Neue Benzinproteste drohen
Shell vermeldet erneut einen Rekordgewinn

Der ungebrochen hohe Ölpreis hat dem Ölkonzern Royal Dutch/Shell im dritten aufeinander folgenden Quartal einen Rekordgewinn beschert.

rtr/dpa LONDON. Der Gewinn sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 80 % auf 3,254 Mrd. $ gestiegen, teilte Shell am Donnerstag in London mit. Konzernchef Mark Moody-Stuart sagte, das Ergebnis sei die Folge des hohen Rohölpreises. Indes drohen wegen der Energiepreise in Großbritannien erneut Proteste. In der nächsten Woche läuft ein Ultimatum von britischen Spediteuren und Landwirte aus, die im September angekündigt hatten, die Proteste wieder aufzunehmen, falls die Regierung die Mineralölsteuer nicht senken sollte.

Moody-Stuart sagte, Shell habe die Kosten reduzieren und das Wachstum verbessern können. Damit sei der Konzern auf dem besten Weg, die vor zwei Jahren gesteckten Ziele zu erreichen. Das Ergebnis kam für Analysten nicht unerwartet - sie hatten den Gewinn auf 3,1 bis 3,5 Mrd. $ geschätzt.

Shell-Chef erwartet sinkenden Ölpreis

Moody-Stuart erwartet mit Blick auf den Ölpreis jedoch auch wieder schwächere Perioden, wie es sie in der Vergangenheit immer gegeben habe. Noch vor zwei Jahren habe der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseemarke Brent bei 10 $ gelegen. Der Rohölpreis war im vergangenen Jahr nach einer Förderbeschränkung der Mitgliedsländer der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf 30 $ pro Barrel geklettert. Am Donnerstagnachmittag kostete der Barrell 30,85 $.

Der Aktienkurs von Shell fiel an der Londoner Börse nach Verkündigung der Zahlen um rund 4 % auf 539 Pence, der von Royal Dutch in Amsterdam um 3,8 % auf 67,87 Euro. Der Kursrückgang war nach Ansicht von Analysten eine Reaktion auf Sorgen, der Markt könne nach Deckung des erhöhten Ölbedarfs während des Winters unter einem Überangebot an Öl leiden, das die Preise kräftig drücken würde.

Vorwurf der Preistreiberei erneut zurückgewiesen

Unterdessen wies der Shell-Chef den Vorwurf von Lkw-Fahrern und Bauern zurück, die Ölkonzerne seien mit für die Ölpreissteigerung verantwortlich, während die Bürger unter den hohen Energiepreisen zu leiden hätten. "Wir können weder den Ölpreis noch die Treibstoffsteuer beeinflussen", sagte er. Der zweitgrößte Konzern Europas war während der Proteste im September, bei dem Treibstofflager und Raffinerien und teilweise der Verkehr blockiert wurden, in die politische Schusslinie geraten.

Fuhrunternehmer und Landwirte verlangen von der britischen Regierung weiterhin die Senkung der Mineralölsteuer, um die hohen Energiepreise auszugleichen. Kommt die Regierung bis nächste Woche der Forderung nicht nach, soll es neue Proteste geben. Bereits im September hatte der britische Premierminister Tony Blair eine Steuersenkung abgelehnt. Es wird erwartet, dass die Regierung nun ihre Anstrengungen verstärken wird, die Öffentlichkeit gegen die Organisatoren der Proteste einzunehmen, um eine neue Protestwelle zu verhindern.

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