Neue Abgeordnete im Bundestag
"Gerhard, ich komme"

Zahlreiche neue Abgeordnete sind in den Bundestag eingezogen. Viel hatten am ersten Tag ihrer Karriere als Volksvertreter noch Orientierungsschwierigkeiten.

dpa BERLIN. "Sind Sie neue Abgeordnete?" fragt der Sicherheitsbeamte mit dem geschulten Blick am Eingang des Reichstagsgebäudes. "Grüne?" Die Frau nickt. Sie trägt ein grünes Halstuch, aus ihrem Rollköfferchen lugt die "taz". Einen Hausausweis kann sie noch nicht vorweisen, aber zum Glück steht sie schon auf der richtigen Liste. Als sie den Fahrstuhl betritt, wirkt sie aufgeregt. Prompt steigt sie in der falschen Etage aus.

Zwei Tage nach der Wahl wuselten auf der Fraktionsebene alte und neue Abgeordnete, Journalisten und Kameraträger durcheinander. Der Boden war mit Kabelsalat bedeckt. Vor den Sitzungssälen standen ganze Wälder aus Mikrofonständern. An mehreren langen Tischen konnten die neu gewählten Volksvertreter sich über die praktischen Dinge ihres Abgeordnetenlebens informieren.

Freudestrahlend nahm die jüngste Abgeordnete des nächsten Bundestages, die 19-jährige Anna Lührmann aus Hessen, ihre "Einsteigermappe" mit Broschüren und Formularen entgegen. "Das muss ich gleich alles auspacken. Ich will ja wissen, was mir als Abgeordnete alles zusteht", sagte die Abiturientin. So richtig sei sie sich noch nicht darüber im Klaren, was mit diesem Amt alles auf sie zukomme. "Aber ich fühle mich klasse und bin sehr gespannt", sagte sie.

Besonders gut besucht war der Stand mit dem Schild "Entschädigung von Abgeordneten". Dort gab es Informationen über Abgeordneten-Diäten und Kostenpauschalen. Aber auch der Fahrdienst bekam zahlreiche Anfragen. "Das Interesse, in Berlin zu Sitzungen und Terminen chauffiert zu werden, ist groß", sagte eine Mitarbeiterin. Für Abgeordnete, die schon an weitere Reisen denken, empfahl sich ein Abstecher zu dem Stand für "Miles&More"-Angelegenheiten. Manch einer mochte sich fragen, warum der ausgerechnet vor dem Fraktionssaal der Union aufgebaut war.

Jutta Dümpe-Krüger, Grünen-Abgeordnete aus Lemgo, zeigte sich begeistert, dass noch mehr Kandidatinnen aus ihrer Region in den Bundestag einziehen. "Wir sind zu dritt - geballte Frauenpower aus Ostwestfalen-Lippe!" Den ersten Tag fand sie anstrengend. "Ich habe mich erstmal um mein Büro gekümmert", sagte sie. Es sei gar nicht so einfach, sich in der Hauptstadt und im Reichstagsgebäude zurecht zu finden. "Aber die ehemaligen Abgeordneten helfen uns bestens."

Am Dienstag tagten alte und neue Fraktionsmitglieder gemeinsam. Alle Neu-Gewählten konnten sich dort ihren künftigen Kollegen vorstellen. Einen Heiterkeitserfolg hatte die SPD-Abgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) aus Schleswig-Holstein, als sie erzählte, mit welchem Spruch sie im Wahlkampf Erfolg gehabt hatte: "Gerhard, ich komme!" - Nun war sie da. Aber Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte gleich nach seiner Rede den Fraktionssaal schon wieder verlassen, um die Koalitionsverhandlungen vorzubereiten.

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