Neubert kritisierte Stasikommission des Sportbundes
DSB-Präsident weist Vorwürfe von Stasibeauftragter als Unfug zurück

Der deutsche Sport verfolgt bei der Stasi-Aufarbeitung einen falschen Ansatz, sagte Thüringens Stasi-Unterlagen-Beauftragte. DSB-Präsident Manfred von Richthofen weist dies zurück.

HB BERLIN. Hildigund Neubert hat dem deutschen Sport eine mangelhafte Aufarbeitung der Stasiproblematik vorgeworfen. Auch nach einem Treffen von Stasi- und Dopingopfern am Dienstag mit Bundespräsident Johannes Rau erwartet die 43-Jährige kein radikales Aufräumen. «Es sieht nicht danach aus, denn die Sportverbände haben den falschen Ansatz. Sie konzentrieren sich - wenn überhaupt - auf die Spitzel», sagte die Stasi-Unterlagen-Beauftragte des Freistaates Thüringen dem «Spiegel».

Zugleich kritisierte Neubert auch die unabhängige Stasikommission des Deutschen Sportbundes (DSB). Diese sei «nicht auf dem aktuellen Stand der Aufarbeitung. Daher bleiben Konsequenzen weitgehend aus.» Wie die 43-Jährige hinzufügte, hätte man die Folgen bei der Biathlon-WM im Februar in Oberhof gesehen. «Überall waren dort alte Kader aktiv, die sich dann auch noch mächtig aufgeregt haben, als über ihre frühere Rolle geredet wurde.»

Die Defizite in der Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit seien beim Gespräch im Schloss Bellevue mit Rau nicht angesprochen worden. «Die Funktionäre redeten sich weitgehend damit heraus, es laufe derzeit ein Entschädigungsverfahren einer ehemaligen DDR-Schwimmerin gegen das Nationale Olympische Komitee», so Neubert.

In diesem Zusammenhang kritisierte Neubert auch DSB-Präsident Manfred von Richthofen. Von ihm habe sie diesbezüglich auch keine Hilfe erhalten. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall gewesen. «Der Freiherr drohte nach dem Gespräch im Schloss des Bundespräsidenten unter Zeugen, er werde mich öffentlich anzählen, wenn ich noch mal seine Stasi-Aufarbeitung kritisiere», sagte Neubert. Sie wundere sich schon sehr darüber, wie sich «der deutsche Sport immer noch mit dem DDR-Sport identifiziert».

DSB-Präsident Manfred von Richthofen wies am Samstagabend diese Vorwürfe im Gespräch mit der «Netzeitung» als «Unfug» zurück. «Die Dame hat sich offensichtlich seit 1990 nicht ausreichend mit der Aufarbeitung der Stasivergangenheit seitens des Deutschen Sportbundes und des NOK beschäftigt», sagte von Richthofen.

Bereits in der Vergangenheit habe sich Neubert aus Sicht von Richthofen mit «unqualifizierten Äußerungen» hervorgetan. «Damit meine ich, dass es für sie keine Aufarbeitung des Sports in Bezug auf Stasi gegeben hat. Das hat sie ja mehrfach geäußert», fügte der DSB-Präsident hinzu. Für Richthofen könne sich beispielsweise ein Joachim Gauck als ehemaliger Chef der «Gauck-Behörde» eine Meinung zur Stasi-Aufarbeitung durch den deutschen Sports machen, aber nicht Neubert. «Das traue ich dieser Frau nicht zu. Ich nehme diese Vorwürfe von ihr deshalb gelassen hin, weil sie für mich nicht kompetent ist».

Wie der DSB-Chef sagte, wurde mit der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Marianne Birthler, gerade darüber gesprochen, dass es jetzt noch weitere historische Aufarbeitungen geben müsse. «Wir wissen in der Zwischenzeit, dass es eine ganze Reihe von neuen Unterlagen gibt, die auf den einen oder anderen Vorgang Hinweise geben, von denen wir bisher nichts wussten.»

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