Neue Börsenordnung
Quartalsberichte genauer unter die Lupe nehmen

In der ab kommenden Jahr geltenden neuen Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) wird den Unternehmen des Prime Standard eine Analyse ihrer Quartalsberichte durch einen Wirtschaftsprüfer empfohlen.

Reuters FRANKFURT. "Im Interesse der Transparenzerhöhung und des Anlegerschutzes wird eine so genannte prüferische Durchsicht allen Unternehmen des Prime Standard nahe gelegt", sagte eine Sprecherin der Deutschen Börse AG am Montag nach Veröffentlichung der Börsenordnung. Das Ergebnis dieser Analyse soll veröffentlicht werden, hieß es weiter. Mit der Empfehlung, neben den Jahresabschlüssen auch die Quartalsabschlüsse von Wirtschaftsprüfern durchsehen zu lassen, orientiert sich die Börse an der Praxis in den USA. Aktionärsschützer begrüßten die Initiative. Wirtschaftsprüfer befürchteten indes, dass durch eine prüferische Durchsicht zu hohe Erwartungen im Kapitalmarkt geweckt werden, da vielen Anlegern den Unterschied zur Vollprüfung eines Jahresabschlusses nicht bekannt sei.

Mit der am Montag ebenfalls vorgelegten neuen Fassung der Börsenordnung wird die geplante Zweiteilung des Aktienmarktes in die beiden Segmente Prime Standard und General Standard umgesetzt. Die Zulassung zum auf internationale Investoren ausgerichteten Prime Standard setzt unter anderem die Veröffentlichung von Quartalsberichten voraus. Die Neuordnung der Indizes soll am 24. März 2003 erfolgen.

Bei den betroffenen Unternehmen zeigte man sich hinsichtlich der Überprüfung von Quartalsberichten überrascht und war zunächst überwiegend nicht zu einer Stellungnahme bereit. Bei Kronberger Chemiekonzern Celanese hieß es lediglich: "Wir überprüfen das zur Zeit."

In den USA gibt es bereits den in Deutschland als "prüferische Durchsicht" übersetzten "Review" der Quartalsberichte.

"Die Empfehlung macht durchaus Sinn", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). "Ein Testat wäre vielleicht übertrieben, aber ein Review wäre sicher nicht falsch und würde Managern und Anlegern helfen", sagte sie.

Martin Plendl, Partner bei der Prüfungsgesellschaft Deloitte & Touche zeigte sich hinsichtlich der Aussagekraft der "prüferischen Durchsicht" zurückhaltend: "Eine prüferische Durchsicht ist eine Plausibilitätsbeurteilung des Quartalsberichtes und viel weniger als eine Vollprüfung des Jahresabschlusses. Ich fürchte, da werden im Kapitalmarkt zu große Erwartungen geweckt." In den USA gebe es zwar die Durchsicht, aber die Quartalsberichte würden - wegen des genannten Unterschieds - trotzdem als ungeprüft bezeichnet, fügte er hinzu. "Ich bin gegen eine Veröffentlichung des Ergebnisses der Durchsicht. Dies sollte ein nach innen gerichtetes Instrument der Unternehmensführung sein."

In Deutschland ergibt sich nach Aussage von Branchenkennern außerdem ein Haftungsproblem. Die Haftung des Prüfers beim Jahresabschluss ist gesetzlich auf vier Millionen Euro begrenzt. Diese Regelung gilt aber nicht im Falle der Prüfung eines Quartalsberichts. In der Branche wird daher die Gefahr gesehen, dass Anleger immense Schadensersatzklagen gegen die Prüfer eines Zwischenberichtes erheben könnten, sollten dabei Fehler gemacht worden sein.

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