Netzgestützter Einsatz von Unternehmenssoftware: Bei Logistik und Kundenbindung haben sich IT-Investitionen ausgezahlt

Netzgestützter Einsatz von Unternehmenssoftware
Bei Logistik und Kundenbindung haben sich IT-Investitionen ausgezahlt

Die New Economy ist tot, es lebe der netzgestützte Einsatz von Unternehmenssoftware. Die Investitionen für IT-Projekte zur Verbesserung betriebsinterner Abläufe haben sich für die meisten Unternehmen längst rentiert.

HB/dpa HAMBURG. Die Programme für Logistikketten, Kundenbeziehungen und Warenwirtschaftssysteme tragen sperrige Namen wie Supply Chain Management (SCM), Customer Relationship Management (CRM) und Enterprise Resource Planning (ERP). Mit dieser Software können sich Firmen Übersicht über ihre Daten verschaffen und effizienter wirtschaften. Auf der Computermesse CeBIT (12. bis 19. März) in Hannover zeigen rund 100 Unternehmen entsprechende IT- Produkte.

Volkswagen gilt als einer der Trendsetter bei der Verknüpfung von Unternehmenssoftware mit dem Internet. Seit November 2001 betreiben die Wolfsburger ihr Lieferantenportal "VW Group Supply.com". Auf diesem virtuellen Marktplatz gibt es Online-Auktionen, Lieferanten zeigen ihr Angebot, Zulieferer und Konzern tauschen sich über Bedarf und Kapazitäten aus. "Wir haben unsere Prozesszeiten um bis zu 95 Prozent gesenkt. Die Abläufe sind schneller und transparenter geworden", sagt Emanuela Wilm von der Volkswagen Kommunikation. "Jährlich sparen wir einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe, unsere Investitionen haben wir bereits wieder eingespielt."

Wie bei den meisten deutschen Großkonzernen gehört entsprechende Software auch beim Chemiekonzern Bayer zum Standard. "Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Marketing - sämtliche Glieder der Wertschöpfungskette sind ohne Web-Aktivitäten kaum noch vorstellbar", sagt Dietmar Bochert, Sprecher der Bayer Business Services. SAP, Siebel, Oracle, PeopleSoft, J.D. Edwards, i2 Technologies oder Manugistics gehören zu den etablierten Anbietern bei Unternehmenssoftware für Konzerne. "Die New Economy hat Unternehmen mobilisiert, sich mit neuen Techniken zu beschäftigen", sagt Uwe Ritter, Direktor Produktmarketing bei Siebel. Das US- Unternehmen sieht sich als weltweiter Marktführer beim Customer Relationship Management (CRM).

Nachholbedarf bei der Verknüpfung von Unternehmenssoftware mit dem Internet hat vor allem der Mittelstand. Nur wenige Prozent der Firmen nutzen nach Beobachtung des Kölner E-Commerce-Centers Handel die Möglichkeiten des elektronischen Einkaufs. Dabei bergen Programme zur Verknüpfung der Informationen über Finanzen, Personal, Produktion, Vertrieb und Lagerverwaltung nach Einschätzung von Experten ein enormes Potenzial, um Engpässe früh zu erkennen, Abläufe abzustimmen und Doppelarbeit zu verhindern.

Die Kundendialogprogramme helfen Firmen, Übersicht über ihren Kontakt zu Kunden zu bekommen. Zentrale Bedeutung kommt nach Angaben des Anbieters Siebel der Verknüpfung von Kundendaten aus verschiedenen Teilen des Unternehmens zu. Über Logistik-Software lassen sich Einkauf und Lieferungen abstimmen und optimieren. Eine Vielzahl von Softwareherstellern buhlt deshalb um die Mittelstands- Kunden. SAP strebt mittelfristig einen Anteil des Mittelstands von 20 bis 25 Prozent am Gesamtumsatz an. Auch Microsoft sieht Chancen: Nach Schätzung des Softwarekonzerns besitzen lediglich rund 30 Prozent der Mittelständler ein integriertes System für Enterprise Resource Planning (ERP).

Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht von zweistelligen Wachstumsraten bei diesen Programmen aus. Bei CRM-Anwendungen sehen die Experten laut einer Untersuchung von Mitte vergangenen Jahres den Weltmarkt 2007 bei Umsätzen von 30,9 Milliarden US-Dollar. "Unternehmenssoftware wird sich weiter durchsetzen, schon auf Grund der Potenziale wie Kostensenkung, Schnelligkeit und besserer Service", analysiert Günter Prockl, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Logistik der Universität Nürnberg-Erlangen. "Woran allerdings noch gearbeitet werden muss, sind einheitliche Software- Standards, damit es unternehmensübergreifende Plattformen geben kann."

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