Nervosität nach Selbstmordanschlag: Bis zu zehn irakische Zivilisten erschossen

Nervosität nach Selbstmordanschlag
Bis zu zehn irakische Zivilisten erschossen

Ein tragischer Zwischenfall an einem amerikanischen Kontrollpunkt mit bis zu zehn getöteten Frauen und Kindern hat das gespannte Verhältnis zwischen US-Soldaten und irakischen Zivilisten weiter belastet. Die nach einem Selbstmordangriff nervösen US-Soldaten feuerten auf einen näher kommenden Kleinbus, als dieser nicht langsamer wurde. Unklar war, ob die Soldaten an dem Kontrollpunkt in der Nähe der zentralirakischen Stadt Nadschaf den Fahrer klar genug gewarnt hatten.

HB/dpa WASHINGTON. Das US-Militär teilte am Dienstag mit, der Zwischenfall vom Montagabend werde untersucht. Das wichtigste Prinzip sei aber die Sicherheit der Truppen, betonte Brigadegeneral Vincent Brookes vom US-Zentralkommando. Ein Militärsprecher hatte nach dem tödlichen Schüssen erklärt, die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben. Erst nachdem der Toyota Kleinbus nicht stoppte, hätten sie eine Salve mit einer 25 Millimeter Kanone auf den Wagen abgefeuert. Sieben Zivilisten seien gestorben, teilte der Militärsprecher mit.

Ein Reporter der "Washington Post", der mit dem Verband reist, lieferte allerdings eine etwas andere Version. Demnach starben zehn Zivililisten, darunter fünf kleine Kinder. Ein elfter Zivilist sei so schwer verletzt, das ihm kaum Überlebenschancen eingeräumt würden. Nach Angaben des Reporters machten die Soldaten auch Fehler, indem sie die Warnschüsse nicht rechtzeitig abfeuerten.

"Verdammt, Ihr habt eine Familie getötet, weil Ihr nicht schnell genug Warnschüsse abgegeben hat", zitierte die Zeitung Hauptmann Ronny Johnson. Demnach hatte er seinen Soldaten mehrfach befohlen, Warnschüsse in den Kühler des Kleinbusses abzugeben. "Trödelt nicht länger herum!" brüllte er nach Angaben des Reporters schließlich, als weiter keine Warnschüsse fielen.

Soldaten selbst geschockt

Als er erneut den Befehl gab, den Wagen zu stoppen, feuerte ein Bradley Panzer mit seiner Kanone eine Salve auf den Bus ab. Johnson befahl noch das Feuer einzustellen, aber es war bereits zu spät. Zehn Frauen und Kinder seien tot gewesen, berichtete die Zeitung. "Es war das Schrecklichste, was ich je gesehen habe, und ich hoffe, dass ich so etwas nie wieder sehe", sagte der 26-jährige Unteroffizier Mario Manzano.

US-Offiziere räumten ein, dass die Soldaten nervös waren, nachdem am Samstag an einem Kontrollpunkt 30 Kilometer entfernt vier amerikanische Soldaten bei einem Selbstmordangriff eines Irakers starben. Experten erklärten im amerikanischen Fernsehen, für die US- Soldaten werde die Lage nach dem tragischen Zwischenfall nun noch schwieriger. Zum einen sei es ein schwerer Rückschlag für die Bemühungen der US-Truppen sich gegenüber der Bevölkerung als die "Befreier" darzustellen. Das Misstrauen in der Bevölkerung werde nun weiter steigen.

Zum anderen sei es künftig für die Soldaten an den Kontrollpunkten noch schwieriger, in einem Bruchteil von Sekunden zu entscheiden, ob ein näher kommendes Fahrzeug eine Gefahr darstellt oder nicht. Nur Stunden nach dem tödlichen Zwischenfall nahe Nadschaf wurde nach amerikanischen Medienberichten an einem anderen Kontrollpunkt bei der Stadt Schatra ein Autofahrer erschossen, der nach offiziellen Angaben trotz Aufforderung nicht hielt.

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