Archiv
Neue Chancen

In solide Unternehmen am Neuen Markt können Anleger wieder investieren.

20/21.4.2001. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Vorstände auf den Hauptversammlungen für die Erfolge der Vergangenheit feiern ließen. Die kommenden Aktionärstreffen dürften für viele Unternehmen des Neuen Marktes ziemlich unangenehm werden. Denn jetzt müssen viele Chefs für die katastrophale Kursentwicklung des vergangenen Jahres geradestehen und eine Reihe von kritischen Fragen beantworten. Auch Fondsmanager werden sich auf den Hauptversammlungen blicken lassen und von der Unternehmensführung Rechenschaft fordern. "Das wird kein Kindergeburtstag", verspricht der Manager eines großen Technologiedepots. Auch die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hat angekündigt, sich die Unternehmen herauszupicken, bei denen die Kursentwicklung nicht allein ihre Ursache im schwachen Gesamtmarkt hatte, sondern durch Managementfehler ausgelöst wurde.

Zu spüren bekommen wird das rauere Klima am 17. Mai etwa das Internetunternehmen Endemann, dessen Vorstand und Aufsichtsrat die DSW auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigern will. "Der Vorstand hat durch unverantwortliche Entscheidungen zum Absinken auf das aktuelle, desaströse Niveau beigetragen", heißt es bei der DSW. Exemplarisch verweist sie auf die Verwendung eines Teils des Emissionserlöses für Börsenspekulationen und auf die innerhalb kürzester Zeit revidierten Prognosen.

Nach Angaben der GZ-Bank konnten 180 Unternehmen des Neuen Marktes ihre Prognosen für das Jahr 2000 nicht einhalten. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht: Immerhin haben rund 80 Gesellschaften ihre Planzahlen sogar übertroffen. Wer vorsichtig geplant hat und auch sonst durch solides Geschäftsgebahren überzeugt hat, kann ziemlich gelassen in die bevorstehende Hauptversammlungssaison gehen und vielleicht auch Investoren dazu bewegen, ihr Engagement weiter auszubauen.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht. "In eine gute Unternehmensstory kann man auch jetzt schon wieder investieren", sagt Michael Geiger, Analyst für den Neuen Markt bei Credit Suisse First Boston. Er rechnet damit, dass es im zweiten Halbjahr wieder deutlich aufwärts geht. "Einzelne Werte werden sicher weiter enttäuschen, aber das Schlimmste sollte überstanden sein." In die engere Wahl kommen bei CSFB-Unternehmen, die ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell haben und ihre Planzahlen einhalten. Geiger favorisiert Singulus, Mühlbauer, ACG und den Softwarespezialisten Parsytec.

Singulus stellt Maschinen her, mit denen optische Speichermedien wie CD produziert werden können. Zwar hat das hessische Unternehmen zuletzt mit eher verhaltenen Zahlen zum aktuellen Auftragseingang die Stimmung unter den Anlegern etwas gedämpft, jedoch sorgen nach Meinung von Geiger hochpreisige Anlagen zur Herstellung von wiederbeschreibbaren DVD für zusätzliches Wachstum. "Das Unternehmen generiert einen ordentlichen Cash-Flow und hat jede Menge Liquidität in der Hinterhand", erläutert Geiger. Auch die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt loben die hohe Profitabilität des Unternehmens, das so am ehesten einen Preiskampf innerhalb der Branche verkraften könne. Im Jahr 2000 hat Singulus 376 Millionen Euro umgesetzt und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 93 Millionen Mark erzielt. Die Investmentbank rechnet mit einer Belebung der Nachfrage gegen Ende des zweiten Quartals, die durch das dann schon anlaufende Weihnachtsgeschäft ausgelöst werde.

Zu den Maschinenbauern gehört auch Mühlbauer. Allerdings produzieren die Anlagen der Bayern keine silbernen Speicherplatten sondern andere High-Tech-Produkte: Smart Cards (Ersatz für Magnetstreifenkarten), Smart Labels (Ersatz für Barcodes) und LED (Ersatz für Glühbirnen). "Das Unternehmen nimmt eine weltweit dominierende Stellung mit 50 bis 100 Prozent Marktanteil ein", lobt Analyst Geiger. Die Zuneigung der Analysten zu Mühlbauer ist nicht neu. Bereits das ganze vergangene Jahr über wurde die Aktie empfohlen. Kein Wunder: Das Unternehmen gilt als ausgesprochen solide und hat die Planziele stets erreicht. Das zahlt sich besonders in Krisenzeiten aus. Im Jahr 2000 setzte Mühlbauer 110 Millionen Euro um. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) betrug 24 Millionen Euro.

Vom erwarteten Boom bei Smart-Cards will auch ACG profitieren. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf den Handel mit den klugen Karten. Hauptumsatzträger ist allerdings der Handel mit Chips. Hier ist ACG Konkurrent von CE Consumer. Jüngst geriet ACG allerdings in das Raster der Polizei, die Anfang April europaweit Hunderte Firmen durchsuchte. Die Beamten sind Chip-Händlern auf der Spur, die im großen Stil Umsätze an der Steuer vorbeigeschleust haben sollen. Die Wiesbadener beteuern, in dem Fall ein "unbeteiligter Dritter" zu sein. "Wir glauben dem Management", sagt CSFB-Analyst Geiger. "ACG ist auf dem aktuellen gedrückten Preisniveau fundamental unterbewertet." Bei einem Umsatz von 362,8 Millionen Euro erwirtschaftete das Unternehmen 2000 ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 13 Millionen Euro.

Das Aachener Softwareunternehmen Parsytec entwickelt Lösungen zur Kontrolle von Oberflächen. Mit diesen können zum Beispiel Stahlproduzenten frühzeitig feststellen, wenn sich in ihr Produkt ein Fehler einschleicht. "Die Kunden können enorme Kosten sparen. In Zeiten, wo alle besonders sparen müssen, ist das besonders gefragt," sagt Geiger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%