Neu-Delhi setzt auf Diplomatie
Indien und Pakistan wollen angeblich keinen Krieg

Trotz der massivsten Truppenaufmärsche im Himalaya seit Jahren wollen Indien und Pakistan einen neuen Krieg vermeiden.

rtr NEU-DELHI/ISLAMABAD. Indien verstärkte am Donnerstag zwar den diplomatischen Druck auf das Nachbarland weiter und bezeichnete Verhandlungen als derzeit unmöglich, doch sagte Indiens Außenminister Jaswant Singh, die Sorge vor einem Krieg sei unbegründet. Der pakistanische Generalmajor Rashid Qureshi sagte am Donnerstag, Pakistan werde auf die aggressiven Schritte Indiens mit Zurückhaltung reagieren. Auf diplomatischer Ebene zog Pakistan dann bei den Sanktionen jedoch gleichauf.

Indien wirft Pakistan vor, zwei Terror-Gruppen zu unterstützen, die am 13. Dezember einen Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi verübt hätten; Pakistan bestreitet dies. Beide Länder, die über Atomwaffen verfügen, führten bereits drei Kriege gegeneinander, zwei um die Himalaya-Region Kaschmir. Sie ist seit der Unabhängigkeit Südasiens von Großbritannien und dessen Spaltung in Indien und Pakistan ebenfalls geteilt.

Bei dem Truppenaufmarsch handele es sich um eine Defensivmaßnahme, um im Fall der Fälle aber auch militärisch Vergeltung üben zu können, sagte Qureshi. Ein Einsatz atomarer Waffen sei für "verantwortungsbewusst denkende Nationen" wie Indien und Pakistan undenkbar, fügte er hinzu. Ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad ergänzte, die Regierung wolle alle zur Verfügung stehenden diplomatischen Mittel und Wege nutzen, um die Lage zu entspannen.

Indiens Außenminister Singh gab nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts weitere diplomatische Schritte gegen Pakistan bekannt. Das Botschaftspersonal der Vertretungen beider Länder werde um die Hälfte reduziert. Außerdem werde die Bewegungsfreiheit der Diplomaten auf die Hauptstadt Neu-Delhi beschränkt. Ferner würden die Überflugrechte für internationale Flüge der pakistanischen Fluggesellschaft PIA ab 1. Januar ausgesetzt. Der Aufforderung aus den USA, Indien und Pakistan sollten sich um eine Dialoglösung bemühen, begegnete Singh mit dem Hinweis, dies sei weder praktikabel noch möglich. Er fügte aber hinzu, für eine Sorge vor einem Krieg bestehe kein Grund.

Der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Aziz Ahmed Khan, gab als Reaktion auf die indischen Sanktionen bekannt, die Zahl indischer Diplomaten werde ebenfalls auf die Hälfte reduziert, ihre Bewegungsfreiheit auf Islamabad beschränkt. Außerdem entfielen die Fluggenehmigungen für indische Flüge durch den pakistanischen Luftkorridor. Der Chef der Fluggesellschaft PIA sagte, die Ausfälle des Unternehmens als Folge der indischen Sanktionen würden gering sein. Ein Sprecher der Zivilluftfahrtbehörde sagte, für Indien seien bei 112 betroffenen Flügen die zu erwartenden Ausfälle höher.

Indiens Verteidigungsminister George Fernandes verkündete, dass der Aufmarsch an der pakistanischen Grenze in zwei oder drei Tagen abgeschlossen sein werde. "Danach sind die Soldaten auf alle Eventualitäten gefasst", sagte Fernandes. Er betonte jedoch, Indien bemühe sich um eine diplomatische Lösung, allerdings "von einer Position der Stärke aus". Pakistan hatte den Anschlag in Neu-Delhi verurteilt und fundamentalistischen Moslemgruppen im Land vorgeworfen, Extremismus und Hass zu säen.

Die Truppenkonzentrationen auf beiden Seiten der 3310 Kilometer langen Grenze ist die größte seit etwa 15 Jahren. Indien und Pakistan, seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 verfeindet, haben zusammen fast zwei Mill. Mann unter Waffen. Hinzu kommen eine Million Reservisten. Sie könnten in einem Krieg mehr als 5000 Panzer, 5000 Artillerie-Geschütze und 1000 Kampfflugzeuge einsetzen. Außerdem besitzen sie Atomwaffen. Wegen der daraus resultierenden Gefahren für die ganze Region bemühten sich die UNO, die USA und China um eine Deeskalation.

Bei Schießereien und durch Anschläge im indischen Bundesland Jammu und Kaschmir starben am Donnerstag nach Angaben der Polizei wieder mindestens 22 Menschen, mindestens 45 Personen seien verletzt worden.

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