Neue Bescheidenheit in der Kinderstube
Im Gründerpavillon herrscht keine Euphorie mehr

Die Krise der Internetwirtschaft hat auf der Internet World nur auf den zweiten Blick Spuren bei den Gründern hinterlassen. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Aussteller im Gründerpavillon sogar deutlich von 36 auf 48 zugenommen. Die Erwartungen der jungen Unternehmen allerdings haben sich verändert.

BERLIN. Die Krise der Internetwirtschaft hat auf der Internet World nur auf den zweiten Blick Spuren bei den Gründern hinterlassen. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Aussteller im Gründerpavillon sogar deutlich von 36 auf 48 zugenommen. Die Erwartungen der jungen Unternehmen allerdings haben sich verändert. Die Zukunftsaussichten werden mehrheitlich längst nicht mehr so gut eingestuft wie noch vor einem Jahr; zudem ist nicht jede Firma tatsächlich noch in der Gründungsphase.

Günstige Standmieten, die selten 5 000 DM übersteigen, haben zur Auslastung ebenso beigetragen wie die kostenlose Standpräsenz als Gewinn in der "Wirtschaftswoche Startup-Show".

Weniger Besucher - und dennoch zufrieden

"Wir sind kein Startup mehr", gibt Christian Huthmacher, Geschäftsführer von Space2go unumwunden zu. "Aber ein vergleichbar großer Stand hätte sonst das Vierfache gekostet." Die Messe in Berlin hat seiner Auffassung nach in diesem Jahr deutlich weniger Besucher in die 530 Quadratmeter große Gründerfläche gelockt. Dennoch ist das Unternehmen mit der Resonanz bislang zufrieden.

"Diesmal werden weniger Fragen gestellt, dafür sind es die richtigen." Auch Maik Stockmann, Vorstand beim Interneteinkaufsdienstleister Econia urteilt, die Messe sei professioneller geworden. "Voriges Jahr hat sich die Branche selbst gefeiert, ohne Grund dafür zu haben." Econia ist eines der sechs Unternehmen, die nur deshalb mit einem Stand in Berlin sind, weil sie den Stand gewonnen haben. "Unsere Zielgruppe treffen wir hier eigentlich nicht", sagt Stockmann.

Auch Snacker gehörte zu den Gewinnern der Fernsehshow. Inzwischen allerdings kämpft das Startup-Unternehmen, das Essensbestellungen bündelt, ums Überleben. Vergangenen Freitag wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, die Mitarbeiter erhalten kein Geld mehr. Das Wagniskapital sei "planmäßig verbraucht worden", heißt es. Bislang hat sich aber kein neuer Investor gefunden. Dabei hätten es die Investoren nicht weit, die Venture Capital Arena liegt in direkter Nachbarschaft.

Kapitalgeber sind zurückhaltender geworden

"Die Internet World ist die einzige Messe, in der Gründer und Kapitalgeber so eng verzahnt sind", sagt Heike Tripold, Marketingmanagerin vom Messeveranstalter. Doch die Kapitalgeber sind zurückhaltender geworden. "Internetunternehmen sind nicht mehr populär bei Investoren", sagt Econia-Vorstand Stockmann. "Wer jetzt die nächsten 6 Monate übersteht, hat sehr gute Chancen." Die B2B-Plattform muss nach seinen Worten keine Investoren mehr herüberlocken. Die dritte Finanzierungsrunde wurde vor zwei Wochen abgeschlossen.

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