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Neue Aktien sind wie zarte Pflänzchen

Die ersten Wochen nach dem Börsengang können für die künftige Entwicklung einer Aktie entscheidend sein. Sie zeigen dem Anleger, ob eine Emission ein Volltreffer wird oder daneben geht.

DÜSSELDORF.Neuemissionen sind wie Blumensamen: Einige gehen auf und entwickeln sich prächtig, andere Pflanzen bleiben mickrig oder sterben ab. Daher kann es gerade bei spekulativen Aktien wie am Neuen Markt ratsam sein, nicht gleich zu zeichnen: "Konservative Anleger sollten die Börseneinführung abwarten und beobachten, wie sich die Aktie entwickelt", sagt Thomas Effler, verantwortlich für den Bereich Neuer Markt bei der Commerzbank. So gingen zwar eventuelle Anfangsgewinne verloren, aber auf der anderen Seite verringere sich das Risiko. "Und wenn ein Wert wirklich gut ist, lohnt es sich immer einzusteigen", meint Effler.

Auch Götz Albert, Leiter des Neuer- Markt-Teams bei Independent Research, hält es für sinnvoll, erst nach ein bis zwei Wochen zu kaufen: "Häufig bildet der Kurs nach der Emission einen Buckel, der dann wieder bröckelt." Wenn das Anfangsinteresse abgekühlt ist, zeigt sich, ob sich das Unternehmen aus eigener Kraft weiter nach oben entwickeln kann oder ob es in der Bedeutungslosigkeit versinkt. "Viele Unternehmen denken, dass sie sich nach dem Börsengang ausruhen können, doch dann beginnt das Spiel erst richtig", sagt Albert. Analysten und Anleger müssen mit möglichst positiven Nachrichten versorgt werden, gerade in der Anfangszeit braucht der Kurs viel Pflege.

Erste Voraussetzung für eine gute Entwicklung an der Börse ist, da sind sich die Analysten einig, dass sich die Aktie über dem Emissionspreis halten kann. "Damit wird der Grundstein für die Performance gelegt", erklärt der Experte von Independent Research. Solch einen guten Start hat die Adphos AG, die seit dem 31. Juli am Neuen Markt gehandelt wird, hingelegt. Nach einem Emissionspreis von 20 Euro betrug die Erstnotierung 21 Euro, innerhalb einer Woche stieg der Kurs auf rund 35 Euro. Dann schwand das Anfangsinteresse langsam, ein Buckel bildete sich. Anschließend schaffte es das Unternehmen, einen weiteren Aufwärtstrend einzuleiten. Momentan notiert die Aktie bei gut 55 Euro.

Für Maja Brauer, Analystin bei Hornblower Fischer, ist der Titel ein klarer "Kauf" für spekulative Anleger. Sie sieht ein großes Potenzial und erwartet vom Unternehmen positive Nachrichten. "Die Technologie ist sehr viel versprechend und vielseitig anwendbar", meint Brauer. Die Adphos AG ist auf Lichttechnik spezialisiert, sie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Trocknungsprozesse in der Industrie deutlich beschleunigen lassen.

Doch ein guter Start an der Börse kann auch nach hinten losgehen. "Wenn die Steigerungen zu extrem werden, verbrennt der Wert", erklärt Albert von Independent Research. Bei den Anlegern und Analysten baut sich ein Erwartungsdruck auf, den die ersten Unternehmenszahlen nach dem Börsengang meist nicht rechtfertigen können.

Ein Beispiel: IVU Traffic

Ein Beispiel dafür ist die IVU Traffic Technologies AG. Die Aktie profitierte vom Logistikboom und stieg nach einem Emissionspreis von 10,50 Euro Anfang Juni auf einen Höchstpreis von 31,60 Euro. In der vergangenen Woche wurden dann die Halbjahreszahlen veröffentlicht. "Der Umsatz ist hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben", sagt Michael Eisenbeis, Analyst bei der Berliner Bankgesellschaft. "Diese Enttäuschung zeigte sich im zwischenzeitlichen Kursverfall." Die Aktie verlor bis auf rund 19 Euro. Im zweiten Halbjahr rechnet Eisenbeiß jedoch mit positiveren Meldungen.

Rolf Drees, Finanzanalyst bei Union Investment, warnt davor, einer Emissionseuphorie hinterherzulaufen. "Wichtig ist, dass es am Anfang keinen Hype gibt. Die Aktie sollte sich positiv, aber unspektakulär entwickeln." Auf gutem Weg ist die Condat AG. Der Wert stieg nach einem Emissionspreis von 22 Euro zunächst langsam, aber kontinuierlich. Dann folgte eine kurze Überhitzung, jetzt notiert die Aktie wieder bei rund 55 Euro. Robert Vinall, Analyst bei der DG Bank, bescheinigt dem Unternehmen eine fundamental hohe Qualität und führt die Aktie als "Kauf". Die Condat AG, die Software für die mobile Kommunikation entwickelt, werde in Zukunft auch vom UMTS-Boom profitieren.

Ein schlechtes Zeichen ist es hingegen, wenn eine Aktie nach dem Börsengang unter den Emissionspreis fällt. "Für Anleger ist das ein rotes Warnlicht", sagt Rolf Drees von Union Investment. Die Aktie werde zunächst mit Missachtung bestraft. "Überzeugende Zahlen können allerdings einiges wieder wettmachen. Wenn aber selbst diese nicht stimmen, droht eine Abwärtsspirale", meint Thomas Effler von der Commerzbank. Genau wie eine schlecht gepflegte Pflanze trocknet der Wert aus und geht ein.

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