Negativschlagzeilen bringen Oberbürgermeister unter Druck
Tiefensee räumt Fehler bei Leipziger Olympia-Bewerbung ein

Leipzigs Stadtoberhaupt Wolfgang Tiefensee hat vor NOK-Mitgliedern erstmals eigene Fehler im Zusammenhang mit der Olympia-Bewerbung eingestanden. Das NOK steht weiter hinter Leipzig, gab aber einen klaren Warnschuss ab.

HB BERLIN. Der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee hat erstmals eigene Fehler im Zusammenhang mit der Olympiabewerbung eingeräumt. «In der Vergangenheit sind Fehler gemacht worden, auch durch mich», sagte der SPD-Politiker am Samstag vor der Mitgliederversammlung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Leipzig. Dadurch sei der Bewerbung zumindest auf nationaler Ebene Schaden zugefügt worden. Tiefensee kündigte eine schonungslose Aufklärung aller Vorkommnisse an.

In einer Analyse zum Stand der Bewerbung für die Olympischen Spiele und die Paralympics 2012 ging Tiefensee auf die Schlagzeilen ein, die die Bewerbung in den vergangenen Wochen gemacht hatte. Zunächst hatte es Spekulationen über eine zu große Nähe des früheren Geschäftsführers der Bewerbergesellschaft, Dirk Thärichen, zur früheren DDR-Staatssicherheit gegeben. Tiefensee hatte verteidigt, dass Thärichen trotz seines Wehrdienstes beim Stasi-Wachregiment «Feliks Dzierzynski» als Geschäftsführer bestellt wurde.

«Die Frage nach der gebrochenen Vergangenheit von Menschen hier im Osten ist aber unmöglich vor dem Hintergrund einer Bewerbung um Olympische Spiele diskutierbar», gestand Tiefensee jetzt vor der NOK-Mitgliederversammlung ein. Thärichen musste sein Amt inzwischen aufgeben.

Auch auf den früheren Olympia-Staatssekretär Wolfram Köhler ging der Leipziger Stadtchef in seiner Analyse ein. Köhler war wegen angeblicher Vetternwirtschaft in seiner Zeit als Oberbürgermeister von Riesa von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) in den Ruhestand versetzt worden. «Das hatte zwar nichts direkt mit der Bewerbung zu tun», wusste Tiefensee. Durch die Häufung und Aneinanderreihung entstehe nach außen jedoch der Eindruck, als handele es sich um zusammenhängende Themen.

Erst am Freitag hatte Tiefensee selbst seinen Olympiabeauftragten und Beigeordneten Burkhard Jung von seinen Ämtern entbunden. Jung hatte offenbar durch Gegenzeichnung eines Schreibens dazu beigetragen, dass der Firma Sport Consulting International (SCI) des Sportmanagers Ivan Radosevic unberechtigterweise Provisionen auf Gelder gezahlt wurden, die an die Bewerbergesellschaft gingen, jedoch aus der Stadtkasse stammten. SCI sollte Provisionen für den Fall bekommen, dass sie Sponsoren für die Bewerbung gewinnen könnte.

Der Leipziger Oberbürgermeister unterstrich, dass man im Zuge der Bewerbung jetzt bei vielen das Vertrauen erst wieder erarbeiten müsse. Durch eine schonungslose und intensive Aufklärung aller Vorgänge werde man deutlich machen, dass man die Probleme lösen könne.

Er appellierte an die NOK-Mitglieder, sich gemeinsam mit allen Beteiligten um die weitere Beförderung der Bewerbung Leipzigs einzusetzen. Schließlich hätten sie im April mit der Auswahl der sächsischen Metropole eine «sehr mutige Entscheidung» getroffen. Mit starkem und lang anhaltendem Beifall quittierte die Mitgliederversammlung des NOK die Rede des Leipziger Stadtchefs.

Die Mitgliederversammlung sprach Leipzig ihr Vertrauen aus. Sie steht weiter einstimmig zu ihrer Entscheidung, Leipzig als nationalen Kandidaten ins Rennen um die Olympischen Spiele 2012 zu schicken. «Leipzig ist und bleibt unser gewählter Kandidat», sagte NOK-Präsident Klaus Steinbach. Er forderte aber eine «schnelle und rückhaltlose Aufklärung» der Skandale der vergangenen Woche. Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, verlangte, alle «Schmuddeleien» gehörten sofort vom Tisch - «sonst müssen wir die Reißleine ziehen».

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