Neue Arena für 53 Millionen Euro
Wolfsburg will endlich raus aus der Provinz

Der VfL Wolfsburg wandelt weiter auf den Spuren von Bayer Leverkusen. Der einstige Retortenklub vom Rhein holte sich exzentrische Weltstars, baute sich ein schmuckes Stadion. Mit Effenberg und der neuen Arena hat der VfL nun nachgezogen. Fehlt noch die Champions League.

Mit zehn grünen Hemden fing alles an. Mehr hatte der Kreisjugendpfleger nicht, als er den VfL Wolfsburg gründete. 1945, kurz nach dem Krieg, in Wolfsburg, als dort noch nicht einmal der Käfer vom Band rollte. Die Hosen bastelte die Mannschaft aus weißen Bettlaken. Die Vereinsfarben Grün-Weiß waren geboren.

In Grün und Weiß ist auch die neue Arena gehalten, die heute, 57 Jahre später am Freitag den 13., ihre Tore öffnet. Hoffentlich ein Glückstag für den Verein, denn die Volkswagen-Arena soll das Fundament für die Fortsetzung der grün-weißen Erfolgsgeschichte bilden. Der VfL Wolfsburg will in die Beletage des europäischen Vereinsfußballs, in die Champions League. Mit der Arena, in der Arena. "Mit dem Vorurteil der Provinz ist es nun endgültig vorbei", verkündet VfL-Manager Peter Pander stolz. "Das neue Stadion macht uns konkurrenzfähig."

Jahrelang kickten die Wölfe als graue Mäuse im Nirwana von Ober,- Regional- und Zweiter Liga. Außerhalb der Autostadt tauchte der Verein erst 1995 nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Borussia Mönchengladbach auf dem Radar der Fans auf. Doch seitdem startet Wolfsburg durch: Die überraschende Teilnahme am UEFA-Pokal 1999/2000 hat Appetit auf mehr gemacht. Stefan Effenberg, sponsored by Volkswagen, soll die Marke dauerhaft im europäischen Wettbewerb etablieren. Er wurde verpflichtet, um aus den grauen Mäusen bissige Wölfe zu machen, um ihnen die Siegermentalität des FC Bayern einzuimpfen.

Jetzt bekommt Effenberg auch das passende Stadion. Ein reinrassiges Fußballstadion. Schick sei es geworden, verkündet Manager Pander auf der Pressekonferenz zur Einweihung. Außen ganz in Glas, innen im Colani-Design. Auf dem transluszenten Stadiondach liegt ein bisschen Schnee. In nur 17 Monaten ist die Arena aus dem Boden gestampft worden, in der bis zu 30 000 Zuschauer Platz finden. 8 000 davon auf Stehplätzen, die bei Europapokalspielen in 4 000 Sitzplätze umgewandelt werden können.

53 Millionen Euro kostet das Schmuckstück. 25 Millionen bezahlt die Stadt, den Rest finanziert die Nord-LB über ein Darlehen, dass die VfL Wolfsburg Fußball GmbH, eine 90-prozentige VW-Tochter über 29 Jahre abstottern muss. Klaus Fuchs, als Geschäftsführer für den Bau verantwortlich, errechnet daraus eine jährliche Belastung von vier Millionen Euro. Geld, das der Verein erst mal verdienen muss. Denn nur durchschnittlich 11 740 Fans fanden in der vergangenen Saison den Weg in die alte Kampfbahn, das war Minuskulisse in der Bundesliga. Auch in diesem Jahr ist der Schnitt von knapp 15 000 Fans pro Spiel zu wenig. Anspruch und Wirklich klaffen noch weit auseinander, kalkuliert der Verein doch im neuen Stadion mit durchschnittlich 18 000 Zuschauern.

Klaus Fuchs hofft auf einen sprunghaften Anstieg, ähnlich wie nach dem Umbau in Hamburg, Rostock oder auf Schalke. Dass die Fans in Scharen kommen werden, daran lässt Fuchs keinen Zweifel: "Wir erwarten auf Anhieb eine 50-prozentige Steigerung."

Bei solch ambitionierten Zielen steht die Mannschaft schon jetzt in der Pflicht. Denn erst bei mehr als 18 000 Zuschauern kann der Klub die Mehrkosten decken. Zwar verkaufte der VfL im neuen Rund schon 7 600 Dauerkarten, 2 000 mehr als im alten Stadion, gleichzeitig senkt der Verein aber die Preise auf den billigen Plätzen und verzichtet künftig auf die Vorverkaufsgebühr. Fuchs rechnet denn auch nur mit Mehreinnahmen in Höhe von 300 000 Euro. Wie gut, dass er von den 32 Logen schon 28 und 700 der 1 200 Business-Seats vermietet hat. Das spült sichere vier Millionen Euro pro Jahr in die GmbH-Kasse.

Doch den großen Geldregen gibt es nur im europäischen Fußball, wenn sich der VfL an den Fleischtöpfen der Uefa bedienen kann. Das Erreichen der Champions League hat man sich in Wolfsburg auf die Fahnen geschrieben. Ambitioniert, denn die Mannschaft kommt in dieser Saison noch nicht über gehobenes Mittelmaß hinaus. Das ist ungefähr so, als ob man auf einen "Phaeton" spart, sich aber nur einen "Bora" leisten kann. "Auch wenn das Stadion sicherlich der zwölfte Mann sein wird, Spiele gewinnt man damit nicht", sagt der Mannschaftskapitän Miroslav Karhan.

Sein Trainer, Wolfgang Wolf, hofft im neuen Stadion hingegen auf "vier bis sechs Punkte mehr pro Saison". Schließlich trennt endlich keine Laufbahn mehr die Spieler von den Fans. Bleibt aber abzuwarten, ob und wie lange Wolf die neue Stimmung miterleben wird. In der Winterpause will er mit dem Management verhandeln - in eigener Sache. Er ist jetzt schon fünf Jahre Trainer in der niedersächsischen Provinz. Geschäftsführer Fuchs setzt auch auf die Arena und spürt schon jetzt: "Die Mannschaft ist heiß auf das neue Stadion. Das lässt vermuten, dass sie noch engagierter zu Werke geht, als sie es jetzt schon tut."

Das wird sich übermorgen zeigen. Dann ist die Mannschaft am Zug. Die Jungfernfahrt in der Volkswagen - Arena gibt es gegen den VfB Stuttgart, einem direkten Konkurrenten im Kampf um die Champions League.

Quelle: Handelsblatt

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