Netzausrüster kämpfen mit Renditeproblemen
Alcatel baut weitere 10 000 Stellen ab

Der französische Ausrüster von Telekommunikationsnetzen streicht jeden fünften Arbeitsplatz im Kerngeschäft Netztechnik. Das wird dem Konzern einen satten Jahresverlust nicht ersparen. Der Konkurrenz geht es nicht viel besser. Die Branche hofft auf einen schnellen Erfolg der neuen Mobilfunkstandards.

HB PARIS/DÜSSELDORF. Der französische Telefontechnik-Konzern Alcatel S.A. streicht wegen hoher Verluste in den nächsten Monaten weltweit weitere 10 000 Stellen. "Wir versuchen, in Europa Entlassungen weitgehend zu vermeiden", sagte Alcatel-Vorstandschef Serge Tchuruk. Zusammen mit den bereits im Sommer angekündigten Stellenstreichungen wird sich Alcatel damit in nur einem Jahr von 32 500 Personen trennen, also einem Drittel seiner Gesamtbelegschaft.

Mit diesen Hiobsbotschaften steht der französische Konzern nicht alleine da. Fast alle großen Anbieter von Telekom-Infrastruktur kämpfen zurzeit mit großen Problemen und streichen Stellen, um die Kosten zu senken und die Margen wieder auf vorzeigbares Niveau zu bringen. Lucent kappt fast 20 000 Stellen, Nortel will nach dem höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte fast die Hälfte der Arbeitsplätze abbauen, und auch bei Siemens und Ericsson stehen tausende Jobs auf der Streichliste.

Besonders schwierig ist bei Alcatel und bei den anderen Anbietern von Telekomtechnik derzeit das Kerngeschäft Netztechnik. Bei Alcatel ging der Umsatz im dritten Quartal hier um ein Viertel auf knapp 2,5 Mrd. Euro zurück. Dabei fiel ein betrieblicher Verlust von 104 Mill. Euro an. Vor einem Jahr hatte die Netztechnik mit 279 Mill. Euro noch den größten Teil zum operativen Ertrag beigesteuert.

Auch mit diesen roten Zahlen kämpft Alcatel in der Branche nicht allein. Seit die Telefongesellschaften nach dem Ende der Internet-Euphorie ihre Expansionspläne nicht mehr über die Börse finanzieren können, ordern sie bei den Ausrüstern kaum noch. Im Gegenteil: Sie streichen ihre Investitionen zusammen und gehen Kooperationen ein wie in Deutschland beim UMTS-Mobilfunknetz.

Die Folge sind drastische Auftragsrückgänge bei den Ausrüstern. Beim Marktführer Ericsson lagen die Auftragseingänge im dritten Quartal um 29 % unter dem Wert des Vorjahres, anderen geht es ähnlich. Dies führt zu hohen Lagerbeständen und Überkapazitäten - und schlechten Renditen. Nokia steht hier mit einer Umsatzrendite von 9,3 % aus dem Netzgeschäft noch mit am besten da, obwohl die Finnen beim Gewinn einen Rückgang um 57 % verbuchten. Ericsson erwirtschaftete aus seinem Hauptgeschäft nur eine minimale Rendite von 1 %.

Insgesamt blieb Alcatel im dritten Quartal mit 5,6 (Vorjahresperiode: 6,8) Mrd. Euro Umsatz und betrieblichen Verlusten von 215 Mill. Euro nach 579 Mill. Euro Gewinn im Vorjahr hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Für ganz 2001 rechnet Tchuruk mit rund 25 Mrd. Euro Konzernumsatz und einem Jahresfehlbetrag von rund 5 Mrd. Euro. Dieser besteht überwiegend aus den Rückstellungen für den Stellenabbau und aus Abschreibungen von Lagerbeständen. "Operativ sind wir 2001 nur leicht in den roten Zahlen", sagte Tchuruk und deutete einen Wert von 100 Mill. bis 200 Mill. Euro an. Allerdings sieht man bei Alcatel auch Signale, die gegen eine weitere Verschlechterung sprechen.

So sind im dritten Quartal die liquiditätszehrenden Kredite an Lieferanten leicht zurückgegangen. Finanzchef Jean-Pierre Halbron schätzt, dass Alcatel bis Ende des Jahres seine Nettoverschuldung auf 4 Mrd. Euro zurückführen wird. Das Unternehmen verfügt ihm zufolge zudem über 6,5 Mrd. Euro liquide Mittel und verzeichnet wieder einen deutlich positiven Cash-Flow. Gerade diese Lieferantenkredite haben die Ertragslage einiger Konkurrenten extrem verschlechtert. Besonders Lucent hat dadurch Probleme, da in den USA einige Kunden inzwischen pleite gegangen sind. Auch Nokia hat in letzter Zeit einige große Kredite vergeben, um ins Geschäft zu kommen.

Wann sich die Auftragslage wieder bessert, ist die Preisfrage in der Branche. Dauert sie lange, rechnet Jason Chapman von der Marktforschungsagentur Gartner damit, dass einige Anbieter vom Markt verschwinden könnten. Ericsson erwartet für das nächste Jahr einen Rückgang der Umsätze für Mobilfunk-Infrastruktur von 10 %. Entscheidend dürfte laut Analyst Chapman werden, ob die neuen Mobilfunk-Standards GPRS und später UMTS ein Erfolg werden. Hier sind Ericsson, Nortel, Siemens und auch Nokia gut positioniert und haben viele Aufträge erhalten. Wenn nicht, dürften die nächsten Jahre für die gesamte Branche noch schwieriger werden.

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