Netzausrüster in der Gunst der Anleger
Die wahren UMTS-Profiteure

Die neue Mobilfunktechnik UMTS elektrisiert die Investoren und revolutioniert den Telekom-Markt. Doch die Gewinner dieser Technik sind nicht die Telefonkonzerne. Ihnen entstehen hohe Anlaufkosten. Profitieren werden die Netzausrüster. An ihnen kommt kaum ein Unternehmen vorbei, das mit UMTS arbeitet.

HANDELSBLATT, 2.6.2000

som DÜSSELDORF. Die Idee ist verlockend: Börsenkurse studieren, telefonieren und Aktien ordern, Mails empfangen und verschicken, Flüge buchen und Musik hören - das alles mit einem Handy und viel schneller als bisher. Die Zauberformel dafür heißt UMTS ( Universal Mobile Telecommunications System). Für die Telefongesellschaften zeichnet sich ein Milliardengeschäft ab. Unternehmensberater schätzen, dass in zwei bis drei Jahren allein in Europa 100 Millionen Handynutzer im Internet surfen.

Derzeit werden in Deutschland die Lizenzen für die Wundertechnik versteigert. Auf rund 100 Mrd. Euro darf der Bund hoffen, nachdem die Briten es bei der Auktion erfolgreich vorgemacht haben. Um nicht das Geschäft der Zukunft zu verpassen, bleibt den Telefongesellschaften keine andere Wahl als mitzubieten - koste es was es wolle und das in mehreren Staaten.

Und genau dieses Problem haben die Anleger erkannt: Die Lizenzen müssen teuer ersteigert werden, und anschließend verschlingen Investitionen in die Infrastruktur weitere Milliarden. In der Erwartung, dass die Gewinne zumindest kurzfristig einbrechen werden, sind die Aktien der erfolgreich bietenden Unternehmen wie Vodafone oder Deutsche Telekom eingebrochen.

Die wahren Profiteure des UMTS-Booms werden die Ausrüster sein. Je teurer die Lizenzen versteigert werden, desto mehr drücken anschließend die Betreiber aufs Tempo beim Netzaufbau, um möglichst rasch das Geld wieder hereinzuholen. "Auf die Infrastrukturbetreiber kommt eine gewaltige Auftragsflut zu", ist sich Technologie- und Internetanalyst André Jäkel von der BHF-Bank sicher.

Nummer eins in der Branche mit einem Marktanteil von rund 30 % ist Ericsson . Die Schweden verfügen über eine nahezu vollständige Produkpalette für die Einführung der neuen Mobilfunkgeneration. Auch wenn der Kurs bereits kräftig gestiegen ist, setzen fast alle Bankhäuser auf Ericsson.

Gute Chancen hat auch der japanische Elektronikkonzern NEC . Die Japaner bringen viel Erfahrung ein, lassen sie doch schon seit einem Jahr mobil im Netz surfen. Gemeinsam mit Siemens will NEC nun den europäischen Markt erobern.

Durch Zukäufe im wichtigen Zukunftsmarkt der Glasfasernetze hat sich Nortel Networks hervorragend positioniert. Die Kanadier werden in Großbritannien Hauptlieferant für das landesweite UMTS-Netz sein.

Nach dem schweren Kurseinbruch ist Qualcomm wieder Favorit vieler Experten. Dank seiner überzeugenden Übertragungstechnik (CDMA) gehört Qualcomm zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in den USA.

Nur sehr zögernd gewinnt Lucent die Gunst der Anleger zurück. Schlechte Quartalszahlen hatten den Kurs des Schwergewichts an der Nasdaq innerhalb eines Tages um 35 % einbrechen lassen. Jetzt arbeitet der Konzern an einer Alternative zu dem teuren UMTS-Netz. Sollte der Plan aufgehen, dürften sich die Telefongesellschaften eines Tages fragen, warum sie die teuren Lizenzen ersteigert haben.

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