Neue Bertelsmann-Führung
Napster-Zukunft ohne Middelhoff düster

Mit dem Abschied von Middelhoff als Bertelsmann-Chef hat die Musiktauschbörse Napster ihren besten Freund und Förderer verloren. Ob Napster ohne diese schützende Hand eine Zukunft hat, halten Experten für fraglich.

Reuters SAN FRANCISCO. "Das kann nicht gut ausgehen für Napster. Ein Szenario, in dem Middelhoff geht und Napster bleibt, ist kaum vorstellbar", sagt Peter Fader, Marketing-Professor an der Universität von Pennsylvania.

Bertelsmann war schon im Jahr 2000 bei Napster eingestiegen und hatte die vollständige Übernahme im Mai als einen der letzten von Middelhoff eingefädelten Clous angekündigt. Wegen Differenzen über die Strategie des weltweit fünftgrößten Medienkonzerns war Middelhoff am Sonntag vom Aufsichtsrat abgesetzt worden. Vor allem sein Expansionskurs in neue Geschäftsfelder wie Internet und das Online-Musik hatte die alte Garde des früheren Printkonzerns Bertelsmann verdrossen.

Napster kämpft nicht nur gegen Schulden

"Middelhoff war ein aggressiver Typ, der Risiken eingegangen ist und eine klare Vision verfolgte. Aber er konnte nicht zuhören", sagte Hilary Rosen, Vorsitzende des Verbandes der US-Musikbranche (RIAA). Im Juni hatte Middelhoff Überlegungen ins Spiel gebracht, Bertelsmann könne das Musikgeschäft und mit der TV-Kompetenz der hauseigenen Sendergruppe RTL bündeln und einen eigenen europäischen Musikkanal aufzubauen.

Ohne Middelhoff könnte Napster, mit mehr als 100 Millionen Dollar verschuldet und in Gerichtsstreitigkeiten verwickelt, vor dem Aus stehen. "Es könnte der letzte Nagel für den Sarg sein", sagte ein Angestellter eines Internetmusik-Unternehmens, der nicht genannt werden wollte.

Die Musiktauschbörse, die Millionen von Nutzer angezogen hatte, war im Juli 2001 nach heftigen Protesten und Klagen von Musikkonzernen wie Warner Music, EMI Group oder Sony Music abgeschaltet worden. Der freie Tausch von Musiktiteln wurde als Verletzung von Urheberrechten angesehen. Als Teil des Übernahmeplans von Bertelsmann hatte Napster im Juni Gläubigerschutz beantragt. Der Gütersloher Konzern wollte Napster als Abonnomenten-Dienst weiterführen. Dazu muss der Konzern entsprechende Rechte an den Titeln erwerben. Schon ohne diese Kosten hat Bertelsmann nach der Einschätzung von Experten bisher mindestens 80 Millionen Dollar in Napster gesteckt.

Fragliche Zukunft

"Napster hat aber nicht nur mit den Klagen zu kämpfen, sondern auch bei den Wettbewerbern. Selbst wenn es Bertelsmann gelänge, Napster wiederzubeleben, müssten sie ganz schön aufholen", sagte Tess Taylor, Präsident des Branchenverbandes NARIP. Kostenlose Musiktauschbörsen wie Kazaa, Morpheus und Audio Galaxy dürften schwerer zu schließen sein wie Napster, weil sie nicht zentral gesteuert werden. Daneben hat Bertelsmann über seine Musiksparte BMG zusammen mit EMI, AOL Time Warner und RealNetworks in einen Online-Musikdienst namens MusicNet investiert, der mit dem Pressplay-Projekt von Sony und Universal Music und Listen.com konkurriert.

Dabei halten Experten die Zukunft des ganzen Online-Musikgeschäfts für fraglich. "Das ist ein Umfeld, in dem solche Projekte gegen eine ganze Raubkopie-Industrie ankämpfen und Medienunternehmen nicht viel Geld übrig haben", sagt Marketing-Professor Rosen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%