Netzwerke mittelständischer Kanzleien sind gute Alternative
Kleine Wirtschaftsprüfer ganz groß

Der Geschäftsführer ist sich nicht sicher: Kann er das neue Distributionskonzept einführen oder riskiert sein Chef, Inhaber des führenden europäischen Spielautomatenherstellers, künftig in 30 Ländern weltweit Quellensteuer auf die Lizenzen zu bezahlen? Da hilft nur eine Recherche in allen 30 Ländern - ein Fall für den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Wolfgang van Kerkom von PKF in Köln.

HB DÜSSELDORF. Sobald der die Frage erhalten hat, fordert er per Mail alle Partner seines weltweiten Wirtschaftsprüfernetzwerkes auf, die Rechtslage für die Quellensteuer zu klären. Schon Stunden später trudelten die ersten Auskünfte ein - aus Brasilien, Australien und den USA.

Solcher Turboservice à la Card ist mittlerweile Alltag in deutschen Wirtschaftsprüferkanzleien. "Nur wenn der Mandant mit unserer Arbeit zufrieden ist, wechselt er nicht zu einem der Big Four", sagt Wolfgang van Kerkum. Big Four, das sind die großen Gesellschaften PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte & Touche. Sich gegen deren übermächtige Konkurrenz beim mittelständischen Kunden mit Auslandsbezug zu positionieren, ist oberstes Ziel der kleineren Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Vor allem bei den jetzt anstehenden Verhandlungen um die Prüfungsmandate wollen sie punkten.

Netzwerke sind das A und O

Wichtigster Bestandteil ihrer Zwergenstrategie sind die nationalen und internationalen Netzwerke. "Wir sehen das als Marketingtool, um unsere global agierenden Mandanten zu halten", sagt Jörn Emons, CEO von Polaris IA International, einem gerade frisch fusionierten Netzwerk mit einem Umsatz von 236 Mill. Dollar. Fast alle größeren Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften sind schon Mitglied in einem der Netzwerke geworden, die kräftig wachsen. Alleine PKF wuchs dank einer Fusion im vergangenen Jahr um über 100 %.

Doch der Nutzen für den Mandanten hängt nicht alleine von der Größe, sondern vor allem von der Kooperationsform des Netzwerkes ab. Unternehmer haben die Wahl zwischen drei Haupttypen. Der erste sind die großen einheitlich wirkenden internationalen Netzwerke mit starker Infrastruktur, die pro Land aus einer Gesellschaft mit mehreren Standorten bestehen. Dazu gehört neben den Big Four auch BDO. Wer die großen Player für einheitliche Firmen hält, irrt allerdings, denn sie setzen sich - genau wie die anderen - zusammen aus rechtlich unabhängigen Ländergesellschaften - auch wenn gleicher Name und Auftritt anderes glauben machen. Seit den jüngsten Skandalen sind sie sogar besonders darauf bedacht, ihre Selbstständigkeit zu betonen. Der Grund: im Schadensfall haftet nur die Einheit, die Vertragspartner geworden ist - im Fall Parmalat also Grant Thornton Italien und nicht etwa Grant Thornton International.

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