Neue Business-Class ab Herbst
Lufthansa buhlt um Premiumkunden

Die Lufthansa will angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Billigflieger verstärkt lukrative Geschäftskunden befördern. Mit einer verbesserten Business-Class und neuen, exklusiven Terminals versucht Deutschlands größte Fluggesellschaft mitten in der schweren Krise der Luftfahrtbranche ihre Stellung als Premiumanbieter auszubauen.

FRANKFURT/M. Die Marktsegmentierung in der krisengeschüttelten Branche schreitet damit voran. Einige Experten empfehlen der Fluggesellschaft bereits, sich künftig weitgehend auf internationale Verbindungen zwischen den großen Drehkreuzen zu konzentrieren und die Zubringerdienste fast völlig an günstigere Kooperationspartnern abzugeben.

Doch auch für das lukrative Geschäft mit hochpreisigen Flugtickets zeichnet sich ein schärferer Wettbewerb ab. Längst ist der Transport von Premiumkunden nicht mehr allein Linienfluggesellschaften vorbehalten. Geschäfts- und auch wohlhabende Privatkunden mit gehobenen Ansprüchen weichen zunehmend auf spezielle Charter-Angebote aus. Dieser so genannte Business-Aviation-Markt boomt nach einer Studie der Unternehmensberatung Cell Consulting vor allem in den USA seit Jahren. Aber auch in Europa verzeichne dieses Geschäft in jüngster Zeit trotz Wirtschaftskrise zweistellige Wachstumsraten.

Vom lukrativen Premiummarkt möchte sich der neue Vorstandschef der Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, nun ein größeres Stück abschneiden, denn die zahlungskräftigen Kunden gehören zur bevorzugten Zielgruppe der Linienfluggesellschaften. Uwe Weinreich, Luftfahrtexperte der Hypo-Vereinsbank schätzt, dass der Premiumsektor mit rund 18 % des Passagieraufkommens bei Lufthansa für rund 60% des Umsatzes sorgt. Für den Mehrpreis, den die Kunden - überwiegend Geschäftsreisende - zahlen, erwarten sie allerdings auch einen entsprechenden Gegenwert. Komfort und Exklusivität spielten dabei eine essenzielle Rolle, betont Luftfahrtexperte Thomas Tomkos von Cell Consulting.

Kernstück der Premiumoffensive der Lufthansa ist darum eine verbesserte Business-Class, die ab Herbst 2003 eingeführt wird. Erstmals will die Fluggesellschaft dann ihren Kunden in dieser Klasse einen Platz anbieten, der sich in ein Bett verwandeln lässt. Ein Prototyp dieses Flugzeugsitzes wird bereits bis Ende des Monats auf der Strecke Frankfurt - Chicago getestet. Zehn neue Airbus 340-Maschinen werden diese Bestuhlung bis Anfang 2004 erhalten und in den nächsten zwei Jahren wird sukzessive dann die gesamte, etwa 70 Maschinen umfassende Langstreckenflotte so ausgerüstet, wie Mayrhuber entschied. Die Deutschen rücken damit in eine Liga mit British Airways, der australischen Qantas und der asiatischen Cathay Pacific, die ihren Kunden solchen Service bereits bieten. Zugleich steckt Lufthansa über 30 Mill. Euro in zwei neue Terminals, die in Frankfurt und München First-Class und Top-Kunden einen exklusiveren Zugang zur Maschine bieten sollen. Die umworbenen Kunden können dort nicht nur spezielle Transfer-Lounges finden, sondern auch Einchecken, Gepäckablage sowie Sicherheitskontrollen an Ort und Stelle erledigen. Auch eine neue Topkundenkarte oberhalb der Senatorcard ist geplant, die die Premiumgäste stärker herausheben soll. Lufthansa will sich damit deutlicher von der Konkurrenz der Billigflieger abheben und sich mehr über Qualität differenzieren. Der Fluggast sehe die Leistung Flugreise eigentlich nur noch über den Preis definiert, hatte Mayrhuber auf der Bilanzpressekonferenz geklagt: "Lufthansa wird dazu deutlich auf Distanz gehen". Teurere Tickets in der Business-Class kann sich Mayrhuber jedoch nach Ansicht von Weinreich mitten in der schweren Branchenkrise abschminken. "Sie werden das alles bieten müssen, um ihre verbliebenen Geschäftskunden in der Business-Class zu halten - für Preiserhöhungen ist kein Platz."

Business Class: Fliegen im Liegen

Das Kernstück der Premiumoffensive in der Business-Class ist ein neuer, komfortabler Sitz, der erstmals in dieser Klasse bei Lufthansa in ein Bett verwandelt werden kann und über Video-on-Demand verfügt.

Der Startschuss fällt im Herbst 2003. In den nächsten zwei Jahren werden alle Langstrecken-Maschinen umgerüstet.

Wichtigstes Langstreckenziel der Lufthansa ist noch immer Nordamerika. Danach folgen die Verbindungen in den Asien-Pazifik-Raum, die inzwischen knapp 20 Prozent der Nettoerlöse in der Passage bringen.

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