Netzausrüster integrieren verschiedene Techniken in einem Netz
Funknetze wachsen zusammen

Nicht nur für die Kunden wäre es attraktiver, wenn künftig alle Mobilfunktechniken in einem fächendeckenden Netz genutzt werden könnten. Vorteil für die Netzbetreiber: Sie könnten die Betriebskosten deutlich senken.

DÜSSELDORF. Internettechnik macht es möglich: Mobile Sprach- und Datennetze wachsen zusammen und können wie ein großes einheitliches Netz genutzt werden. Verschiedene Geräte können über unterschiedliche Infrastrukturen miteinander kommunizieren. Wenn der Kunde ein Netz verlässt, wird er in das nächste weitergereicht - ohne dass er das merkt, ohne dass die Verbindung unterbrochen wird.

Wenn man während einer Taxifahrt im UMTS-Mobilfunknetz eine Videokonferenz auf seinem Mobiltelefon verfolgt, dann wird diese Verbindung beim Erreichen des Flughafens mit einem WLAN-Netz in diese Infrastruktur weitergereicht. Der Kunde bekommt dort sogar die Information, dass er das Format des Live-Videobildes verdoppeln kann, da dort mehr Bandbreite zur Verfügung steht.

Auch berufstätige Eltern hätten Vorteile: Sie könnten an ihrem Arbeitsplatz die Videokamera im Kindergarten ihrer Tochter anwählen, das Kind an ihrem Computer beobachten und gleichzeitig auch mit ihm sprechen, ohne extra noch zum Telefon zu greifen, um den Kindergarten anzurufen. Der positive Nebeneffekt solcher konvergenter Netze für die Betreiber: Sie können ihre Kosten für den Betrieb ihrer Infrastruktur senken und die Technik effizienter nutzen.

Netzausrüster wollen Investition schmackhaft machen

Mit diesen Argumenten versuchen Netzausrüster wie Nokia, Lucent oder Siemens ihren Kunden die Investition in Techniken schmackhaft zu machen, mit denen die Netze auf Basis des Internetprotokolls zusammengeschaltet werden. Die Netzbetreiber müssten weiteres Geld in ihre Infrastruktur, in neue Netzrechner und in Plattformen stecken, über die die bestehenden Netze verknüpft werden. Und langsam finden sie Gehör: "Wir sind noch am Anfang der Entwicklung in Richtung konvergentes Netz, aber es geht langsam voran, Kostenargumenten kann man sich ja nur schwer entziehen", berichtet ein Mobilfunkmanager.

Experten tun sich schwer, eine Schätzung über die Höhe der Investitionen abzugeben. Fest steht nur so viel: "Es ist nicht billig. Die genaue Höhe der Kosten hängt davon ab, welche Applikationen in welcher Qualität dem Kunden angeboten werden sollen und wie schnell der Netzbetreiber die volle Konvergenz erreichen will", sagt Peter Kjeldsen, Analyst bei Gartner. Klar ist ebenfalls: "Es werden noch einige Jahre ins Land gehen, bevor wir die Konvergenz der Netze erreichen. Das Ganze wird in kleinen Schritten vor sich gehen."

Anfang ist schon gemacht

Ein Anfang ist jedoch schon gemacht, auch wenn die Unternehmen das Ganze nicht Konvergenz nennen: Über so genannte ATM-Netze werden beispielsweise Sprache, Daten, Video und Internetverkehr übertragen. Im Mobilfunk ist die Kombination aus den Standards GSM und GPRS eine konvergente Lösung. Die Unternehmen haben ihre auf Sprachübertragung ausgelegten digitalen GSM-Netze auf GPRS aufgerüstet, so dass auch eine schnelle paketorientierte Übertragung von Daten möglich ist.

Doch die neue Netztechnik geht wesentlich weiter: Am Ende soll der Kunde gar nicht merken und nicht mehr die Entscheidung treffen, welches Funknetz er nun nutzen will für seine Videokonferenz oder seinen Internetzugang. Die Entscheidung, welche Infrastruktur für den gewünschten Dienst gewählt wird, trifft dann das System - abhängig von der Auslastung der jeweiligen Netze.

"Technisch ist das alles kein Hexenwerk", das sagen zumindest die Netzausrüster, die entsprechende Komponenten entwickeln und anbieten. Im Prinzip stimmen ihnen Kjeldsen und auch andere Marktforscher zu. Es sei für einen Netzbetreiber zwar eine Herausforderung, in einem Land ein konvergentes Netz zu errichten - es sei aber machbar. Schwieriger werde es aber, wenn die Funknetze grenzüberschreitend verknüpft werden sollen. Dann müssten unterschiedliche Netzbetreiber beispielsweise Informationen über ihre jeweilige Netzauslastung teilen. "Das ist die weitaus größere Herausforderung" , sagt Kjeldsen.

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