemens hat den Börsen einen kräftigen Schlag versetzt: Nach dem negativen Ausblick der Münchener für das laufende Quartal rauschte die Aktie in den Keller - und riss den gesamten Markt mit in die Tiefe.

MÜNCHEN. Händler sprachen von einer "Panikwelle". Leise Hoffnungen auf eine kleine Erholung der High-Tech-Aktien waren dahin. Dennoch zeigte sich Siemens-Chef Heinrich von Pierer gut gelaunt. "Damit muss man leben", gab er sich angesichts der dramatischen Kurseinbrüche unbesorgt. Der Grund für seine Zufriedenheit: Siemens hat mit seinen guten Ergebnissen überrascht - aber auch nur eigentlich.

Tatsächlich ist der Quartalsgewinn deutlich besser als erwartet ausgefallen. Doch die Sorgen bleiben: Die weltweite Konjunkturkrise könnte Siemens hart treffen. Auch in der Telekommunikation ist eine Erholung derzeit nicht mal in Ansätzen in Sicht. Die weitere Verschlechterung ist die realistischere Alternative.

Deshalb ist Siemens mit seinem Ausblick so zurückhaltend. Dazu kommt der dramatische Einbruch der Aufträge. Der Münchener Konzern musste einen Orderrückgang von immerhin 20 Prozent hinnehmen. Auch wenn hier Sondereffekte, wie der hohe Auftragseingang im Vorjahresquartal, zu bedenken sind: Die Entwicklung ist nicht lediglich schlecht. Sie ist beängstigend. Eine gute Auftragslage ist die Basis für eine positive Geschäftsentwicklung in den nächsten Jahren, aber schon jetzt sinkt der Umsatz leicht.

Insbesondere der Einbruch des Gasturbinenbooms in den USA macht Siemens aktuell zu schaffen. Der Rückgang ist zwar schon seit längerem absehbar. Doch erst jetzt schlägt er bei Siemens voll durch. Das ist besonders bitter, da die Gasturbinen bisher gute Gewinne lieferten. Zudem haben fast alle anderen Bereiche ebenfalls mit sinkenden Auftragseingängen zu kämpfen.

Mit dem Orderrückgang gerät auch von Pierers Sparkurs in Gefahr. Und das zu einem Zeitpunkt, als sich erste Erfolge der Einsparbemühungen einstellen. Denn im abgelaufenen Quartal waren immerhin zehn der insgesamt 13 Siemens-Bereiche im Plus. Das ist eine beachtliche Leistung angesichts der weltwirtschaftlichen Turbulenzen. Geschäftsfelder wie Medizintechnik oder Energieerzeugung machen sogar hohe Gewinne und können den Abschwung in der Telekommunikation abfedern.

Auch die Problemsparten sind auf dem richtigen Weg. Hier zahlt sich die harte Sanierung aus. Das kriselnde Netzwerk-Geschäft hat die roten Zahlen trotz eines erneuten Einbruchs des Marktes eingedämmt. Und in der Fertigung von Mobiltelefonen hat das Unternehmen seine Kapazitäten der flauen Nachfrage zügig angepasst. Obwohl im abgelaufenen Quartal etwas weniger Handys verkauft wurden, kann ein deutlicher Gewinn gemeldet werden.

Insgesamt haben von Pierer und seine Kollegen bereits den Abbau von bis zu 30 000 Arbeitsplätzen weltweit angekündigt. Die Arbeitnehmervertreter befürchten nun weitere Streichungen. Die Sorgen sind angesichts des Auftragsrückgangs mehr als berechtigt. Insider kritisieren auch immer wieder, dass der Wasserkopf der Siemens-Verwaltung bei weitem zu groß ist, aber auch dieses Problem wurde schon in Angriff genommen.

Vage Schätzungen gehen davon aus, dass die Personalkosten um mehr als drei Milliarden Euro zu hoch sind. Für von Pierer gibt es also noch viel zu tun - beängstigend viel.

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