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Nemax 50 auf neuem Allzeittief

Die Schwergewichte am Frankfurter Neuen Markt haben am Mittwoch kräftig Kursverluste erlitten und auf einem neuen Allzeittief geschlossen.

dpa-afx FRANKFURT. Der Nemax 50 stürzte im Handelsverlauf bis auf 1 934,89 Punkte ab und erholte sich nur leicht im späten Handel. Zu Börsenschluss lag der Nemax 50, Index der 50 größten Unternehmen am Neuen Markt, mit 1 961,11 Zählern 2,99% im Minus. Der alle Werte umfassende Nemax All Share ging mit einem Abschlag von 2,20% auf 2 116,75 Zählern aus der Sitzung.

Während die deutschen Wachstumswerte sich in der ersten Tageshälfte noch der schwachen Vorgaben von den US-Börsen erwehren konnten, seien am Nachmittag nach erneuter Talfahrt der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq die Dämme gebrochen. Die Marktteilnehmer seien sehr nervös. Und angesichts der Serie von schlechten Unternehmensnachrichten, sowohl aus den USA als auch vom Neuen Markt, sei nicht mit einer Beruhigung in der kommenden Zeit zu rechnen, sagten Händler. Nur einzelne Meldungen bewegten die Kurse - nach oben wie nach unten - wobei die Handelsumsätze weiterhin sehr dünn waren. Die institutionelle Anleger hielten sich weiterhin zurück; und jeder Verlusttag gebe ihnen Recht, fügte ein Düsseldorfer Händler hinzu.

Zudem bestehe derzeit nahezu kein Unterschied zwischen Nasdaq und dem Neuen Markt, hieß es. Die Eigendynamik des Marktes tendiere gegen Null. An der Wall Street seien die Zinssenkungsfantasien nach der heutigen Rede des Notenbank-Chefs Alan Greenspan ausgeträumt. Der oberste Währungshüter hatte zu verstehen gegeben, dass er eine außerordentliche Senkung der Leitzinsen nicht befürworte. Analysten zufolge würden die Leitzinsen nun erst am 20. März gesenkt werden; das genüge derzeit nicht, die Aktienmärkte zu stabilisieren, resümierten Händler.

Schwergewichte unter Druck

Vor allem die Schwergewichte des Nemax 50 hätten unter Druck gestanden. Zu einem "Räumungsverkauf" sei es vor allem bei Trintech und Heyde gekommen. Die Aktien der britischen Trintech Group waren mit einem Kurssturz von 28,14 % auf 3,09 Euro der schwächste Nemax-50-Wert. Die Papiere des Anbieters von Sicherheitslösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr waren bereits am Vortag nach Vorlage schlechter Geschäftszahlen mehr als 35 % eingebrochen.

Heyde fielen um 23,08 % auf 2,60 Euro, nachdem der Vorstandsvorsitzende Dirk Wittenborg in einem Interview mit der "Telebörse" Liquiditätsprobleme eingestanden hatte. Der IT-Dienstleister hatte am vergangenen Montag schlechte Zahlen vorgelegt und mehr als 30 % an Börsenwert eingebüßt.

Einen Kursrutsch lösten auch die Quartalszahlen von SCM Microsystems aus. Die Aktien schlossen mit einem Abschlag von 14,45 % auf 17,11 Euro, nachdem das Unternehmen einen Fehlbetrag für das vierte Quartal von 6,2 Mill. $ gegenüber einem Gewinn von 6,1 Mill. $ im Vorjahreszeitraum ausgewiesen hatte.

Die übrigen Nemax-Schwergewichte verzeichneten ebenfalls schwere Verluste: Broadvision verloren 11,52 % auf 7,91 Euro, ADVA Optical 7,86 % auf 20,74 Euro und T-Online fielen um 5,77 % auf 11,26 Euro.

Die Deutsche Telekom dementierte am Mittwoch Gerüchte über einen Einstieg des Kirch-Konzerns bei ihrer Verluste schreibenden Internet-Tochter T-Online . "Es gibt keine Verhandlungen mit Kirch", sagte ein Telekom-Sprecher am Mittwoch in Bonn. Das Hamburger Magazin "stern" hatte zuvor berichtet, T-Online suche einen Partner. Die Analysten von JP Morgan senkten indes ihr Kursziel für den Wert von 20 auf 10,50 Euro.

EM.TV konnte nicht zulegen

Der Medienkonzern EM.TV und die Kirch-Gruppe teilten am Mittwochabend mit, für 987,5 Mill. $ die Option zur Aufstockung der Anteile an SLEC von 50 Prozent auf drei Viertel ausgeübt zu haben. Der Aktienkurs von EM.TV reagierte kaum auf die Nachricht: minus 1,56 % auf 6,96 Euro.

Zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50 gehörten Comroad mit einem Plus von 5,97 % auf 37,10 Euro. Die Aktien des Anbieters von Telematik-Netzen profitierten weiterhin von den hervorragenden Geschäftszahlen vom vergangenen Montag, hieß es.

Mit einem positivem Geschäftsausblick und guten Geschäftszahlen für das erste Halbjahr überraschten hingegen Biolitec . Die Aktien des Jenaer Medizintechnik-Unternehmens kletterten bis Handelsschluss um knapp 21,18 % auf 10,30 Euro. Biolitec hatten Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt und unerwartet die Gewinnzone erreicht.

Erfreuliche Nachrichten veröffentlichten auch In-Motion. Das Unternehmen steigerte nach eigenen Angaben das Konzernergebnis im ersten Quartal 2000/2001 auf 6,24 Mill. DM nach einem Fehlbetrag von 1,13 % im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Aktien beendeten den Handel mit einem Plus von 12,21 % auf 31,25 Euro.

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