Neue Antriebstechnik kann Business-Flüge beschleunigen
Rotorflugzeug schafft Punktlandung

Schnell fliegen und auf kleinstem Raum landen - das Luftschiff der Zukunft vereint die Vorzüge von Flugzeugen und Hubschraubern. In zwei Jahren sollen die ersten Serienmodelle der Rotorflugzeuge auf den Markt kommen.

Die besten Eigenschaften von Flugzeug und Hubschrauber zu verbinden - mit diesem Konzept basteln Luftfahrt-Unternehmen an neuen Flugmaschinen. Während der amerikanische Konzern Boeing vor allem für das Militär an der Synthese der beiden Fluggeräte arbeitet, entwickeln der italienische Hubschrauberbauer Agusta und sein US-Partner Bell für die zivile Luftfahrt. Gemeinsam haben sie das Kipprotorflugzeug BA 609 entworfen.

Die Rotoren des neuen Modells sitzen an schwenkbaren Motorgondeln an beiden Tragflächenenden. Schwenkt der Pilot die Rotoren in die Horizontale, startet oder landet die BA 609 wie ein Hubschrauber. Stehen die Rotoren senkrecht, fliegt sie wie ein schnelles Propellerflugzeug. Das Fluggerät bietet Platz für neun Passagiere und soll ab 2004 geliefert werden. Bereits im vergangenen Jahr lagen 80 Bestellungen vor.

Zu den künftigen BA-609-Fliegern könnte neben Golfprofi Greg Norman die Nürnberger Aero GmbH-Dienst gehören. Auch der Anbieter von Charterflügen für Unternehmen hat bereits bei Bell-Agusta geordert. "Die Maschine braucht zum Starten und Landen wenig Platz und ist im normalen Flug so schnell wie ein Flächenflugzeug", nennt Armin Höhnemann, Verkaufsleiter bei Aero-Dienst, den entscheidenden Vorteil der BA 609. "Wir hoffen zudem auf geringere Wartungskosten." Bei Hubschraubern würden diese durch die Konstruktion in die Höhe getrieben. "Sie haben viel mehr Hebel und Wellen", sagt Höhnemann. "Außerdem sind die Vibrationen in der Zelle stärker." Das sorgt ebenfalls für stärkere Abnutzung.

Auch Boeing arbeitet mit der X-50A an einem Rotorflugzeug, das nun kurz vor der Flugreife steht. Das auch als "Dragonfly", zu deutsch Libelle, bezeichnete Luftfahrzeug vereint ebenfalls die Eigenschaften eines schnellen Flugzeugs mit denen eines Hubschraubers.

Der Rotor erlaubt Starts und Landungen oder Schwebeflüge nach Hubschrauber-Art. Den Antrieb liefert Druckluft, die aus dem Jet-Triebwerk der X-50A zu Düsen an den Rotorblattspitzen geleitet wird. Fliegt die X-50A schnell genug, wird der Rotor quer zum Rumpf blockiert und dient als Tragfläche. Die US-Armee will die X-50A künftig zu einem unbemannten Aufklärer weiterentwickeln. Die Technologie würde aber auch eine Reihe von weiteren Varianten erlauben - vom Kampfflugzeug über den schnellen Transporter bis hin zum Business-Jet.

Ein weiterer Vorteil der Libelle von Boeing: Sie ist variabel wie ein Schwenkflügler: "Möglich sind Flügelstellung von 90 Grad für niedrige und von 60 Grad für hohe Geschwindigkeiten", sagt George Muellner, der Leiter der "Phantom Works" genannten Entwicklungsabteilung von Boeing. Bei einer Stellung von 60 Grad zeigt die eine Hälfte des Flügel schräg nach vorne, die andere nach hinten. So sind Geschwindigkeiten von bis zu 900 Kilometern pro Stunde möglich.

Parallel zur X-50A entwickelt Boeing ein Kipprotorflugzeug, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie die BA 609 von Bell-Agusta. Das V-22 getaufte Modell soll die mittelgroßen Transporthubschrauber der US-Streitkräfte ersetzen. Technische Probleme haben jedoch die Serienreife bislang verzögert.

Wesentlich größer soll der in den Phantom Works entworfene "Advanced Theater Transport (ATT)" werden. Der ATT ist ein Kippflügler mit vier Triebwerken. Er schwenkt nicht nur die Motorgondeln, sondern den ganzen Flügel. Der wird bei Start oder Landung hochkant gestellt. Die vier Propeller wirken wie die Rotoren eines Hubschraubers. Damit soll das Fluggerät bis zu 40 Tonnen Ladung transportieren. Sollte der ATT in Serie gehen, könnte er den großen Transportflugzeugen Konkurrenz machen.

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