Nemax 50 ging mit satten Abschlägen aus dem Handel
Patient Neuer Markt krankt weiter an Fallsucht

Die Blue Chips im Nemax 50 sind am Donnerstag mit einem neuen Allzeitschlusstief aus dem Handel gegangen. Sie büßten 6,37 % auf 1 836,28 Zähler ein. Auch beim Nemax-All-Share, der alle Neuer-Markt-Werte abbildet, waren alle Schleusen offen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Blue Chips im Nemax 50 sind am Donnerstag mit einem neuen Allzeitschlusstief aus dem Handel gegangen. Sie büßten 6,37 % auf 1 836,28 Zähler ein. Auch beim Nemax-All-Share, der alle Neuer-Markt-Werte abbildet, waren alle Schleusen offen. Der Index fiel im Handelsverlauf auf ein neues 52-Wochen-Tief von 1 993,82 Punkten. Bis eine halbe Stunde vor Handelsschluss hatte er sich mühsam über der 2 000-Punkte-Marke gehalten, ging letztendlich aber mit einem satten Abschlag von 5,20 % auf 2 006,59 Zähler aus dem Handel.

Der Weg nach unten sei nach den hohen Tagesverlusten "völlig offen", schätzte Stefan Rangosch, Händler bei der Gontard & Metallbank, die Situation ein. Die Nasdaq in New York bewege sich auf die 2 000-Punkte-Marke zu; der Nemax 50 sei so tief gewesen wie noch nie - da gebe es auch keine Unterstützung. So lange die schlechten Nachrichten und der Verkaufsdruck anhalten, gehe es weiter abwärts, ergänzte der Händler. Die 2 000er-Marke, die der Nemax-All-Share durchbrochen hat, sei allerdings nur eine psychologische Marke gewesen.

Nemax - Intraday-Chart

Die Stimmung sei schlecht, sagte ein Analyst einer großen deutschen Bank. Der Neue Markt habe derzeit nach unten keine starken Unterstützungslinien, es dürfte wohl weitere Allzeit-Tiefststände geben, so die düstere Prognose des Analysten.

Im Mittelpunkt des Handels standen nach Händlerangaben die Aktien von Micrologica, D.Logistics sowie der Direkt Anlage Bank (DAB). Uneins waren sich die Frankfurter Aktienhändler, wo es eine Unterstützungslinien für den ungebremst fallenden Blue-Chip-Index Nemax50 geben könnte.

Micrologica - Ein Fall für die Intensivstation

Ein typischer Fall für die Intensivstation ist die Aktie des Softwareherstellers Micrologica. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, dass eine Zahlungsunfähigkeit drohe. Daraufhin fielen die Papiere in der Spitze um fast 70 %. Bis zum Schluss hatten sie sich leicht erholt und tendierten bei 1,19 Euro, was einem prozentualen Abschlag von knapp 52,4 % gleichkommt. Das Unternehmen habe große Absatz- und Liquiditätsprobleme, sagte Patrick Shields, Analyst beim Bankhaus BNP Paribas. Das Unternehmen muss seiner Eischätzung nach nun dringend finanzielle Unterstützung finden.

Der Gesamtmarkt belastet laut Händlern auch die Titel von D.Logistics. Das Logistikunternehmen konnte seinen Abwärtstrend der Vortage nicht stoppen und verlor fast 12 % auf 40,05 Euro. Seit Wochenbeginn hat das Schwergewicht damit über 25 % an Wert verloren. Das Unternehmen leidet nach Händlerangaben darunter, dass Fondsmanager Titel suchen, die sich bisher gut gehalten hätten und mit denen sie schnell Liquidität schaffen könnten.

Unter starken Verkaufsdruck waren nach Händlerangaben auch die Software- und Internettitel wie Trintech (minus 20,4 %), Intershop (13,96 %) und Heyde (9,27 %). Alle Scheine litten unter einem regelrechten Käuferstreik. Die Orderbücher sowohl beim Makler als auch auf Xetra blieben leer, sagte ein Händler. Kein Marktteilnehmer traue sich derzeit in diese Werte zu investieren, sagte ein anderer Händler. Auch die Direkt Anlage Bank leide unter fehlenden Käufern. Der Online-Broker verlor bis zum Handelsende über 17 % auf 21,50 Euro.

T-Aktie mit vergleichsweise geringen Verlusten

Einen vergleichsweise geringen Abschlag von 0,53 % auf 11,20 Euro mußte T-Online hinnehmen. Noch herrschte Unklarheit darüber, ob die Kirch-Gruppe mit der Deutschen Telekom über einen Einstieg bei T-Online oder über eine Inhalts-Partnerschaft mit dieser verhandelt. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge, habe die KirchGruppe Verhandlungen mit der Deutschen Telekom über eine so genannte Content-Partnerschaft bestätigt. Die Telekom wiederum erklärte gegenüber der FTD, dass derzeit keine aktuellen Gespräche über Inhalte geführt werden.

Ein Minus von 9,98 % auf 5,14 Euro verbuchte I-D Media. Nach Informationen des Anlegerbriefs "Mainvestor" verfehlt die ihr Ertragsziel für das Jahr 2000. Der Verlust beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll nach Informationen des Anlegerbriefes "merklich höher als die angekündigten 15,8 Mill. DM liegen." Mainvestor will dies "exklusiv aus einer guten Quelle" erfahren haben. Beim Umsatz liege das Unternehmen jedoch weit über den Jahresprognosen.

Händler betonten, der Neue Markt müsse nun erst einmal eine seitwärtige Bodenbildung schaffen, um den anhaltenden Trend auf immer neue Tiefststände zu brechen. Dann könnte man sich laut Händlern auch wieder vorsichtig nach oben orientieren. Michael Völler, Aktienhändler bei Concord Effekten, sieht spätestens bei 1 850 Punkten eine Unterstützungslinie für den Nemax 50. Andere Händler betonten hingegen, dass die historischen Tiefstände keine Anhaltspunkte für charttechnische Gegenreaktionen bieten. Es bleibe dann die Angst immer weiter fallender Kurse bestehen, sagte der Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%