Neue Bombenanschläge in Spanien
ETA nimmt Touristen ins Visier

Die baskische Untergrundorganisation ETA hat den spanischen Tourismus ins Visier genommen. Die Separatisten wollen auf dem Höhepunkt der Reisesaison mit einer Welle von Terroranschlägen Angst und Schrecken unter den Urlaubern an der spanischen Mittelmeerküste verbreiten und die Touristen von Reisen nach Spanien abhalten.

dpa MADRID. Bei der Explosion einer Paketbombe in Barcelona wurden am Freitag drei junge Leute leicht verletzt. An einer Bankfiliale entstand nach Angaben der Polizei erheblicher Sachschaden. In der baskischen Regionalhauptstadt Vitoria detonierte ein Sprengsatz vor der Wohnung eines Offiziers der spanischen Streitkräfte. Es wurde niemand verletzt. Der Offizier war zum Zeitpunkt der Explosion nicht daheim.

Die Hintergründe der Anschläge waren zunächst unklar. Nach Ansicht von Beobachtern war es eher unwahrscheinlich, dass die baskische Untergrundorganisation ETA damit zu tun hatte. Darauf deutete die eher einfache Bauart der Bomben hin, die kein Dynamit enthielten.

Der Flughafen von Malaga entging am Donnerstag nur knapp einem Inferno, als die ETA mit der versuchten Zündung einer 60-Kilogramm- Autobombe scheiterte. Die Terroristen hatten den Airport der südspanischen Metropole mit Bedacht als Ziel gewählt. Dort treffen die Pauschalurlauber ein, die an der Costa del Sol ihre Ferien verbringen. Die Auto-Bombe auf dem Parkplatz des Flughafens kam nach Angaben der Polizei nur deshalb nicht zur Explosion, weil Sprengstoffexperten den Zünder rechtzeitig unschädlich gemacht hätten. Die Polizei-Experten hätten den Zeitzünder mit einem ferngesteuerten Roboter zum Stillstand gebracht und anschließend die Bombe per Hand entschärft.

Die Tourismusbranche reagiert bislang mit Gelassenheit auf den Terror. Spanien sei nach wie vor eines der sichersten Reiseziele, betonte ein Sprecher des TUI-Konzerns. Für die Sicherheit der Touristen werde von den Reiseleitungen vor Ort und von den Behörden alles Nötige getan.

"Ein paar Verrückte"

Die autonome Regierung der südspanischen Region Andalusien, zu der die Costa del Sol gehört, sieht keinen Grund zur Beunruhigung. "Ein paar Verrückte können nicht ein ganzes Land in Angst versetzen", meinte Tourismusminister Jose Hurtado. «In der Vergangenheit hatten Terror-Serien in Ferienorten keine Wirkung gezeigt. Und so wird es auch diesmal sein."

Bislang habe niemand eine Urlaubsbuchung rückgängig gemacht, betonte der Verband der spanischen Reisebüros. «Die Costa del Sol ist voll mit Urlaubern und wird im August noch voller sein», sagte der Verbandspräsident Jesus Martinez der Zeitung «El Periodico». «Bei den Urlaubern ist das Verlangen nach Erholung einfach größer als die Angst vor Bomben.» Kritisch für den Tourismus würde es erst, wenn zum Terror noch irgendwelche Streiks hinzukämen.

Die ETA hatte sich seit 1979 immer wieder die Badeorte an der Mittelmeerküste als Terrorziele ausgewählt. Damit will sie zum einen Spanien wirtschaftlich schaden. Spanien ist mit 48 Millionen Touristen im Jahr das zweitwichtigste Ferienland der Welt. Der Tourismus macht ein Zehntel der gesamten Wirtschaftskraft aus. Zum andern verfolgen die Separatisten propagandistische Zwecke. Anschläge in Urlauberzentren finden in internationalen Medien eine größere Resonanz als Attentate in baskischen Provinzorten.

Polizei-Präsenz am Mittelmeer

Die spanische Polizei verstärkte ihre Präsenz am Mittelmeer und schickte Sprengstoffexperten an die Küste. Aber die Fahnder haben es außerordentlich schwer, den Bombenlegern auf die Spur zu kommen. Die ETA setzt an der Küste kleine und mobile Kommandos von zwei oder drei Leuten ein. Die Mitglieder sind zumeist "legale" ETA-Aktivisten, die bisher ein bürgerliches Leben geführt haben und in keiner Fahndungskartei stehen.

Die in Torrevieja getötete Bombenlegerin hatte im Baskenland studiert und als erfolgreiche Fußballerin in Auswahlteams gekickt. Ihr untergetauchter Freund und Komplize arbeitete für ein Bestattungsunternehmen bei San Sebastian. Bombenmaterial und Aufträge erhalten die Terroristen durch Kuriere aus Frankreich, wo die ETA - Führung vermutlich ihre Verstecke hat.

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