Neue Analysemethoden helfen der Bundesanwaltschaft
Ex-RAF-Mitglieder bildeten neue Terrorgruppe

Zu der Gruppe sollen die ehemaligen Mitglieder der RAF-Kommandoebene Daniela Klette und Ernst Volker Staub gehören, wie die Bundesanwaltschaft am Wochenende in Karlsruhe mitteilte.

vwd KARLSRUHE. Der Verdacht gründet sich unter anderem auf Analysen von Speichelspuren in Gesichtsmasken, die bei einem Überfall auf einen Geldtransporter im Juli 1999 in Duisburg verwendet wurden. Der Überfall, bei dem rund eine Mill. DM erbeutet wurde, trage "alle Merkmale einer terroristischen Beschaffungstat", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten.

Die Bundesanwaltschaft hält es für "lebensfremd" anzunehmen, dass ehemalige RAF-Kader ihr Leben "als 'normale' Schwerkriminelle ohne revolutionäres Ziel" verbringen könnten, wie Scheuten weiter mitteilte. Die Behörde geht demnach auch davon aus, dass die spätestens im April 1999 gegründete neue Terrorgruppe die Logistik der alten RAF nutzt, darunter konspirative Wohnungen, gefälschte Ausweise oder bis heute unentdeckte RAF-Waffendepots.

Scheuten betonte, dem Verdacht stehe auch nicht die Auflösungserklärung der RAF entgegen. Die Bundesanwaltschaft bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". An dem Überfall in Duisburg waren laut Bundesanwaltschaft neben dem 46-jährigen Staub und der 44-jährigen Klette zwei weitere unbekannte männliche Täter beteiligt. Sie waren mit einer Panzerfaust und einem Schnellfeuergewehr bewaffnet und hatten neun Geldkoffer mit mindestens einer Mill. DM erbeutet. An den zuvor gestohlenen Fluchtfahrzeugen hatten die Täter in RAF-Manier Doubletten-Kennzeichen von tatsächlich existierenden baugleichen Autos angebracht.

Rupert Scholz sieht neue Herausforderungen für den Rechtsstaat

Dank neuer Analysemethoden ist es der Bundesanwaltschaft zufolge nun gelungen, die Speichelreste an den Masken sowie weitere Spuren dem DNS-Profil von Klette und Staub zuzuordnen. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof hatte deshalb gegen die beiden bereits im vergangenen November erweiterte Haftbefehle wegen schweren Raubes und Mitgliedschaft in einer neuen Vereinigung erlassen, "deren Zwecke und Tätigkeiten darauf gerichtet sind, Mord und Totschlag zu begehen". Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Rupert Scholz (CDU), sieht angesichts der mutmaßlichen Neugründung einer Terrorgruppe den "Rechtsstaat erneut herausgefordert".

Der in Berlin erscheinenden Zeitung "B.Z. Am Sonntag" sagte Scholz, die neuen Mitglieder besäßen eine "unveränderte terroristische Militanz". Damit seien "alle diejenigen eines Besseren belehrt, die voreilig glaubten, dass die RAF aufgegeben" habe. Das Bundeskriminalamt plant dem "Spiegel" zufolge weitere DNS-Tests zu 19 Anschlägen der RAF. Hierzu gehörten auch rund 50 Haare, die am Tatort des 1989 ermordeten Bankiers Alfred Herrhausen gefunden worden seien.

Mehr als zehn Jahre nach dem RAF-Attentat auf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in Düsseldorf war in der vergangenen Woche durch eine neuartige Genanalyse an einem gefunden Haar der Verdacht der Tatbeteiligung des mutmaßlichen RAF-Terrorist Wolfgang Grams erhärtet worden. Grams war am 27. Juni 1993 unter nie ganz geklärten Umständen bei einer Polizeiaktion gegen die RAF in Bad Kleinen ums Leben gekommen.

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