Archiv
Nervenprobe für die Wall Street

Die Wall Street blickt auf die schlechteste Börsenwoche seit März zurück. Der Dow Jones Index verlor im Wochenverlauf 4,5 Prozent und der Nasdaq Composite büßte fast sechs Prozent an Wert ein. Die Sorge, die weiterhin schwache US-Wirtschaft könne den Unternehmensgewinnen auch im dritten Quartal ordentlich zusetzen, bestimmte das Marktgeschehen. Dabei fing die Woche so ruhig an. Noch voller Zuversicht warteten die Investoren auf die zum Wochenanfang angekündigten Daten zum Konsumentenvertauen und Bruttoinlandsprodukt. Doch diese enttäuschten die Anlegerherzen nachhaltig. Die Zuversicht der US-Konsumenten fiel im August mit 114,3 Punkten auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Ankündigungen über Massenentlassungen haben amerikanische Verbraucher in den vergangenen Wochen offenbar doch verunsichert. Die Enttäuschung der Anleger war verständlich und die Sorge um eine ebenfalls unzufriedenstellende Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts plötzlich um so größer. Denn nicht zuletzt schützten die bisher relativ stabilen Konsumentenausgaben die US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten vor einer steileren Talfahrt. Es kam, wie es kommen musste. Zwar stieg das US-Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal um 0,2 Prozent stärker als erwartet, doch handelte es sich im gleichen Atemzug auch um den geringsten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts seit acht Jahren. Das Resultat der Wirtschaftsdaten: Der Dow Jones Index musste an drei Tage in Folge Kursverluste von jeweils über 100 Punkten einstecken und fiel damit zum ersten Mal seit Anfang April wieder unter die psychologisch wichtige 10.000er Punktemarke. Mit einer Genesung der Konjunktur dürfte bis Ende des Jahres vermutlich nicht mehr zu rechnen sein, lauten vermehrt die Stimmen der Analysten. Noch bis vor zwei Wochen hatten die Experten von Goldman Sachs dem S&P 500 Index einen Anstieg auf 1450 Zähler bis Ende des Jahres prognostiziert. Nun werde das Börsenbarometer das Punktziel erst Mitte des kommenden Jahres erreichen, so die Analysten. Nach dem ohnehin schon trüben Ausblick schob Corning am Mittwoch nach Handelsschluss noch eine schlechte Nachricht hinterher. Das Glasfaserunternehmen wird weitere 1000 Mitarbeiter entlassen. Damit reduzierte das Unternehmen die Anzahl seiner Mitarbeiter in diesem Jahr um 8000 und damit 20 Prozent weltweit. Serverhersteller Sun Microsystems schob schlechte Nachrichten nach. Das Management glaubt nicht an eine Besserung des Geschäftsumfelds vor Juni nächsten Jahres. Laut Sun Micro blieben die Probleme zudem nicht auf Sun begrenzt, sondern würden den gesamten Bereich betreffen. In diesem Umfeld gerieten auch die Aktien von Big Blue IBM unter Druck. Schwächer tendierte auch Microsoft. Der Softwarehersteller sitzt erneut auf der Anklagebank. Zur Abwechslung heißt der Kläger nicht Jackson, und die Klage kommt auch nicht aus Amerika. Die Europäische Kommission nimmt den Softwaregiganten unter die Lupe. Der Vorwurf: Microsoft versuche, mit illegalen Methoden einen Teil des Servermarktes zu dominieren. Laut der Kommission habe das US-Unternehmen zudem die Media Player Software illegal mit dem Windows Betriebssystem verknüpft. Kurz vor dem verlängerten Labor-Day-Wochenende konnte die Wall Street die aufgebrachten Anlegergemüter dann doch noch ein wenig besänftigen. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stiegen im Juli um 0,1 Prozent. Die Mehrheit der Analysten hatte mit einem Rückgang von 0,5 Prozent gerechnet. In der kommenden Wochen werden neben einigen Konferenzen, etwa bei Intel, vor allem die Arbeitsmarktdaten erwartet. Der September kann zumindest eigentlich nur besser starten als der August geendet hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%