Neue Dienstleistungsangebote sorgen für eine Umwälzung in der Branche – Schwache Börse verschärft den Wettbewerbsdruck
Spezialfonds kämpfen mit härteren Bandagen um Kundengelder

Der Wettbewerb unter den Fondsgesellschaften um die Gelder institutioneller Investoren wird härter. Besonders intensiv ringen sie derzeit um Mandate für sogenannte "Master-KAGs".

CAMBRIDGE/FRANKFURT/M. Hintergrund: Seit Ende 2001 erlaubt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), Fondsbuchhaltung und-management aus einer Investmentgesellschaft in eine andere auszulagern. Dies nutzt dem Konstrukt der "Master-KAG": Bei ihr ist die technische Abwicklung mehrerer Spezialfonds in einer Hand. Sie ist letzten Endes selbst ein großer Spezialfonds, der bei einer Kapitalanlagegesellschaft aufgelegt wird. Dieser enthält mehrere untergeordnete Segmente - die vormaligen Fonds. Letztere werden unabhängig voneinander von verschiedenen Vermögensverwaltern verwaltet. Mit dem Asset-Management hat die "Master-KAG" wenig bis nichts zu tun - sie spezialisiert sich auf Verwaltungsdienstleistungen wie Fondsbuchhaltung und Berichtswesen.

Es geht um große Summen. "In den vergangenen sechs Monaten sind 30 Mrd. neu in Master-KAGs geflossen. In den kommenden Jahren werden 60 bis 70 Mrd. folgen", schätzt Johann Goldbrunner, Geschäftsführer der Allianz-Dresdner Asset Management. Dabei käme es zu einer Neuordnung des Vermögens institutioneller Anleger. "Diese ist mit den neuen Outsourcing-Möglichkeiten losgetreten worden wie eine Lawine", sagt Goldbrunner.

Im Bereich der Spezialfonds nehme die Kundenbindung stark ab, sagt Goldbrunner. "Früher waren persönliche Beziehungen wichtiger, nun ist die Nachfrage mehr und mehr leistungsgetrieben." Und die Fondsgesellschaften kämpfen mit härteren Bandagen um Kunden. "Es gibt eine Umverteilung, der Wettbewerb ist sehr scharf", sagt Hans-Jürgen Dannheisig, Mitglied der Geschäftsführung der BHW Invest. Dies liegt auch daran, dass das Spezialfonds-Volumen in diesem Jahr um 16 Mrd. gesunken ist, während das jährliche Wachstum des Markts im Zeitraum 1996 bis 2001 im Schnitt bei 20 % lag. Der dadurch entstehende Kostendruck auf die Fondsgesellschaften steht hinter dem Trend zur "Master-KAG".

Die zum Allianz-Dresdner-Konzern gehörende Spezialfondsanbieter dbi verspricht sich einiges von der Entwicklung des Markts. In ihren Büchern stehe momentan ein Master-KAG-Volumen von 4 Mrd. Euro, sagt Goldbrunner - und Mandate über mehrere Mrd. Euro seien "in der Pipeline".

Um den Master-KAG-Kuchen kämpft auch die Gesellschaft BHW Invest. Bis Mitte 2003 wolle sie auf eine Milliarde Euro verwaltetes Vermögen in der "Master-KAG" kommen, sagt Dannheisig. Momentan hat BHW Invest drei Mandate mit fünf Sub-Segmenten.

Dass die Zusammenfassung von Spezialfonds in der "Master-KAG" immer populärer wird, zeigt sich auch in der Statistik: So hat sich die Anzahl dieser Fonds im deutschen Markt in diesem Jahr um 55 auf 5 444 verringert, nachdem sie in den Jahren zuvor rasant gewachsen war. Dies liegt freilich auch an der schlechten Börsenentwicklung - einige Spezialfonds wurden liquidiert.

Bisher haben erst wenige Investmentgesellschaften die Voraussetzungen zur "Master-KAG". Goldbrunner sieht Platz im Markt für sechs bis neun Anbieter . "Besonders im Bereich Informationstechnologie müssen sie sehr stark sein", sagt Dannheisig. Nur größere oder sehr gut in diesem Bereich positionierte Gesellschaften können sie leisten. Zu den Firmen, die bisher die Anforderungen erfüllen, gehören laut Experten Activest, BHW Invest, Deutsche Asset Management, Helaba Invest, Metzler, Universal Investment und dbi.

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