Neue Discountmarke könnte Preise purzeln lassen
Neue Preisrunde bei Billigreisen

Für Urlaubsreisen zeichnen sich nach einer ersten Belebung des Geschäfts weitere Preissenkungen ab. Europas größter Touristikkonzern Tui will am Montag seine seit längerem angekündigte neue Discount-Marke vorstellen, die mit Niedrigpreisen um Kunden werben soll. Prompt wird der Konkurrent Thomas Cook nach Informationen des Fachmagazins "Touristik-Report" mit Preisaktionen in "Discount-Wochen" bei seiner Billigmarke Bucher kontern. Branchenexperten schätzen, dass auch andere Anbieter mit Preisnachlässen reagieren könnten.

Reuters HANNOVER. Die Erfahrungen in der Reiseflaute zeigen: Was bei vielen Kunden derzeit allein zählt, ist ein günstiger Preis. Nachdem vorige Woche die Buchungseingänge in Deutschland nach dem Ende des Irak-Krieges erstmals seit Jahresbeginn zulegten, könnten noch attraktivere Preise diesen Trend verstärken.

Die ersten Reisefreudigen stürmten bereits vor Tagen in die Tui-Reisebüros, um ein Billigangebot der neuen Discount-Marke des Reiseriesen zu ergattern. Sie müssen sich bis kommende Woche gedulden. Am Montag will Tui den von Konzernchef Michael Frenzel im Januar erstmals angekündigten neuen Billiganbieter starten. Voraussichtlicher Name: "Discount-Travel".

Tui reagiert damit auf den Trend zu immer preiswerteren Reisen. Vor zwei Jahren wollte die Branche diesen Trend durch Verzicht auf weitere Preissenkungen bremsen, um endlich die schmalen Gewinnmargen im Touristikgeschäft zu verbessern. Doch der 11. September 2001 und die anhaltende Konjunkturflaute machten einen Strich durch diese Rechnung.

Die Nachfrage in den beiden großen europäischen Reiseländern Deutschland und Großbritannien ist seither geschrumpft. Was aber boomt, sind getreu der verbreiteten "Geiz-ist-geil"-Stimmung Angebote von Direktvermarktern, Last-Minute-Reisen und die Billig-Fluglinien. Bei klassischen Touristikkonzernen kommen nur Preiswert-Marken gut durch die Krise.

So hat die Touristiksparte des Handelskonzerns Rewe als Nummer drei im deutschen Markt dank der aggressiven Preispolitik der Marke Tjaereborg den Buchungsstand im Gegensatz zu Tui oder der europäischen Nummer zwei Thomas Cook fast auf Vorjahresniveau halten können. Trotz Irak-Krieg und Konjunkturkrise legte Tjaereborg im laufenden Geschäftsjahr nach Rewe-Angaben im Winter 5,5 Prozent und für den Sommer bislang um 7,4 Prozent bei den gebuchten Umsätzen zu.

"Wir haben knallhart kalkuliert", sagt Anette Forre, Sprecherin der Sparte Pauschaltouristik bei Rewe. Die Konkurrenz glaubt zwar, Tjaereborg würde Reisen unter Preis verkaufen. "Das stimmt nicht", sagt Forre. Doch besonders viel wird bei Tjaereborg nicht verdient. Forre: "Wir haben hauchdünne flache Margen." Auch bei Thomas Cook schneiden die preiswerten Marken Air Marin und Bucher besser ab als der Gesamtkonzern.

Im Hause Tui musste der einst als Billigmarke eingeführte Veranstalter 1-2-Fly voriges Jahr mit Umsatzeinbußen von neun Prozent schmerzhaft erfahren, dass ein Anheben der Preise sofort bestraft wird. Für die Wintersaison 2002/03 und diesen Sommer griff ein neuer Geschäftsführer zum Rotstift: Seither läuft 1-2-Fly deutlich besser als der Mutterkonzern.

Das Discount-Modell mit kurzfristig änderbaren Angeboten erfolgreich umgesetzt hat bereits der seit kurzem zur Tui-Gruppe gehörende Veranstalter Berge und Meer, der in diesem Jahr eigenen Angaben zufolge beim Umsatz mit fast 20 Prozent im Plus liegt. Die Reisen werden verkauft bei Tchibo oder über das Fernsehen, bald vielleicht auch bei Lebensmitteldiscountern.

Dass Tui neben 1-2-Fly, Berge und Meer und seiner Beteiligung am größten deutschen Last-Minute-Anbieter L'Tur eine weitere Billigmarke startet, irritiert allerdings die Konkurrenz. "Wir glauben, dass wir keine weitere Preiswert-Marke brauchen. Noch preiswerter als preiswert geht nicht", lässt sich der Chef der Rewe-Pauschaltouristik, Dietmar Kastner, zitieren.

Dann gäbe es ein Problem mit den Gewinnmargen. "Es macht jedenfalls keinen Sinn, Reisen unter Preis zu verkaufen", warnt Christian Boergen, Sprecher des Branchenverbandes DRV, vor einem Rückfall in alte Preiskampfstrategien.

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