Neue Aktie soll noch vor Weihnachten an die Börse
Degussa-Hüls-Aktionäre stimmen Fusion zu

Der Spezialchemiekonzern Degussa soll nach Abschluss der Fusion von SKW Trostberg und Degussa-Hüls zügig umgebaut werden; Aktivitäten außerhalb der Spezialchemie werden innerhalb von zwei Jahren aufgegeben. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft in Frankfurt am Main kritisierten Aktionäre Teile der geplanten Fusion, begrüßten sie insgesamt jedoch überwiegend. Das Unternehmen erwartet durch die Fusion Einsparungen in Höhe von 300 Mill. Euro im Jahr.

dpa/rtr FRANKFURT. Die Aktionäre der Degussa-Hüls AG haben grünes Licht für die Fusion mit der SKW Trostberg AG gegeben. Die Zustimmung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Freitag in Frankfurt lag bei 99,96 Prozent. Nun müssen noch die Aktionäre der SKW Trostberg AG am Dienstag in München über den Zusammenschluss beider Unternehmen zur neuen Degussa AG mit Sitz in Düsseldorf abstimmen. Mit dem Zusammenschluss unter dem Dach der Konzernmutter Eon verlässt nach Hoechst erneut ein traditionsreicher Industriekonzern seinen Stammsitz in Frankfurt.

Stellenabbau angekündigt

Der neue Degussa-Konzern wird rund 3 000 von 63 000 Stellen kappen. Dies kündigte der designierte Vorstandsvorsitzende Utz- Hellmuth Felcht an. "Wir wollen den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestalten - so wie es bisher bei Degussa-Hüls und SKW Trostberg üblich war." Felcht ist zurzeit Chef der Degussa-Hüls AG, die selbst aus der Fusion der traditionsreichen Degussa AG und der Hüls AG hervorgegangen ist. Die Fusion ist eine Konsequenz aus der fortschreitenden Konzentration auf dem Chemiemarkt sowie aus dem Zusammenschluss der Konzernmütter Veba und Viag zu Eon. Der Zusammenschluss macht Degussa vom Start weg zum weltweit größten Spezialchemie-Konzern. Ohne Edelmetallhandel kommt der neue Konzern auf Basis von 99er Zahlen auf 14 Mrd. Euro Umsatz mit einem Vorsteuergewinn von 680 Mill Euro.

Beide Fusionspartner gehen mit kräftigem Rückenwind in die gemeinsame Zukunft. Nach "einem ausgezeichneten ersten Halbjahr" mit 28 Prozent Umsatzplus und einem operativen Ergebnis von 355 Mill. Euro (plus 32 Prozent) im Degussa-Hüls-Konzern äußerte sich Felcht als dessen Chef zuversichtlich, "dass wir auch für das Gesamtjahr 2000 deutliche Zuwachsraten bei Umsatz und Ergebnis erzielen werden".

"Wir haben vielfältiges Interesse aus dem Markt für die abzugebenden Aktivitäten bekommen", sagte Brinker weiter. Das gelte zum Beispiel für die Sparten Phenolchemie, Gelatine und das Dental-Geschäft. Der fusionierte Konzern soll nach früheren Angaben binnen zwei Jahren Randgeschäfte mit einem Umsatz von - 1999 - knapp fünf Mrd. Euro verkaufen. Analysten haben unterdessen Zweifel an der Umsetzbarkeit dieses Planes geäußert.

Für das kommende Jahr strebt Degussa-Hüls einen Börsengang seiner Tochter dmc² an, in der die Bereiche Edelmetalle und Autoabgas-Katalysatoren zusammengefasst sind. Degussa-Hüls-Chef Utz-Hellmuth Felcht, auch designierter Vorstandsvorsitzender des neuen Konzerns, sagte, mit dem Börsengang werde voraussichtlich im ersten Quartal "begonnen". Eine Entscheidung über das Marktsegment sei noch nicht gefallen. Wie Reuters aus Branchenkreisen erfuhr, könnte der zweite größere Verkaufskandidat die Phenolchemie sein.

Aktie soll im Dezember an der Börse notiert sein

SKW mit Sitz in Trostberg und Degussa-Hüls in Frankfurt waren die Chemie-Töchter von Viag beziehungsweise Veba, die sich im Sommer zu Eon zusammengeschlossen hatten. Nach Angaben der Fusionspartner wird das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf der größte Spezialchemiekonzern der Welt. Die Aktie soll noch im Dezember an der Börse notiert werden. Die SKW-Aktionäre halten ihre außerordentliche HV dazu am kommenden Dienstag ab.

Felcht bekräftigte ferner, dass die Fusion nach mehreren Jahren ein Einparpotenzial von 300 Mill. Euro jährlich bringen werde. Ein Aktionär äußerte sich skeptisch, dass dies realistisch sei. Entsprechende Zweifel hatte ein Analyst gegenüber Reuters geäußert. Er verwies dabei darauf, dass Degussa-Hüls nach der Fusion 1999 aus der alten Degussa und der Veba-Tochter Hüls zunächst seine Synergie-Prognosen nicht im geplanten Zeitraum erreicht habe; das Unternehmen habe damals zum 30. September 1999 Synergien von 50 Mill. Euro prognostiziert, aber nur 34 Mill. Euro ergebniswirksam realisiert. Eine Unternehmenssprecherin betonte indes am Rande der HV, Degussa-Hüls liege derzeit sogar über Plan.

Bewertung an den Kapitalmärkten enttäuscht



Felcht bekräftigte für das laufende Geschäft der Degussa - Hüls die Prognose, das Unternehmen werde 2000 "deutliche Zuwachsraten bei Umsatz und Ergebnis" erzielen. Er äußerte sich unzufrieden über den Aktienkurs, der am Freitagnachmittag bei knapp über 30 Euro lag. Nach dem Umbau sei aber eine höhere Rendite zu erwarten. Ein konkretes Kursziel habe das Unternehmen nicht. Die 55 Euro, die ein Aktionär bei der HV genannt hatte, seien aber "nicht unvernünftig".

Für die Zustimmung zur Fusion waren 75 % des anwesenden Kapitals nötig. Weil allein die Muttergesellschaft Eon rund zwei Drittel des Kapitals hält, galt sie trotz Gegenanträgen zweier Einzelaktionäre als sicher.

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