"Nelson Mandela Asiens"
Erst Dissident dann Präsident - Kim Dae Jung im Porträt

dpa SEOUL. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung (74) wird in seinem Land oft als der "Nelson Mandela Asiens" bezeichnet. Wie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger erwarb er sich im In- und Ausland hohes Ansehen durch mutiges Eintreten für Menschenrechte und Demokratie. Als Dissident verbrachte er mehrere Jahre im Exil, im Gefängnis, stand unter Hausarrest, entkam nach eigenen Angaben mehreren Mordanschlägen, wurde entführt und zum Tod verurteilt.

Im Dezember 1997 wählten die Südkoreaner ihn zum Präsidenten und sorgten damit für einen historischer Einschnitt. Erstmals in der Geschichte des Landes wurde ein Oppositionskandidat Staatsoberhaupt. Sein Programm: Demokratische und marktwirtschaftliche Reformen sowie die Bekämpfung der Korruption und Verflechtung von Politik und Wirtschaft.

Vor allem aber wollte Kim versuchen, mit dem seit über 50 Jahren völlig abgeschotteten kommunistischen Nachbarn Nordkorea einen direkten Dialog aufzunehmen. Daraus wurde ein historisches Ereignis. Er traf sich im vergangenen Juni mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il in Pjöngjang und erreichte damit den Durchbruch zur Überwindung der Teilung der koreanischen Halbinsel. Beide Führer vereinbarten vertrauensbildende Maßnahmen und Schritte zur Wiederervereinigung.

Im Leben Kims spiegeln sich die Fortschritte und Rückschläge, die Südkorea über Jahrzehnte auf dem steinigen Weg zur Demokratie erlebt hat. Mit seinem Amtsvorgänger Kim Young Sam verbindet ihn der aktive Protest gegen die autoritären Regime Park Chung Hees (1961-1979) und Chun Doo Hwans (1980-1988). Als Opfer der beiden Generäle wurde Kim im September 1980 trotz Protesten des Auslands wegen angeblicher Umsturzpläne zum Tod verurteilt. Doch das Regime musste nachgeben und das Todesurteil aufheben.

1992 war Kim bereits zum Rückzug von der Politik bereit

Der westlich orientierte Kim wurde am 3. Dezember 1925 als zweites von sieben Kindern eines Bauern in Mokpo in der südlichen Provinz Cholla geboren. Er besuchte bis 1943 eine Handelsschule, bevor er bei einer japanischen Schifffahrtslinie arbeitete. Nach dem Korea-Krieg engagierte sich der gläubige Katholik immer mehr politisch und schaffte 1960 erstmals den Sprung ins Parlament.

Kim kündigte 1992 nach der dritten Niederlage bei einer Präsidentenwahl seinen Rückzug aus dem politischen Leben an. Knapp zwei Jahre später gab er jedoch seine Rückkehr bekannt und gründete eine neue Partei. Mit den Vereinten Liberal-Demokraten (ULD) des früheren politischen Gesinnungsfreundes des Diktators Park, Kim Jong Pil, ging Kim ein Zweckbündnis ein und schaffte den Einzug in den Amtssitz des Präsidenten.

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