Neue Börse soll planmäßig eröffnet werden
Nasdaq Deutschland startet durch

Trotz der widrigen Umstände will die Nasdaq Deutschland planmäßig im ersten Quartal nächsten Jahres an den Start gehen. Die Gründungsverträge wurden unterzeichnet. Schon im Sommer hofft Nasdaq-Präsident Rick Ketchum auf einen Marktanteil von zehn Prozent. Ende 2003 will er die Gewinnschwelle erreichen.

FRANKFURT/M. Die Nasdaq Deutschland kommt allen Gerüchten zum Trotz voran. Nach Angaben von Nasdaq-Präsident Rick Ketchum sind die Verträge zur Gründung der neuen Börse unterschrieben worden. "Die Nasdaq Deutschland wird planmäßig im ersten Quartal nächsten Jahres starten", bekräftigte Ketchum im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zuvor waren wegen der katastrophalen Lage an den Börsen in Finanzkreisen bereits Gerüchte über eine eventuelle Verschiebung kolportiert worden.

An der Nasdaq Deutschland sind neben den Amerikanern (50 Prozent) auch die Börsen Berlin und Bremen mit jeweils zehn Prozent, die Dresdner Bank (15 Prozent) sowie die Commerzbank und deren Online-Tochter Comdirect mit jeweils 7,5 Prozent beteiligt. Nach Angaben von Ketchum gibt es darüber hinaus Gespräche mit einer Reihe von Banken und Maklern. Interesse zeigten insbesondere einige Teilnehmer der Nasdaq Europe in Brüssel, darunter die Citigroup und Merrill Lynch. Zudem glaubt Ketchum, dass auch die Deutsche Bank "mitmachen wird, wenn das System läuft". Doch geht Deutschlands größte Bank parallel eigene Wege: Ab November bietet sie ihren Kunden testweise den außerbörslichen Handel auf einer hauseigenen Plattform an.

Die Nasdaq Deutschland will sich als zweite große Börse in Deutschland nach Frankfurt etablieren. Rund 300 deutsche und amerikanische Aktien sollen gehandelt werden. In diesen Werten strebt Ketchum schon "Mitte nächsten Jahres einen Marktanteil von zehn Prozent" an. In drei Jahren sollen es nach früheren Angaben sogar 15 Prozent des gesamten deutschen Orderaufkommens sein. Die Gewinnschwelle soll Ende kommenden Jahres erreicht werden. "2004 wollen wir dann Geld verdienen", sagte Ketchum.

Der besondere Charme der Nasdaq Deutschland, die das neue Nasdaq-Handelssystem Supermontage nutzen wird, liegt in der Möglichkeit zur Internalisierung. Das heißt, Banken können die Aufträge von Kleinanlegern sofort intern abwickeln ohne sie in ein Orderbuch zu stellen. Auch die Deutsche Börse bietet diese Möglichkeiten seit einigen Wochen unter dem Namen Xetra Best. Allerdings ist der Start eher verhalten: Lediglich fünf Banken und Broker handeln auf Xetra Best. In direkte Konkurrenz zu Frankfurt tritt die Nasdaq Deutschland auch beim Handel mit US-Titeln. Die Frankfurter hatten im vergangenen Jahr ein eigenes Segment für US-Werte aufgebaut. Ketchum hofft aber, dass die Nasdaq Deutschland bei diesen Titeln schnell zum Marktführer in Deutschland wird.

Parallel zur Nasdaq Deutschland, in die Amerikaner etwa zehn Mill. Euro investieren wollen, wird auch die Nasdaq Europe weiter laufen - allerdings mit einer neuen Strategie. Bisher ist die Brüsseler Börse ein Flop: Die Umsätze sind extrem dünn, und die Nasdaq musste kürzlich 13 Mill. Euro nachschießen. Der ursprüngliche Plan, die Nasdaq Europe als paneuropäische Plattform für grenzüberschreitenden Handel zu etablieren, wurde fallen gelassen. "Im Fokus stehen künftig die Bedürfnisse der einzelnen, nationalen Märkte in Europa", sagt Ketchum. Ein erster Schritt könnte der Aufbau des Handels mit holländischen und belgischen Aktien im ersten oder zweiten Quartal nächsten Jahres sein. Das Konzept ähnelt dem der Nasdaq Deutschland. Doch anders als hier zu Lande ist keine eigene "Benelux-Börse" geplant, sondern der Handel würde auf der Nasdaq Europe erfolgen. Zu den weiteren Kandidaten zählt der Ketchum Italien, während Frankreich derzeit nicht auf der Agenda steht.

Ungeachtet der Ableger in Deutschland und Europa macht Ketchum keinen Hehl daraus, dass die Nasdaq am liebsten mit einer der großen europäischen Börsen kooperieren würde. Im Sommer gab es dazu nach Angaben aus Finanzkreisen konkrete Gespräche mit London, doch konnten sich die beiden Börsen nicht einigen. "Derzeit gibt es keine konkreten Verhandlungen", sagt Ketchum. Die Nasdaq stehe aber weiter im normalen Kontakt mit allen großen Börsen. Zwar erwartet er in den nächsten Monaten keine größeren Börsenallianzen. Auf mittlere Sicht rechnet er aber mit einer Konsolidierung der Börsenlandschaft. Nicht zuletzt wegen der hohen Entwicklungskosten für neue Börsensysteme mache es keinen Sinn, so viele Handelsplätze wie bisher zu betreiben.

Eher zurückhaltend äußerte sich Ketchum zum Thema Börsengang der Nasdaq: Ursprünglich wollte die Computer-Börse bereits in diesem Jahr an die Börse. Mittlerweile wurde das Vorhaben aber auf 2003 vertagt. Eine endgültige Entscheidung werde aber erst fallen, wenn man die Erfolge von Supermontage vernünftig bewerten könne. Dieses System wird derzeit in den USA ausgerollt. Sollte es nicht zu einem Börsengang kommen, würden aber die derzeit im Freiverkehr gehandelten Nasdaq-Aktien an der eigenen Börse gelistet, sagt Ketchum.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%