Nemax 50 und SDax werden neu zusammengestellt
Die Börse räumt auf

Am 8. Mai wird der Arbeitskreis Indizes der Deutsche Börse zusammenkommen, um die Zusammensetzung der Aktienindizes unter die Lupe nehmen. Neu justiert werden diesmal der Nemax-50 und der SDax. Wir nennen Ihnen die möglichen Auf- und Absteiger.

vwd FRANKFURT. Dax und MDax dagegen werden erst im August wieder regulär überprüft. Außerplanmäßige Änderungen in diesen Segmenten sind zwar auch zum jetzigen Termin theoretisch möglich, werden aber nicht erwartet. Die Änderungen, die der Arbeitskreis beschließen wird, werden am 21. Juni nach Börsenschluss wirksam.

Dabei müssen sich die Investoren mit zwei Dingen befassen: Zum einen werden für die Gewichtung der Aktien in den Indizes nur noch die Aktien berücksichtigt, die zum Streubesitz gehören - also die Papiere, die frei gehandelt werden. Diese Änderung betrifft den Dax und MDax erst im September, wenn der nächste reguläre so genannte "Verkettungstermin" ansteht, bei dem diese beiden Indizes an die einschlägigen Veränderungen angepasst werden.

Zum anderen werden zum 21. Juni voraussichtlich einige Unternehmen aus dem Nemax-50 ausscheiden und einige neu hinzukommen, und der SDax wird sogar halbiert. Statt wie bisher 100 Unternehmen sollen ab Juni nur noch 50 den Index bilden.

Entscheidend für die Zugehörigkeit zu allen vier Indizes sind Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz. Wer es im Nemax-50 bei einem dieser Kriterien nicht mehr unter die ersten 60 schafft, kann absteigen - für einen Aufstieg müssen dagegen beide Kriterien erfüllt sein.

Trintech gilt daher als abstiegsgefährdet. Zu den Wackelkandidaten zählen auch Pixelpark, D.Logistics und Pandatel. BroadVision hat bereits den Rückzug vom Neuen Markt angekündigt und auch Consors könnte wegen der Übernahme durch BNP Paribas ausscheiden.

Hoffnung auf Aufnahme können sich Beobachtern zufolge Repower, Elmos Semiconductor, technotrans und Mühlbauer ausrechnen. Von der Umstellung auf Streubesitz könnten im Nemax-50 laut Analysten Singulus, BB Biotech und Aixtron profitieren. Das Gewicht von comdirect, Medion und SAP SI wird dagegen geringer.

Der SDax mit seinen 100 Mitgliedern sollte eigentlich ein Auswahlindex für den Smax sein. Allerdings sind von der gesamten Marktkapitalisierung des Snax derzeit rund 80 Prozent im SDax vertreten - das Auswahlprinzip kommt somit bislang nicht wirklich zum Tragen. Denn der Smax ist stark geschrumpft, die Zahl der Unternehmen reicht gar nicht mehr aus, um den SDax komfortabel zu füllen. Der SDax wird deshalb ab dem 21. Juni auf 50 Werte reduziert - wie beim Nemax-50 gilt hier die 60/60-Regelung.

Das heißt, dass Titel in den SDax kommen könne, wenn sie nach Marktkapitalisierug und Börsenumsatz unter die ersten 60 kommen.

Die Commerzbank hat analysiert, welche Unternehmen das voraussichtlich sein werden. Als künftiges Schwergewicht gilt ihrer Studie zufolge die Mannheimer AG Holding, gefolgt von der MVV. Die MVV war erst im September 2001 aus dem Index ausgeschieden, weil ihr Streubesitzanteil zu gering war - ab Juni reichen wieder fünf Prozent, und MVV ist daher wieder dabei. Die Positionen drei, vier und fünf könnten nach heutigen Stand Hornbach, Deutsche Beteiligungs AG und Leoni einnehmen.

Unterdessen zeichnet sich aus jetziger Sicht beim Dax auch im September bei der Zusammensetzung keine Verändererung ab. Zwar rangieren Altana, die Deutsche Börse und Beiersdorf hinsichtlich der Marktkapitalisierung unter den ersten 30 und haben auch den nötigen Börsenumsatz. Beim Dax gilt aber die 35/35-Regelung, und auch die am schlechtesten platzierten Dax-Mitglieder MAN, FMC und Epcos sind nach beiden Kriterien unter den 35 größten Unternehmen zu finden.

Eine Notwendigkeit zum Austausch gibt es daher bei keinem der drei Unternehmen. MAN wird sich zudem wieder nach oben arbeiten: Da MAN die Vorzugsaktien in Stämme tauscht, wird die Marktkapitalisierung ansteigen. Das Unternehmen wird seinen letzten Platz an FMC dann abgeben und Degussa zum Kreis der gefährdeten Unternehmen zählen. Der Tausch muss allerdings noch auf der Hauptversammlung am 17. Mai beschlossen werden, die Aktion kann sich dann noch zwei bis drei Monate hinziehen, sagt eine Analystin.

Von der neuen Streubesitzregelung profitieren Siemens am stärksten. Auch die Deutsche Bank, E.ON und Bayer sind ab September deutlich stärker als bisher im Dax vertreten. Zurückgehen wird hingegen das Gewicht der Deutschen Telekom, der Münchener Rück, von BMW, von SAP und von den VW Stämmen. BMW und VW verlieren noch zusätzlich an Gewicht, weil die Vorzugsaktien bei der Indexberechnung künftig nicht mehr berücksichtigt werden.

Beim MDax ist nach Einschätzung von Beobachtern noch schwer vorherzusehen, ob die Deutsche Börse ein oder mehrere Unternehmen aus dem Index ausschließen wird. Als Aufstiegskandidaten gelten die aus der Depfa hervorgegangene Immobilienbank Aareal sowie die Deutsche Beteiligungs AG, die Klöckner-Werke und Leoni. Die drei letztgenannte Unternehmen sind allerdings auch nicht besser positioniert als die möglichen Abstiegskandidaten Gold-Zack, AGIV, Escada und Kolbenschmidt-Pierburg.

Theoretisch könnte auch Kamps ein Abstiegskandidat werden - hier hängt die Entwicklung davon ab, wieviel Altaktionäre das Angebot von Barilla annehmen, sagt ein Analyst. Vor Mitte Juni werde sich bei Kamps aber vermutlich nichts tun. Zudem reiche ab Juni ein Streubesitzanteil von fünf Prozent für den Verbleib im MDax aus. Zu den Gewinnern der Umstellung auf Streubesitz im MDax zählen Analysten zufolge die Deutsche Börse, Merck und Continental, während der geringe Streubesitz bei Beiersdorf, AMB Generali und bei BHW zu einem verringerten Gewicht führen wird.

Überraschend kommen diese Änderungen im September aber nicht: Bereits jetzt veröffentlicht die Deutsche Börse monatlich Ranglisten, die über die Marktkapitalisierung nach Streubesitz informieren, um Investoren eine erste Orientierung zu geben.

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