Neue Digital-Radiogeräte werden preiswerter
Kein Rauschen und Zischen stört das Radiohören

Mit einem verstärkten Netzaufbau nimmt das digitale Radio nun endlich auch in Deutschland Fahrt auf. Eine CD-ähnliche Klangqualität, neue Programme und preiswertere Geräte sollen die Hörer von der neuen Technologie überzeugen. Doch im Vergleich zum Ausland hat die Bundesrepublik noch einiges aufzuholen.

HB DÜSSELDORF. Das digitale Radio startet in Deutschland durch. "Ende 2004 wird das Digital-Radio bundesweit verbreitet sein", sagt Helwin Lesch vom Bayern Digital Radio in München. Rund 80 Prozent der Bundesrepublik seien schon heute flächendeckend mit digitalem Radio versorgt.

In Ländern wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein- Westfalen oder Berlin ist die neue Rundfunk-Technologie bereits stark verbreitet. Nun wird der Netzaufbau auch von den restlichen Landesrundfunkanstalten, insbesondere in Norddeutschland, vorangetrieben. Auch medienpolitische Entscheidungen beeinflussten die Aufbaugeschwindigkeit stark.

Beim digitalen Radio werden Programminhalte - im Gegensatz zum analogen UKW-Radio - in Form von Datenpaketen übertragen. Dadurch lassen sich zusätzlich Bilder, Grafiken oder Texte via Rundfunk übermitteln. So können etwa Programm begleitende Informationen, wie Namen der Musik- Interpreten im Radiodisplay, ohne großen Aufwand übermittelt und der Service verbessert werden.

Digitales Radio funktioniert mit dem europaweit anerkannten Übertragungsstandard DAB (Digital Audio Broadcasting). Bei der Umwandlung der Tonsignale in Digital-Informationen entstehen zwar große Datenmengen. Diese können aber komprimiert werden. Das entsprechende Verfahren heißt Musicam (Masking pattern adapted Universal Subband lntegrated Coding And Multiplexing). Dabei werden alle Toninformationen, die das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann, einfach weggelassen. Die Datenmenge, die übertragen werden muss, wird so drastisch reduziert. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Musik-CD (mit 1 411 kbit pro Sekunde) kann bei DAB die Datenrate damit auf etwa ein Siebtel komprimiert werden - ohne einen hörbaren Qualitätsunterschied. Gleichzeitig entsteht damit Platz für zusätzliche Inhalte und Informationen.

Diese "rauschfreie" neue Hörfunkwelt funktioniert mit einem Gleichwellennetz, d.h. jedes Programm benötigt nur eine Frequenz. Das UKW-Radio hingegen braucht für ein Programm mehrere Frequenzen, um Sendestörungen, die durch Bäume, Häuser oder Berge entstehen, zu vermeiden. Durch die so gewonnene bessere Nutzung der Frequenzen können neue Programme entstehen. Die Anbieter wollen dies für die Ausstrahlung von Spartenkanälen nutzen, wie Sport- oder Kindersender.

Verschiedene Regionen bieten bereits solche Spartenkanäle an. Beim Westdeutschen Rundfunk gibt es bereits einen 24-Stunden-Verkehrsfunkkanal, beim Bayrischen Rundfunk einen Rocksender. Auch Programm begleitende Informationen wie Börsenkurse oder Wettervorhersagen sind inzwischen abrufbar.

Trotz dieser eindeutigen Vorteile hat sich das digitale Radio in Deutschland noch nicht durchgesetzt. "Verspätete Lizenzvergaben, die föderale Rundfunkstruktur und medienpolitische Gesetzgebungen zögerten den Netzausbau unnötig hinaus", erklärt Thomas Schierbaum vom Institut für Rundfunktechnik in München. Weil die Nachfrage ausblieb, produzierten die Endgerätehersteller zu wenige und zu teure Geräte. Die Konsequenz für die die Sender: Sie boten kaum neue Inhalte.

Mittlerweile macht sich jedoch Zuversicht in der Branche breit: "Durch den verstärkten Netzausbau entsteht endlich eine Vertrauensbasis für Automobil und Einzelhandel. Auch Gerätehersteller bieten nun preiswertere Geräte an", sagt Schierbaum. Der Preis für einfache stationäre Geräte mit DAB- und UKW-Empfang liegt inzwischen unter 500 Euro.

Außerdem werden die Geräte immer komfortabler. So sind einige Radios zusätzlich mit MP3-Playern ausgestattet. Die Firma Blaupunkt bringt im Mai ein digitales Autoradio mit CD- und MP3-Player für rund 500 Euro auf den Markt. Das Gerät ist zwar zunächst als reines Wiedergabegerät konzipiert. Doch ab Herbst soll das Nachfolgemodell auch Musiktitel als MP3 auf eine Multimediakarte speichern können. Die Musik kann über die Speicherkarte dann auch über das Handy oder den PC abgespielt werden.

Ob das digitale Radio in Deutschland so erfolgreich sein wird wie beispielsweise in England, muss sich erst zeigen. "In Großbritannien hört bald jeder vierte Brite Digital-Radio, und jeden Tag schießen neue Sender wie Pilze aus dem Boden", sagt Helwin Lesch vom Bayern Digital Radio. Das liegt auch an den medienpolitischen Unterschieden. Die zentrale Organisation des überregionalen, britischen Senders BBC erleichtert die Verbreitung des digitalen Radios.

In Deutschland hingegen erschwert unter anderem die föderale Rundfunkstruktur eine schnelle und flächendeckende Verbreitung. So werden bundesweit empfangbare Regionalsender wohl noch lange auf sich warten lassen.

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