Neue Crossair soll zwei Drittel der Swissair-Flüge übernehmen
Milliardenspritze: Schweiz rettet die Swissair

Die Schweiz wird dank einer Milliardenspritze des Staates auch künftig eine nationale Fluggesellschaft haben. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die Regierung, die Kantone und die Wirtschaft am Montagabend in Bern auf ein Rettungspaket für die Pleite gegangene Traditionslinie Swissair.

afp BERN. Dieses beinhaltet unter anderem eine staatliche Finanzspritze von einer Milliarde Franken (1,3 Mrd. Mark). Den Rettungsplänen zufolge soll zumindest der Großteil des Flugbetriebes von Swissair durch die bisherige Tochtergesellschaft Crossair weitergeführt werden. Ohne das Rettungspaket wäre der Swissair als Muttergesellschaft der deutschen LTU nur der Konkurs geblieben.

Am Aktienkapital der "neuen Crossair" werde sich der Bund mit 20 Prozent beteiligen, sagte Bundespräsident Moritz Leuenberger. Die Kantone des Landes werden 18 Prozent halten. Der Rest von 62 Prozent entfällt auf die Wirtschaft, deren Engagement eine Voraussetzung für die Finanzspritze des Bundes war. Die Verhandlungen über die Rettung von Swissair liefen bereits seit Wochen. Auch am Wochenende gab es intensive Gespräche, den Durchbruch brachte in letzter Minute aber erst die Kabinettssitzung am Montag. Diese dauerte den ganzen Tag und zog sich deutlich länger hin als ursprünglich geplant. Am Abend kam dann die auch für die Swissair-Mitarbeiter erlösende Nachricht einer Einigung.

Allerdings würden nicht alle Arbeitsplätze der ehemaligen Schweizer Vorzeige-Airline gerettet, machte Leuenberger klar. Der "Phoenix Plus" genannte Rettungsplan sieht vielmehr vor, dass nur ein Teil von Swissair von der bisherigen Tochterfirma Crossair übernommen wird. Schätzungen zufolge werden mindestens 5000 Arbeitsplätze wegfallen. Ohne Einigung zwischen Bund, Kantonen und Wirtschaft hätten 27 000 Menschen ihren Job verloren, darunter 14 500 in der Schweiz.

Crossair soll rund zwei Drittel der Swissair-Flüge übernehmen. "Phoenix Plus" sieht unter anderem vor, dass die kleinere Airline 52 der 75 Swissair-Jets bekommt. Das einstige Swissair-Tochterunternehmen war kürzlich mehrheitlich von den Schweizer Großbanken UBS und Crédit Suisse übernommen worden.

Swissair steht seit rund drei Wochen unter Gläubigerschutz. Das 70 Jahre alte Unternehmen hat sich durch eine milliardenschwere Expansion in Europa übernommen und bekam wegen Zahlungsunfähigkeit zwischenzeitlich nicht einmal mehr genug Flugbenzin. Allein im vergangenen Jahr lief ein Rekordverlust von 2,8 Mrd. Franken auf. Vor allem die Tochterfirmen wie Sabena, LTU oder die französischen Airlines AOM, Air Liberté und Air Littoral belasteten das Ergebnis. Der Staat war bereits mit einem Überbrückungskredit von 450 Mill. Franken in die Bresche gesprungen, von dem aber schon nichts mehr übrig sein soll.

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