Neue AG soll Lebenpolicen von Problemgesellschaften managen
Auffanggesellschaft für Lebensversicherer in Schieflage

Die Arbeiten an einer Auffanglösung für ins Schlingern geratene Lebensversicherer kommen voran. Versicherer bestätigten, dass sich am Montag Vorstände verschiedener Gesellschaften zu dem Thema beraten wollen unter Moderation des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

DÜSSELDORF. Zudem bestätigten Versicherer, dass das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen (BAFin) Ende Juli ein Brief an alle Lebensversicherer verschickt hat, in dem die Aufsicht detaillierte Auskünfte über die Auswirkungen der Aktienmarktkrise auf die Unternehmen einfordert. Abgabetermin der Antwort ist heute. "Es ist vollkommen normal, dass in diesen Zeiten die Aufsicht genauer hinsieht", sagte ein Vorstand eines Lebensversicherers.

Laut Branchenexperten gibt es eine sehr nahe liegende Lösung für den zu gründenden Pool (HB vom 15.7. 2002): Es wird ein neuer Lebensversicherer gegründet in Form einer Aktiengesellschaft. Auf diesen werden die Vertragsbestände von Problemgesellschaften übertragen. Das Kapital für diese neue AG stellen dann die einzelnen Lebensversicherer - in welchem Umfang, wird wohl am Montag ein Kernpunkt der Debatte sein. Klar scheint zu sein, dass sich der Umfang der Beteiligung eines Lebensversicherers an dieser Auffanggesellschaft zumindest an deren Marktanteil orientieren wird. Eine Hand voll Versicherervorstände hat die für Montag geplante Sitzung vorbereitet und ein Grobkonzept für eine Branchenlösung erarbeitet. Vertreter der Allianz, Ergo und AMB Generali hatten bereits zuvor öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, sich an einer Branchenlösung zu beteiligen.

Bereits am Montag soll nach Informationen des Handelsblatts ein Grundsatzbeschluss für ein Konzept fallen. Dieses soll dann zeitnah mit der Aufsicht diskutiert werden. Der neue Auffang-Versicherer ist nur als letzte Vorsorgemaßnahme angedacht. GDV-Hauptgeschäftsführer Klaus-Wilhelm Knauth sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass wie in der Vergangenheit die Übernahme eines Problemversicherers durch eine große Gesellschaft nach wie vor der Vorzug gegeben werden soll. "Das ist die klassische Lösung", erklärte er. Nach GDV-Angaben lassen sich maximal zwei Prozent des Leben-Marktes als Problemfälle bezeichnen.

Wie Branchenexperten ausführen, muss der neue Auffangversicherer nur die Lücke zwischen Garantiezins und den erwirtschafteten Kapitalerträgen schließen. Auf die beteiligten Gesellschaften komme daher keine große Belastung zu. Anders als bei einer Bankpleite stehen zu übernehmenden Vertragsbeständen Deckungsmittel gegenüber, diese entsprechen den eingezahlten Beiträgen zuzüglich zugewiesener Gewinnanteile. Da der Auffangversicherer kein Neugeschäft zeichnet, fallen keine Abschlusskosten an. Daher kann ein größerer Anteil der Prämien am Kapitalmarkt gewinnbringend angelegt werden. Langfristig kann daher auch den betroffenen Versicherten eine Überschussbeteiligung in Aussicht gestellt werden; den Beteiligten Gesellschaften winkt langfristig eine Dividende auf ihr Solidaritätsengagement.

Anders als in anderen Branchen fürchten die Lebensversicherer die Insolvenz eines Wettbewerbers wie der Teufel das Weihwasser, denn es steht das Sicherheitsimage des Produktes Lebensversicherung auf dem Spiel.

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