Neue BSE-Fälle
Rindfleischlieferung nach Nordkorea möglich

Nach anfänglichem Zögern der Bundesregierung wird eine Lieferung von Rindfleisch an Hungernde in Nordkorea immer wahrscheinlicher. Ein Export sei aber an strenge Auflagen gebunden, sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Mittwoch in Berlin.

dpa BERLIN. Aus Bayern wurden drei weitere BSE-Fälle gemeldet. Damit sind bundesweit 35 Fälle registriert. Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) kann im Widerstand gegen die Pläne der EU-Kommission zur Stabilisierung des Rindfleischmarktes auf Rückendeckung aus dem Kabinett bauen. Unterdessen spüren Metzger und Handel wieder langsam steigendes Interesse an Rindfleisch.

Die Fleischlieferung in das kommunistische Nordkorea wäre nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums eine Ausnahmeaktion. Künast sei grundsätzlich weiterhin gegen Rindfleischlieferungen als Form der humanitären Hilfe, sagte Ministeriumssprecherin Sigrun Neuwerth. Den regionalen Märkten drohten Probleme, wenn sie mit "Produkten der Wohlstandsgesellschaft überschwemmt" würden. Heye sagte, im Falle der Umsetzung der humanitären Hilfsaktion werde nur auf BSE getestetes Fleisch geliefert.

Lieferung nur unter strikten Bedingungen

Die Bundesregierung hatte sich am Dienstag nach Gesprächen mit Vertretern Pjöngjangs bereit erklärt, einen Teil des Fleisches der 400 000 Rinder, die zur Marktentlastung geschlachtet werden sollen, unter strikten Bedingungen an Nordkorea zu liefern. So müsse das Fleisch durch eine unabhängige internationale Hilfsorganisation verteilt werden und tatsächlich bei Bedürftigen ankommen. Das Notärztekomitee Cap Anamur schlug vor, ein Drittel des Rindfleisches gefroren zu liefern und zwei Drittel in Konservendosen.

Nordkorea hat nach einem Bericht des Hamburger Magazin "Stern" um die Lieferung von 200 000 Tieren gebeten. Dies entspräche einem Fleischertrag von etwa 40 000 Tonnen. Insgesamt würde die humanitäre Hilfsmaßnahme etwa 105 Mill. DM kosten. Allein die Vernichtung von 200 000 Rindern würde laut "Stern" 80 Mill. DM kosten.

Laut Heye ist Künast im Kabinett in ihrer Haltung zu dem Sieben- Punkte-Krisenplan des EU-Agrar-Kommissars Franz Fischler bestärkt worden. Fischler hatte unter anderem die Ausweitung der umstrittenen Massenschlachtung von Rindern vorgeschlagen. Ferner sprach er sich dafür aus, Prämien für nur noch höchstens 90 Rinder pro Betrieb zu vergeben. Ein solcher Einschnitt würde vor allem die großen Agrarbetriebe in den neuen Bundesländern treffen. Künast hatte diese Maßnahmen kritisiert. Die Ministerin wolle den Fischler-Krisenplan durch eigene Vorschläge ergänzen, sagte Neuwerth.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisierte den Krisenplan. "Einige Maßnahmen verschlimmern die Belastung der Landwirte zusätzlich", schrieb DBV-Präsident Gerd Sonnleitner in einem Brief an Künast. Zugleich sprach er sich gegen eine Weiterführung der EU- Aufkaufaktion für Rinder aus. Stattdessen sollten die Schlachtprämien für Kälber drastisch erhöht werden.

Verkauf zieht leicht an

Nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) zieht der Verkauf von Rindfleisch seit Ende Januar leicht an. Allerdings seien die Umsätze noch weit vom alten Niveau vor der BSE-Krise entfernt, sagte ein DFV-Sprecher. Trotz des immer noch schwachen Verzehrs von Rindfleisch ist Deutschland weiter auf Fleischimporte angewiesen.

Nach Angaben der Zentrale Markt- und Preisberichtstelle wurden im vergangenen Jahr nur 86 % des Fleisches, das in Deutschland verbraucht wurde, auch hier erzeugt. Die größte Versorgungslücke gebe es bei Schaf- und Lammfleisch. Auch bei anderen Fleischarten sei die Nachfrage ohne Importe nicht zu decken. Die Forderung von Künast nach einer Abkehr von der Überproduktion sollte nach Produkten differenziert werden.

Seit Mittwoch liegt die Zahl der bestätigten BSE Fälle bundesweit bei 35, davon 14 in Bayern, 5 in Schleswig-Holstein, jeweils 4 in Niedersachsen und Baden-Württemberg, jeweils 2 in Mecklenburg- Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sowie jeweils einer in Brandenburg und Sachsen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%