Neue Chance im TV-Geschäft
Springer-Verlag verhandelt mit Kirch-Sanierern

Der Axel Springer Verlag verhandelt mit den Kirch- Sanierern über seine Verkaufsoption für die Anteile an der Kirch- Senderfamilie ProSiebenSAT.1. "Die Forderung von 767 Millionen Euro bleibt bestehen", hieß es am Dienstag bei Springer. In Verhandlungen müsse ausgelotet werden, wie die Forderung erfüllt werden könne. Dabei sieht der Verlag nach jahrelanger Abstinenz wieder die Chance, eine stärkere Position im TV-Geschäft zu bekommen. "Aber wir sind nicht bereit, um jeden Preis einzusteigen."

dpa HAMBURG. Die Kerngesellschaft des Kirch-Medienimperiums, die KirchMedia, hatte am Montag in München Insolvenz beantragt. Zur KirchMedia gehört auch die Senderfamilie ProSiebenSAT.1. Der neue Geschäftsführer der KirchMedia, Wolfgang van Betteray hatte darauf hingewiesen, dass die Springer-Option seiner Einschätzung nach weitgehend wertlos ist. Durch die Ausübung dieser Option hatte der Verlag die Kirch-Krise ins Rollen gebracht.

Zugleich ist offen, wer Leo Kirchs Anteil in Höhe von 40 Prozent am Axel Springer Verlag AG (Hamburg/Berlin) übernimmt. "Niemand will die WAZ-Gruppe", verlautete aus Springer-Kreisen. Die im Zeitungsbereich tätige Essener Verlagsgruppe ist nach Medienberichten an einem Einstieg interessiert, um so Einfluss beim größten europäischen Zeitungsverlag zu erlangen. Aber auch die HypoVereinsbank hat angeboten, den Kirch-Anteil für 1,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Zugleich ist das Paket bei der Deutschen Bank verpfändet.

Bei Springer wird der Einstieg eines Finanzinvestors favorisiert. "Wir sind strikt gegen einen strategischen Medieninvestor", hieß es. Denn eine solche Erfahrung hat der Verlag mit Kirch bereits gemacht. Am Fernsehgeschäft, das jetzt wieder im Mittelpunkt steht, hatte sich in den achtziger Jahren ein Streit zwischen Verlagsgründer Axel Springer und Leo Kirch entzündet, in dessen Folge Kirch seinen Aktienanteil am Springer Verlag deutlich aufstockte. Eine Mehrheitsübernahme des Axel Springer Verlags durch einen Investor hat Friede Springer, die Witwe des 1985 gestorbenen Verlegers, stets ausgeschlossen.

Über die Springer-Forderung soll dem Vernehmen nach verhandelt werden, andernfalls würde die KirchMedia ein "unkalkulierbares, juristisches Risiko" vor sich herschieben, hieß es in Verlagskreisen. Eine Aufstockung des 11,5-Prozent-Pakets von Springer an ProSiebenSat.1 oder der Einstieg bei KirchMedia - bis zu einer Sperrminorität - wurde am Dienstag nicht ausgeschlossen. Allerdings müssten die Konditionen stimmen, hieß es.

Dann würde Springer nach Jahren wieder in den TV-Sendebetrieb einsteigen. "Im TV-Geschäft haben wir leider, leider den Zug vor vielen Jahren verpasst", hatte Vorstandschef Mathias Döpfner zu seinem Amtsbeginn im Januar bilanziert. So war das Engagement beim Kirch-Sender DSF 1994 beendet und das Magazin "Newsmaker" auf SAT.1 wieder eingestellt worden. Geblieben sind Beteiligungen an TV-Produktionsfirmen und ein geringer Anteil am Lokalsender Hamburg 1, der ebenfalls mehrheitlich zum Kirch-Imperium gehört.

Für einen erneuten, größeren Einstieg ins Fernsehgeschäft könnte der Verlag im Haus auf Expertise zurückgreifen: Mit dem früheren TV-Produzenten und Ex-Moderatoren der "NDR-Talkshow", Hubertus Meyer- Burckhardt, ist ein TV-Kenner im Vorstand, der derzeit für die Bereiche Elektronische Medien und Buch zuständig ist. Und als Herausgeber der Tageszeitungen "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" fungiert mittlerweile der ehemalige Intendant des ZDF, Dieter Stolte.

Der Axel Springer Verlag hat sich seit seiner Gründung 1946 zu einem internationalen Medienkonzern entwickelt. Die Palette reicht von Tageszeitungen über Zeitschriften und Bücher bis zu Online- und multimedialen Angeboten. Bei dem Verlag hinterließ der jüngste Konjunktureinbruch Spuren, so dass erstmals in der Verlagsgeschichte 2001 ein Verlust von 191 Millionen Euro anfiel.

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