Neuausrichtung belastet
Babcock erwartet hohen Konzernverlust

Die geplante Neuausrichtung des Babcock-Konzerns wird das Traditionsunternehmen nach eigener Einschätzung im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen treiben.

Reuters OBERHAUSEN. Der Konzernverlust werde mindestens 100 Millionen Euro betragen, da die Kosten der Neuausrichtung auch durch geplante Desinvestitionen nicht ausgeglichen werden dürften, teilte Babcock am Mittwoch in seinem Zwischenbericht über das Ende März abgelaufene erste Halbjahr mit. 2000/01 hatte Babcock noch einen Konzernüberschuss von 26 Millionen Euro ausgewiesen.

Zu den Desinvestitionen zählt der bei vielen Aktionären umstrittene Verkauf der Beteiligung an der Howaldswerke Deutsche Werft AG (HDW) in Kiel. Babcock-Chef Klaus Lederer hatte im März überraschend den Rückzug aus dem lukrativen Werftengeschäft durch dessen Verkauf an den US-Investor One Equity Partners (OEP) eingeleitet.

Babcock bekommt nach früheren Angaben Lederers für die zum Verkauf stehende Beteiligung von 25 Prozent an HDW einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Babcock sei außerdem bereit, sein restliches HDW-Paket von 25 Prozent plus einer Aktie zu verkaufen.

Im ersten Halbjahr erzielte Babcock dem Zwischenbericht zufolge einen Konzernfehlbetrag von 107 Millionen Euro nach einem Verlust von 16 Millionen Euro im Vergleichshalbjahr des Vorjahres. Die Börse reagierte zunächst mit einem dreiprozentigen Kursabschlag auf den Quartalsbericht. Am späten Vormittag betrug der Verlust 2,2 Prozent auf 4,89 Euro.

Wyser-Pratte kämpft noch

Der seit Januar zum Babcock-Aktionärskreis gehörende US-Investor Guy Wyser-Pratte versucht, die Übertragung der HDW zu verhindern. Nach Babcock-Angaben hat er beim Amtsgericht Oberhausen eine Verfügung beantragt, mit der er eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen kann. Diese müsse über einen derart eklatanten Kurswechsel der Unternehmenspolitik entscheiden, argumentiert Wyser-Pratte.

Babcock selbst hatte dieses Ansinnen des mit rund acht Prozent am Grundkapital beteiligten Amerikaners mit der Begründung zurückgewiesen, Unternehmensverkäufe wie der von HDW seien nicht zustimmungspflichtig. Wyser-Pratte hatte auf der Hauptversammlung der Babcock viel Zustimmung der Mitaktionäre für seine Kritik bekommen. Der Investor aus den USA hatte seit Januar dafür plädiert, dass sich Babcock auf den Schiffbau konzentriert. Babcock-Chef Lederer hatte den Rückzug damit begründet, nicht über die nötigen finanziellen Mittel für die Aufstockung bei HDW zu verfügen.

Neues Konzept in Arbeit

Unter Federführung der Unternehmensberatung Roland Berger wird nun bei Babcock ein Konzept für die Zeit nach dem Schiffbau erarbeitet. Einzelheiten wurden allerdings noch nicht genannt. Ziel sei ein ertragstabiler Konzern mit einem Umsatzvolumen von 2,5 Milliarden Euro, hieß es. Damit würde sich der Konzernumsatz etwa halbieren.

Babcock befindet sich seit Jahren in einem Prozess der Konzentration auf Kerngeschäftsfelder. Neben dem Schiffbau war bislang die Energietechnik, zu der auch der Kraftwerksbau gehört, als wesentliches Standbein bezeichnet worden.

Führungsfrage weiter ungeklärt

Noch offen ist bei Babcock die Frage, wer den Konzern künftig führen wird. Lederer hatte seinen Rückzug für den Zeitpunkt angekündigt, zu dem die Transaktion mit OEP abgeschlossen sein wird. Ein Sprecher des Konzerns sagte am Mittwoch, das Unternehmen rechne mit dem endgültigen Abschluss der Transaktion (Closing) kurz nach der noch in dieser Woche erwarteten Genehmigung durch die EU-Kommission. Als Nachfolger ist Aufsichtsratskreisen zufolge der bisherige Vorstandschef des Kraftwerksbetreibers Steag, Jochen Melchior, im Gespräch. Er habe sich aber noch nicht entschieden, hieß es.

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