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Neonazis nach Aktionen zum Heß-Todestag festgenommen

Bei Aktionen zum 13. Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß hat die Polizei in der Nacht zum Freitag im gesamten Bundesgebiet erneut zahlreiche Rechtsextreme festgenommen.

afp BERLIN. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern versammelten sich Neonazis zu verschiedenen Aufmärschen. In Rostock und Umgebung wurden mehrere hundert Handzettel verteilt, auf denen Heß als Märtyrer verherrlicht wird. In Eisenach nahm die Polizei bei verschiedenen Vorfällen insgesamt neun Rechtsradikale fest. In Schwerin wurden nach einem Brandanschlag zwei 19-Jährige als Tatverdächtige gestellt.

Im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt versammelten sich 42 Neonazis zu einem Marsch, skandierten rechtsradikale Parolen und zeigten Transparente zum Tod von Heß. Die Polizei nahm alle 42 Teilnehmer der unangemeldeten Demonstration vorläufig fest und stellte umfangreiches Propagandamaterial sicher. Im mecklenburg-vorpommerschen Güstrow rotteten sich knapp 30 Rechtsradikale zu einem Fackelzug zusammen, der sich nach Eintreffen der Polizei wieder auflöste.

In Eisenach nahm die Polizei drei Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren vorläufig fest, die am Straßenrand saßen und beim Vorbeifahren der Autos den Hitler-Gruß zeigten. Die sechs anderen jungen Männern wurden an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet festgenommen, weil sie den Hitler-Gruß zeigten, T-Shirts mit Nazi-Symbolen trugen oder Musik mit rechtsradikalem Inhalt spielten. Auch in Arnstadt wurden vier Männer im Alter von 19 bis 23 Jahren wegen des Abspielens rechtsradikaler Musik festgenommen. Für vier Rechtsextreme, die bereits am Donnerstag in Gotha wegen des Verbreitens von Flugblättern und Aufklebern zum Heß-Todestag festgenommen worden waren, wurde ein gerichtliches Unterbindungsgewahrsam ausgesprochen. Sie sollen erst am Montag wieder auf freien Fuß kommen.

Im hessischen Kirtorf im Vogelsbergkreis wurde ein 19-jähriger Rechtsradikaler festgenommen, der in der Innenstadt gemeinsam mit Gesinnungsgenossen seinen Geburtstag gefeiert hatte. Gegen ihn besteht der Verdacht, dass er am Donnerstag im nahegelegenen Alsfeld Plakate geklebt hatte, auf denen Heß verherrlicht wurde.

Heß war 1946 vom Internationalen Militärtribunal in Nürnberg wegen Verbrechen gegen den Frieden zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seit 1966 war er der einzige Insasse des Kriegsverbrechergefängnisses in Berlin-Spandau. Dort erhängte er sich am 17. August 1987. Seither verbreiten Rechtsradikale die Legende, er sei umgebracht worden. Bereits in den vergangenen Jahren war es um den 17. August immer wieder zu Aktionen von Rechtsextremisten gekommen. In Berlin und Hamburg haben die Verwaltungsgerichte für Samstag geplante Demonstrationen zum Heß-Todestag verboten. In Rostock hat das Ordnungsamt eine ebenfalls für Samstag geplante Demonstration von Rechtsradikalen verboten.

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