Netzwerksektor unter Druck
Wall Street: Nachmittags-Rally rettet die Kurse

Eine Rally am Nachmittag bewahrte die New Yorker Börsen vor weiteren drastischen Kurseinbrüchen. Der Dow Jones Index drehte kurz vor Marktschluss ins grüne Terrain und ging mit einem satten Plus von 106 Punkten oder 0,8 % aus dem Handel.

NEW YORK. Der technologielastige Nasdaq Index beendete den Tag zwar mit einem Punktverlust von drei Zählern oder 0,3 %, löste sich damit aber deutlich von seinem Tagestiefstand von minus 48 Punkten.

War das Handeslvolumen auf dem New Yorker Börsenparkett wegen des höchsten jüdischen Feiertags "Yom Kippur" zunächst bescheiden ausgefallen, glichen Massenkäufe am späten Nachmittag die Bilanz aus. Grund für den Run auf die Aktien: Zahlreiche Investoren nutzen die niedrigen Kurse, um ihre Portfolios auszubalancieren. Diese waren nach den Panikverkäufen der letzten Tage extrem fondlastig geworden.

Wirtschaftliche Daten, die noch am Vormittag wie Sand im ökonomischen Getriebe schienen, spielten am Nachmittag keine Rolle mehr. Die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung waren in der vergangenen Woche um 58 000 auf 450 000 und damit auf das höchste Niveau seit Ende Juli 1992 gestiegen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Zahl in den kommenden Wochen sogar noch weiter steigen wird. Viele Menschen haben durch die Folgen der Katastrophe des 11. September ihren Arbeitsplatz verloren und sich bisher noch nicht arbeitslos gemeldet.

Die Auftragseingänge für langlebige Güter fielen dagegen im August nur um 0,3 %. Im Vergleich zu dem Einbruch von 1,1 % im Juli ist dies ein deutlich geringerer Rückgang. Ohne den volatilen Transportbereich stiegen die Aufträge im August sogar um 0,4 %. Ebenfalls erfreulich ist der Abbau der Lagerbestände um weitere 0,7 %.

Zu den Tagesverlierern zählen auch nach der Rally die Aktien des Netzwerksektors. Nachdem eine Reihe von Brokerhäusern Unternehmen der Branche abgestuft hatten, da sich deren Nachfrageerholung durch die Folgen der Katastrophe des 11. September verzögern könnte, notieren JDS Uniphase und Juniper Networks auf neuen 52 Wochentiefständen. Der Kurs von Cisco fällt im Tagesverlauf um acht Prozent, das Papier von Extreme gibt um 10,9 % nach.

Intel legt im Handel dagegen wieder an Wert zu, nachdem der Chipkonzern am Mittwoch unter den enttäuschenden Quartalsergebnissen von Konkurrent Micron Technologies zu leiden hatte. Auch Micron selbt und Mitbewerber Xilinx gewannen am Donnerstag. Die Aktien von PMC-Sierra und Vitesse schlossen dagegen auf neuen 52 Jahrestiefs.

Zu den größten Gewinnern gehören die Finanz-, Pharma- und Biotechnologiewerte. Vor allem die Papiere der Produzenten gentechnoligie-basierter Arzneimittel können nach einer Empfehlung der Dresdner Kleinwort Wasserstein kräftig zulegen. Analyst Charles Duncan sieht in dieser Sparte einen der größten Wachstumsmärkte der Branche. Die Aktie von Celgene streicht ein Plus von zwölf Prozent ein, die Anteile von Human Genome und Myriad legen jeweils über acht Prozent zu.

Auch Öltitel können zulegen. Chevron gewinnt über sechs Prozent an Wert, die Aktien von Royal Dutch und BP klettern um über fünf Zähler. Die OPEC hatte zuvor bekanntgegeben, die Öl-Fördermenge nicht erhöhen. Sie bleibt bei 23,2 Millionen Barrel pro Tag. Nachdem der Rohölpreis erst am Mittwoch auf ein Zwei-Jahres-Tief gefallen ist, dürften die Preise zumindest zunächst nicht weiter sinken.

Kursgewinne von immerhin einem Cent kann völlig überraschend die Aktie von Exodus einstreichen. Nachdem das Unternehmen am Mittwoch Bankrott erklärt hatte und der Handel der Aktie ausgesetzt wurde, waren Händler am Donnerstag wieder interessiert. Der Grund: Die Nasdaq wird die Ausscheidekriterien für Pennystocks bis Ende des Jahres aussetzen. Bisher wurden Titel aus dem Rennen genommen, deren Kurs an dreißig aufeinanderfolgenden Handelstagen unter einem Dollar lag, oder deren Marktkapitalisierung den Nasdaq-Grenzwert nicht erreichte. Bis Ende des Jahres drückt die Nasdaq nun ein Auge zu. Den übrigen Pennystocks half das zunächst nicht: Metromedia, At Home und McLeod gaben weiter ab.

Coca Cola und Procter & Gamble notierten bei Handelsschluss beide im Plus, nachdem die Unternehmen bekannt gegeben hatten, dass sie ihre Joint-Venture-Pläne verwerfen würden. Nach Aussage unternehmensnaher Quellen hatte Coca Cola seine Meinung über das Geschäft geändert, weil die Absätze der Coca-Cola-Produkte stärker gewachsen waren als die der Procter & Gamble-Artikel, die in das Joint Venture eingebracht werden sollten. Auch die gemeinsame Nutzung des Coca-Cola-Vertriebsnetzes soll sich nach Expertenaussagen als wenig attraktiv herausgestellt haben.

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