Nervosität im Wahlkampf
Republikaner fürchten Machtverlust

Die weitere Wirtschaftsentwicklung könnte aber ebenso entscheidend sein wie die drei Fernsehdebatten von Bush und seinem Herausforderer John Kerry. Das Rededuell der Kandidaten spielt in den USA traditionell eine große Rolle. Schon im Wahlkampf 2000 hatte der Demokrat Al Gore mit politischem Scharfsinn Punkte gemacht; aber Bush errang mit einem als herzlich empfundenen Auftritt weit mehr Sympathien. Dies könnte Kerry als Warnung dienen, der als eher steif und elitär gilt.

Typisch für die Präsidentschaftswahl scheint ohnehin die Spekulation beider Seiten, weniger mit eigener Überzeugungskraft zu siegen, als vielmehr auf die Schwächen des Gegners zu zählen. Auf dem Parteitag der Demokraten in Boston hatten die Parteistrategen allerdings versucht, das Einschlagen auf Bush ("Bush-Bashing") möglichst zu vermeiden. Denn Kerry muss fürchten, dass der greifbare Hass vor allem vieler Intellektueller auf Bush diesem als Bonus dienen könnte.

Die Republikaner müssen auf ihrem Parteitag weniger Scheu haben: Zwar werden sie zeigen wollen, dass nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Bush im "Krieg gegen den Terrorismus" ebenso erfolgreich war wie mit seinen Steuererleichterungen für die Wirtschaft. Da aber auf beiden Feldern die Zweifel gewachsen sind, wird es vor allem republikanische Strategie sein, Bush als "tatkräftigen, führungsstarken Patrioten", als "anständigen Kerl" zu verkaufen. Kerry dagegen soll als abgehobener Oststaaten-Liberaler, als wankelmütiger "Flip-Flopper" dargestellt werden, dessen Verdienste als Vietnam-Offizier höchst fragwürdig seien.

Die größte Unwägbarkeit des Konvents bleibt das Geschehen vor den Toren des New Yorker Sportpalasts. Sollte es in Manhattan zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei kommen, könnten sich republikanische Wahlkampfmanager die Hände reiben. Bilder des Chaos und der Gewalt im liberalen New York würden im weiten Land den Wunsch nach einem "starken Mann" im Weißen Haus intensivieren. Und diesen Ruf hat Bush laut Umfragen weit mehr als Kerry.

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