Nemax 50 fällt unter 900 Punkte – Thiel-Aktie bricht ohne erkennbaren Anlass bei hohen Umsätzen erneut ein
Ericsson vermiest die Stimmung am Neuen Markt

Und es geht immer noch ein bisschen schlimmer: Am Montag enttäuschte der schwedische Handy-Bauer Ericsson mit schlechten Zahlen und brachte damit auch die Technologiewerte des Neuen Marktes unter Druck. Erst vor ein paar Tagen hatte sein finnischer Konkurrent Nokia für Katerstimmung gesorgt.

FRANKFURT/M. Eigentlich sind die Handy-Verkäufer am Neuen Markt ziemlich dünn gesät. Den Umstand, dass das Wachstumssegment der Deutschen Börse trotzdem so verschnupft reagiert, wenn die Geschäfte bei Nokia oder Ericsson nicht so laufen wie gedacht, nennen Börsengurus manchmal "Sentiment", was auf deutsch nichts anderes heißt als Stimmung oder auch Gefühl. Am Neuen Markt werden viele Anleger derzeit aber das Gefühl nicht los, dass kaum etwas mit rechten Dingen zu geht. Reißen Großkonzerne wie Ericsson die Technologiewerte weltweit in den Abwärtsstrudel, so betrifft das die Kursbarometer des skandalgeschüttelten deutschen Wachstumssegments deshalb gleich doppelt und dreifach.

Am Montag verlor der Nemax 1,5 % auf 936 Zähler. Der Nemax 50, der die Werte auflistet, die dank einer vergleichsweise hohen Marktkapitalisierung zumindest eine Chance auf internationale Aufmerksamkeit haben, verlor sogar 2,6 % auf 886 Punkte.

Von Kursverlusten auf breiter Front konnte jedoch keine Rede sein: Ziemlich genau ein Drittel des gesamten Handelsvolumens im Nemax 50 entfiel auf die Papiere des Logistikdienstleisters Thiel. Der Titel, der in der vergangenen Woche durch den Ausstieg zweier institutioneller Anleger aus den USA bereits gewaltig unter Druck geraten war, verbuchte im Tagesverlauf dramatische Einbrüche und markierte ein neues Allzeittief von 6,93 Euro. Bislang gibt es niemanden, der mit einer fundamentalen Erklärung für die anhaltenden Verluste aufwarten könnte. Nach der überraschenden Kapitalerhöhung im Januar dieses Jahres waren allerdings wilde Gerüchte über Fehlplanung in dem als sehr solide geltenden Unternehmen am Markt aufgekommen. Gestern beeilte sich Thiel, diese aus dem Weg zu räumen und stattdessen die Nachricht zu streuen, dass das erste Quartal planmäßig und in Teilbereichen sogar unerwartet gut verlaufen sei. Aber selbst die Ankündigung des Luxemburger Unternehmens, in den kommenden Tagen bis zu 10 % des eigenen Aktienkapitals zurückzukaufen, konnte den Fall nur bremsen, nicht stoppen. Zum Börsenschluss notierten die Aktien mit 11,00 Euro knapp 6 % im Minus.

Nicht ganz unschuldig an derart panikartigen Marktreaktionen ist der Spieleentwickler Phenomedia. Das Unternehmen, das nicht nur für die Moorhuhn-Seuche in deutschen Büros, sondern auch für den jüngsten Bilanzskandal am Neuen Markt verantwortlich zeichnet, teilte nach dem gestrigen Kassensturz mit, dass es nach gegenwärtigen Kenntnisstand mit "hoher Wahrscheinlichkeit" nicht überschuldet sei. Nichts genaues weiß man nicht; die Anleger reagierten auf diese vage Versprechung dennoch mit einem Kursplus von über 83 % auf 1,76 Euro.

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