Neue Chancen für Opel
GM prüft Opel-Importe nach USA

In drei bis vier Jahren könnten die Autos der deutschen Tochter von General Motors (GM) auch in den USA verkauft werden. GM denkt über den US-Einsatz des von Opel entwickelten Astra nach.

DÜSSELDORF. Der Rüsselsheimer Automobilhersteller Adam Opel AG setzt zum Sprung über den großen Teich an. Zusammen mit der US-Konzernmutter General Motors (GM) wird über den ersten größeren US-Einsatz von Opel nachgedacht. Danach könnte die nächste Generation des Mittelklassemodells Opel Astra auch über amerikanische Straßen rollen. Frühestens möglich wäre eine solche US-Einführung nach dem Jahr 2004.

Ein Sprecher der GM-Europazentrale in Zürich bestätigte entsprechende Überlegungen innerhalb des amerikanischen Automobilkonzerns. GM-intern werde geprüft, wie sich die verschiedenen Konzernteile gegenseitig unterstützen könnten. Die Überlegungen für den US-Einsatz von Opel befänden sich noch in einem frühen Stadium. "Das ist alles, was wir im Moment dazu sagen können", betonte der GM-Sprecher.

Ron Zarrella, innerhalb des GM-Konzerns für das US-Autogeschäft verantwortlich, hatte die Spekulationen über einen künftigen Auftritt von Opel auf dem amerikanischen Automobilmarkt ausgelöst. "Das Design des Opel Astra würde sehr gut in den US-Markt passen", unterstrich Zarrella in einem Interview. Künftige, für die USA gedachte Produkte könnten sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Mittelklasse-Auto von Opel besitzen. Auch der neue Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster hatte gesagt, dass entsprechende Überlegungen für den US-Markt längerfristig "nicht ausgeschlossen sind".

Opel-Modellreihe für den US-Markt

Opel könnte demnach auch eine komplette Modellreihe für den US-Markt entwerfen, die in weiten Teilen dem vom Jahr 2004 an in Deutschland und Europa verkauften neuen Astra entsprechen würde. Verantwortlich wäre dafür das technische Entwicklungszentrum ITEZ in Rüsselsheim. Im Gespräch sind dabei drei mögliche Karosserievarianten: klassisches Stufenheck, Minivan und auch die typisch europäische Variante mit Heckklappe. In den USA, wo weitaus größere Fahrzeuge als in Europa üblich sind, würden die künftigen Astra-Varianten als Kleinwagen und Einsteigerautos verkauft.

Über einen möglichen Produktionsstandort ist noch nicht entschieden. Vor allem die Arbeitnehmerseite würde es begrüßen, wenn die deutschen Opel-Werke künftig in großem Stil Autos für den US-Markt fertigen würden - zumal die GM-Tochter in Deutschland und im restlichen Europa mit sinkenden Marktanteilen und fallenden Absatzzahlen zu kämpfen hat. Im vergangenen Jahr verbuchte der deutsche Automobilhersteller einen Verlust von fast 900 Mill. DM.

Entsprechend begrüßte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz die Pläne für ein neues US-Engagement der Marke Opel. "Das ist eine alte Forderung von uns", sagte er. Mit diesem jüngsten Vorhaben bekomme Opel eine gute Chance, einen deutlichen Schritt nach vorn zu machen. Sollte der Benzinpreis auch in den USA weiter anziehen, würde es sich erst recht lohnen, in verstärktem Umfang sparsame Opel-Modelle aus Europa auf dem amerikanischen Markt zu vertreiben. GM hätte zusätzlich die Chance, in den USA den guten Ruf von "German Engineering" bei der Vermarktung von Opel einzusetzen.

Zwischen 1996 und 2000 hatte das Rüsselsheimer Opel-Werk schon einmal für den US-Markt produziert. In diesem Zeitraum war eine für den US-Markt abgewandelte Variante des Oberklassemodells Opel Omega gefertigt worden. Insgesamt 100 000 Exemplare dieses Fahrzeugs verließen die Fabrik - allerdings nicht als Opel, sondern als "Cadillac".

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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