Nettogewinn soll sich in diesem Geschäftsjahr verdreifachen
NTT Docomo schafft die Wende

Der Pionier bei Internet-Mobilfunkdiensten ist zurück in der Gewinnzone. Nach vielen Schwierigkeiten scheint FOMA, der Telefon-Dienst der dritten Generation, langsam abzuheben. Und auch bei Kamera-Handys konnte NTT Docomo mit 10 Millionen verkauften Handys die Konkurrenten abhängen.

bas TOKIO. Es waren harte Monate für den erfolgsverwöhnten Keiji Tachikawa, Chef von NTT Docomo, dem zweitgrößten Mobilfunkanbieter der Welt: NTTs hoch gepriesener Mobilfunkdienst der dritten Generation, FOMA, fand keine Abnehmer. Stattdessen verkürzten die Wettbewerber mit Kameratelefonen für die Dienste der zweiten Generation den Abstand zum Marktführer. Und Auslandsbeteiligungen in Europa (KPN Mobile) und den USA rissen Löcher in die Docomo-Bilanz. Ein weiterer gefallener Engel der IT-Blase.

Doch gestern verkündete Tachikawa die Rückkehr in die Gewinnzone und prognostizierte eine saftige Nettogewinnsteigerung für das laufende Geschäftsjahr. Nach einem starken zweiten Geschäftshalbjahr erwirtschaftete Docomo im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 213 Mrd. Yen (1,6 Mrd. Euro). Im Jahr zuvor waren noch 116 Mrd. Yen Verlust angefallen. Der Umsatz stieg um 3,2 % auf gut 4,8 Bill. Yen, der operative Gewinn um 5,6 % auf knapp 1,1 Bill. Yen. Neben sinkenden Investitionen für den Aufbau des FOMA-Netzes und weniger Verlusten bei Auslandsbeteiligungen trugen überraschend hohe Zuwächse beim i-mode-Dienst zur Gewinnsteigerung bei.

Lange hatte Docomo den Trend zu Kamera-Handys verschlafen, dann jedoch in einer konzertierten Aktion mit seinen Hauptlieferanten den Markt aufgerollt. Mittlerweile hat der Marktführer mit 10 Millionen verkauften Handys den Foto- Handy-Pionier und Vodafone-Tochter J-Phone überholt. 3,1 Millionen neue Mobilfunkkunden überraschten selbst Docomo. "Wir sollten jedoch nicht erwarten, dass diese Situation noch lange anhalten wird", sagte Tachikawa. Statt dessen will Docomo die Erträge stabil halten, indem über steigende Datennutzung Einbußen bei den durchschnittlichen Gesprächsausgaben ausgeglichen werden.

Ein prognostizierter Umsatzanstieg für das laufende Geschäftsjahr von 1,9% und ein operativer Gewinnanstieg von 3,1% zeigen, dass Docomo mittlerweile weiss, dass der Markt gesättigt ist. Dagegen soll der Nettogewinn um satte 190 % zulegen, weil Verluste aus Auslandsbeteiligungen wegfallen und auch das FOMA-Netz mit einer Verbreitung von 92% mittlerweile fast fertig gebaut ist. Profitieren vom Gewinn und den hohen Reserven sollen Aktionäre über eine auf 1000 Yen pro Aktie verdoppelte Dividende und über Aktienrückkäufe.

Im laufenden Jahr soll allen Unkenrufen und Fehlstarts zum Trotz der Mobilfunkdienst der dritten Generation abheben. "Die Verbreitung und Popularisierung von FOMA ist die wichtigste Herausforderung für Docomo in diesem Fiskaljahr", meinte Tachikawa. Der Wind scheint sich in der Tat gedreht zu haben. Im März kamen 138 000 neue FOMA-Abonnenten dazu, mehr als ein Drittel der insgesamt 330 000 Nutzer. Den Anstoß hatte ein Panasonic-Handy mit seitlich klappbaren Bildschirm zum Aufnehmen von kurzen Videofilmen gegeben. Gewicht und Batterieprobleme, lange ein Hemmschuh der FOMA-Handies, ist mittlerweile kein Thema mehr. Die Entscheidung Tachikawas, dass Docomo die Entwicklung der 3G-Handies mitfinanziert, hat sich ausgezahlt. Bis Ende März 2004 rechnet Docomo mit 1,5 Millionen Nutzern - und mancher Analyst hält diese Prognose diesmal für eher konservativ, nachdem Docomo zuvor kräftig nach unten korrigieren musste. Zudem ist selbst diese Zahl noch gering im Vergleich zu fast 38 Millionen i-mode-Nutzern.

Wie so oft bei neuen Modellen dürfte der Schub bald erst einmal schwächer werden, meint Telekomananalyst Kirk Broody von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Ab Herbst jedoch sollten neue 3G-Modelle für einen weiteren Schub sorgen. Und Tachikawa hofft, dass mit wachsender Abonnentenzahl auch die Inhalte zunehmen. Mit zusätzlichen Funktionen wie Videokonferenzen über das Handy dürfte der Dienst von Konkurrent KDDI, der auf einer anderen Technik basierend schneller als i-mode aber langsamer als FOMA ist, vorübergehend ins Intertreff geraten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr vervierfachte die KDDI-Gruppe, die auch das Festnetzgeschäft umfasst, ihren Nettogewinn jedoch fast auf 57,4 Mrd. Yen.

Direkte Auswirkungen auf die Beteiligungen von Docomo im Ausland hat die Entwicklung nicht. Tachikawa gestand ein, dass in Europa Endgeräte und vor allem der Inhalt selbst für den i-mode-Dienst noch unzureichend sei. Doch Broody meint: "Die Stimmung der Investoren in Europa könnte sich durch einen Erfolg von FOMA verbessern."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%