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Neue Dioxin-Affäre erfasst Deutschland

Eine neue Dioxin-Affäre um verseuchtes Tierfutter hat nach den Niederlanden und Belgien auch Deutschland erfasst. In Nordrhein-Westfalen wurden drei Bauernhöfe mit insgesamt 2000 Tieren gesperrt, nachdem eine Belastung mit dem möglicherweise Krebs erregenden Gift vermutet wurde.

dpa MÜNSTER/BERLIN/DEN HAAG. Eine neue Dioxin-Affäre um verseuchtes Tierfutter hat nach den Niederlanden und Belgien auch Deutschland erfasst. In Nordrhein-Westfalen wurden drei Bauernhöfe mit insgesamt 2000 Tieren gesperrt, nachdem eine Belastung mit dem möglicherweise Krebs erregenden Gift vermutet wurde.

Als Ursache der Verseuchung gilt Tonerde, die über ihre Verwendung bei der Sortierung von Kartoffeln in den Niederlanden in das Futter gelangt ist. Dennoch seien sowohl Kartoffelprodukte als auch Milch weiter sicher, betonten Hersteller.

In den Niederlanden, wo bereits über 160 Höfe gesperrt sind, seien Dioxin-Spuren in der Milch betroffener Betriebe nachgewiesen worden, teilte das Bundesagrarministerium am Donnerstag mit. Daraufhin habe Den Haag in einer Schnellwarnung die europäischen Partner informiert. In Belgien wurden bisher acht Höfe gesperrt. Der deutsche Milchindustrie-Verband teilte mit, dass es sich bei den betroffenen Höfen im Münsterland um keine Milchviehbetriebe handele. "Deutsche Milch ist nicht betroffen." Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte, das Fleisch der Tiere aus den drei Höfen werde auf mögliche Belastungen untersucht.

Das Dioxin ist den Angaben zufolge über belastete Tonerde (Kaolin) in das Futter gelangt. Kaolin wird bei der Herstellung von Pommes frites verwendet, um die Kartoffeln zu sortieren. Die von einem Unternehmen im Westerwald (Rheinland-Pfalz) bezogene Tonerde wurde seit August bei einem Pommes-frites-Hersteller im holländischen Lelystad eingesetzt. Sie verändert die Dichte von Wasser. Kartoffeln von minderer Qualität schwimmen in einem solchen Bad oben, bessere, zur Pommes-Herstellung geeignete Knollen, sinken ab. Der Ausschuss wird zur Herstellung von Viehfutter verwendet. Mit Dioxin belastet sind nach diesen Angaben nur die Kartoffelschalen.

Der Pommes-Hersteller Mccain hat nach eigenen Angaben den Verkauf von Abfällen für Futtermittel bis auf weiteres eingestellt. Die betroffene Sortieranlage im holländischen Lelystad sei komplett gereinigt, der Einsatz von Kaolin bei der Selektion der Kartoffeln gestoppt worden. Untersuchungen bestätigten, dass die Produkte weiter sicher verzehrt werden könnten. Der Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer sagte dem "Mannheimer Morgen" (Freitag), die Dioxin-Belastung von Tonerde etwa aus Rheinland-Pfalz sei seit Jahren bekannt. Nun müssten Pommes frites auf ihre mögliche Belastung untersucht werden.

Nach dpa-Informationen lag die Dioxinbelastung der Tonerde, die bis vergangenen Sonntag verwendet wurde, um mehr als das Zehnfache über dem Grenzwert von 0,75 Nanogramm pro Kilogramm. Der erhöhte Wert könnte natürliche Ursachen haben. Der Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Alexander Müller forderte Den Haag am Donnerstag auf, "schnellstmöglich" über Auswirkungen auf Lebensmittel wie Milch und Fleisch zu berichten. Die Verantwortung liege eindeutig bei dem niederländischen Kartoffelverarbeiter, sagte Müller. "Es handelt sich um einen klaren Verstoß gegen das Futtermittelrecht der EU. Dioxin hat in Futtermitteln nichts verloren."

An die Adresse der EU forderte der Staatssekretär: "Es muss eine abschließende Positiv-Liste her, die sagt, was darf in Futtermittel rein. Und Kaolin wird niemals Eingang in eine solche Liste finden." Auch die Grünen-Fraktion im Bundestag forderte eine Positiv-Liste für Rohstoffe, die in Futtermitteln zum Einsatz kommen.

Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel wurden alle Höfe, die mit dem belasteten Tierfutter beliefert worden sind, gesperrt. "Deren Produkte haben die Verbraucher - nach allem, was wir wissen - nicht erreicht", sagte eine Sprecherin der Kommission am Donnerstag. Nun werde die Lieferkette genau untersucht: "Wenn man solche Nahrungsmittelketten untersucht, weiß man nie, was dabei herauskommt", fügte die Sprecherin hinzu.

Verkauf und Schlachtung der betroffenen Tiere in Deutschland wurden zunächst verboten, teilte das Düsseldorfer Agrarministerium mit. Allerdings wurden nach dpa vorliegenden Informationen noch am Mittwoch, dem Tag der Sperrung, 26 Schlachtbullen aus einem der Betriebe in die Niederlande gebracht.

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