Neue Agentur IRC nimmt ihre Arbeit auf
Japan will die faulen Kredite aussortieren

Auf dem Kürzel IRC ruhen die Hoffnungen auf einen Neustart der japanischen Industrie. Es steht für Industrial Revitalisation Corp., die neue Agentur zur Bereinigung der massiven faulen Unternehmenskredite. Über mangelnde Erwartungen kann sich die rund 100 Mann starke IRC-Truppe, die am Donnerstag in Tokio ihre Arbeit aufnimmt, also nicht beklagen.

bas Tokio. "Herr der Hölle", beschrieb Finanzminister Masajuro Shiokawa die Position von Shinjiro Takagi, des Chef des IRC-Auswahlkomitees, das Wohl und Wehe der Schuldner entscheidet. Und Ministerpräsident Junichiro Koizumi soll dem Präsidenten der IRC, Atsushi Saito, mit auf den Weg gegeben haben: "Ich will, dass die IRC Revitalisierungsprojekte angeht, die der Kern für die Wiedergeburt Japans werden."

Die Erwartungen sind allerdings gemischt. "Wieder einer von vielen Versuchen, die bisher alle gescheitert sind", winkt so mancher Beobachter in Tokio ab. Andere jedoch erhoffen sich, dass von einigen erfolgreiche Sanierungen eine Aufbruchstimmung ausgeht.

Fünf Jahre lang soll die IRC arbeiten. Zwei Jahre lang wird sie in Zusammenarbeit mit den Banken des Landes Schuldner herauspicken, bei denen sich eine Sanierung lohnt. Dazu kauft sie den vielen zweitrangigen Kreditgebern die Forderungen ab und zieht gemeinsam mit der Hauptbank eine Umstrukturierung durch. Kritiker fragen jedoch: Warum sollten sich die Banken jetzt bereitwilliger zur schonungslosen Sanierung zeigen als in den vergangenen Jahren? Seit Wochen werben die IRC-Spitzen um die Kooperation der Institute, die ihnen Schuldner antragen müssen.

Positiv an der IRC ist ihre Freiheit bei der Preissetzung. Im Gegensatz zur Resolution und Collection Corp. (RCC), die vor fünf Jahren auch schon als Lösung für das Problem der faulen Kredite ins Leben gerufen worden ist, kann sie weit mehr für die Kreditrechte bieten; die Banken haben eher einen Anreiz zu verkaufen. Nur wollen die Institute gerne die Kredite der Firmen loswerden, die kaum Aussicht auf Genesung haben. Auch betreiben einige Politiker und Ministeriumsvertreter schon eifrig Lobbyarbeit für Firmen der Bau- und Immobilienbranche sowie des Einzelhandels. Von der Wiederbelebung kleiner und mittelgroßer Firmen ist die Rede, von einer Stabilisierung der Beschäftigungslage.

An schonungsloser Sanierung und unabhängigen Entscheidungen mögen da allerdings Zweifel aufkommen. Vor einer "Mutation des japanischen Finanzsozialismus" warnt Merrill Lynch-Chefökonom Jesper Koll. Dann wäre die von einigen erhoffte Signalwirkung vertan. Die erste Sanierungsentscheidung, die die IRC im Juni oder Juli fällen will, gilt als entscheidend für die Zukunft der Agentur. Namen potenzieller Kandidaten geistern durch die Medien, von Fujitsu und NEC über den Kosmetikhersteller Kanebo bis zur Supermarktkette Seibu. Man wolle mit zehn Fällen auf einmal starten, hatte Takagi gesagt.

Die 10 Billionen Yen (79 Mrd. Euro) vom Staat reichen für die Mammutaufgabe der IRC nicht aus. Geld sollen zum Teil die japanischen Banken bereitstellen. Japans Zentralbank hat mit ihrer Ankündigung, Kredite an die IRC als Absicherung für zusätzliche Liquidität zu akzeptieren, Rückendeckung signalisiert. Zum anderen sollen sich Investmentbanken und-fonds engagieren. Diese sind zwar an Beteiligungen an den verschuldeten Unternehmen interessiert. Details ihrer Einbindung stehen jedoch noch nicht fest.

Quelle: Handelsblatt

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