Neuausrichtung des Mobilfunkanbieters
Mobilcom will Freenet behalten

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom will entgegen ersten Überlegungen im Rahmen seiner Neuausrichtung seine Internettochter Freenet nicht verkaufen.

Reuters HAMBURG. Mobilcom-Chef Thorsten Grenz sagte am Dienstag in Hamburg, sein Unternehmen wolle die Mehrheit an Freenet behalten und diese notfalls "mit Zähnen und Klauen verteidigen". Denkbar sei allerdings, dass Teile des Aktienpakets aus dem Besitz von Mobilcom an institutionelle Investoren verkauft würden, um den Anteil frei gehandelter Freenet-Aktien an der Börse zu erhöhen. Mobilcom ist mit 76 Prozent an Freenet beteiligt.

Grenz äußerte sich erneut zuversichtlich, dass Mobilcom Teile seines UMTS-Netzes verkaufen könne. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir das Funknetz abreißen müssen, sondern dass wir wesentliche Teile im Rahmen eines Asset Deals an einen anderen deutschen Funknetzteilnehmer veräußern." Grenz sagte, Mobilcom lägen Angebote von vier Firmen für einen Erwerb von Teilen des UMTS-Netzes vor. Nach Angaben aus Mobilcom-Kreisen soll es sich dabei um Offerten von Vodafone D2, O2, E-Plus und Deutsche Telekom handeln.

Im Rahmen der Neuausrichtung von Mobilcom war neben dem Verkauf der Festnetzsparte auch die komplette Trennung von Freenet erwogen worden. Mobilcom hatte am Montagabend den Verkauf der Festnetzsparte für 35 Millionen Euro an Freenet bekannt gegeben. Freenet will in den nächsten zwölf bis 18 Monaten rund 25 Millionen Euro in das Festnetzgeschäft investieren und strebt nach eigenen Angaben damit eine führende Position im deutschen Telekommunikationsmarkt an. Am Morgen hatte die Gesellschaft einen Rekordumsatz sowie eine Ertragswende bekannt geben. Bei einem 2002 um 50 Prozent auf 42,2 Millionen Euro erhöhten Umsatz wies der Internetanbieter ein operatives Ergebnis von 8,8 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte ein Verlust von 12,8 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr sagte: "Eine Erhöhung des Freefloat wäre wünschenswert, um in den Tech-Dax zu kommen." Für 2003 rechne Freenet durch die Festnetzübernahme mit einem Umsatzplus von 30 bis 50 Prozent und einem überproportionalen Gewinnwachstum. "Wir glauben, dass wir aus Freenet und dem Mobilcom-Festnetz eine echte Perle machen können", sagte er. Mobilcom sei nach dem Verkauf der Festnetzsparte nur noch reiner Finanzinvestor bei Freenet, fügte Spoerr hinzu.

Die Trennung von der Festnetzsparte ist wie das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten Teil der strategischen Neuausrichtung von Mobilcom, nachdem das Unternehmen durch seinen einstigen Partner France Telecom weitgehend entschuldet worden ist. Der Erlös aus dem Verkauf des Festnetzgeschäftes soll dazu verwendet werden, den von einem Bankenkonsortium zur Sanierung gewährten Überbrückungskredit zu verringern. Grenz erklärte, er gehe inzwischen davon aus, dass Mobilcom das von einem Bankenkonsortium bereitgestellte Restrukturierungsdarlehen in Höhe von 162 Millionen Euro nicht vollständig brauchen werde. Das Darlehen war Mobilcom für Kosten für Personalabbau und Neuausrichtung gewährt worden.

Während die im Nemax-50 notierten Mobilcom-Aktien mit 3,44 Euro knapp fünf Prozent verloren, legten die ebenfalls am Neuen Markt gelisteten Freenet-Titel zeitweise über 13 Prozent auf über zehn Euro zu. Am Nachmittag lag das Papier noch 10,5 Prozent im Plus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%