Nervenzellen aus Knochenmark hergestellt

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Nervenzellen aus Knochenmark hergestellt

Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Essen hat nach eigenen Angaben aus menschlichem Knochenmark Nervenzellen hergestellt. Das Klinikum berichtete am Montag, prinzipiell sei damit die Türe offen für die rasche "Herstellung" auch anderer Zell-Linien und deren Anwendung zur Behandlung bisher nicht oder nur schlecht behandelbarer Erkrankungen des Menschen.

dpa DÜSSELDORF. Nach Angaben von Prof. Andreas Hufnagel ist es der Essener Forschergruppe gelungen, adulte Stammzellen des Menschen aus dem Knochenmark zu isolieren, in der Zellkultur um ein Vielfaches zu vermehren und in Nervenzellen umzuformen. Die Vorteile der adulten Stammzellen seien ihre ethische Unbedenklichkeit und die Möglichkeit, diese von Patienten ohne große Schwierigkeiten aus dem Blut oder dem Knochenmark zu gewinnen und nach erfolgter Vervielfältigung ohne Abstoßungsreaktionen zurückzugeben. Forscher in Düsseldorf und Rostock hatten im vergangenen Sommer bereits Herzzellen aus Knochenmark gewonnen und Patienten eingesetzt.

Hufnagel betonte, eine Behandlung an größeren Patientengruppen könne im günstigsten Fall in fünf Jahren erfolgen. Erweise sich die Methode als anwendbar, sei als erstes möglicherweise die Behandlung von Parkinson, Alzheimer, bestimmten Formen des Schlaganfalls oder der Epilepsie möglich. "Vor einer Anwendung am Menschen ist aber noch sehr viel Forschungsarbeit für die Sicherheit notwendig", sagte Hufnagel. Tierversuche würden noch zwei bis drei Jahre Zeit dauern.

Den Tierversuchen schlössen sich noch zweijährige Pilotstudien an Patienten an. "Bis jetzt ist es erst eine Hoffnung." Man wisse nicht, ob die Behandlung nicht sogar negative Folgen habe. Ähnliche Versuche wie Hufnagel hatten US-Forscher bereits im Jahr 2000 vorgestellt. An der Rutgers Universität (US-Staat New Jersey) gewann ein Team ebenfalls menschliche Nervenzellen aus Knochenmark. Im einem Tierversuch hatten die US-Forscher derartige Zellen sogar ins Gehirn gepflanzt und beobachteten, wie es die Funktion von zerstörtem Nervengewebe übernahm.

Dennoch warnen Forscher immer wieder vor übertriebenen Hoffnungen. Bis zu einem möglichen Therapie- Einsatz für Menschen mit erkrankten Hirnzellen, wie etwa Parkinsonpatienten, werde es noch Jahre dauern.

Erst in der vergangenen Woche waren Versuche mit Stammzellen aus dem Knochenmark bekannt geworden, die sich ähnlich gut vermehren sollen wie embryonale Stammzellen. Das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Nr. 2327) berichtete von den Versuchen eines Teams um Catherine Verfaillie an der Universität von Minnesota in Minneapolis.

Sie kultiviere mehrere Knochenmarks-Zelllinien bereits seit zwei Jahren. Alle anderen bisher untersuchten adulten Stammzelltypen haben nur eine begrenzte Lebensdauer, während sich embryonale Stammzellen nahezu endlos teilen können.

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