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Neue Doppelspitze soll EADS in neue Dimension führen

Neue Doppelspitze soll EADS in neue Dimension führen

Neue Doppelspitze soll EADS in neue Dimension führen

dpa-afx PARIS. Die Würfel sind offenbar gefallen. Eine neue deutsch-französische Doppelspitze soll den Flugtechnikkonzern European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) in eine neue Dimension führen: Der bisherige Airbus-Chef Noel Forgeard soll als Konzernchef dafür sorgen, dass der Vorsprung vor Boeing im Verkehrsflugzeugbau erhalten und ausgebaut wird. Gleichberechtigt neben ihm soll der bisherige Chef der Rüstungssparte, Thomas Enders, EADS im militärischen Bereich mit Fusionen und Übernahmen an die Weltspitze führen. Die französische Regierung und die deutschen Partner seien sich darin einig, heißt es in Paris. Nur einer muss noch mitspielen: der Rüstungsindustrielle Arnaud Lagardère.

Lagardère wacht als Präsident der Gesellschaft Sogeade über den französischen EADS-Anteil von 30,07 Prozent, den sein Konzern und der Staat zu gleichen Teilen halten. Seit Wochen übt Jacques Chirac massiven Druck auf den jungen Industriellen aus: Der Staatschef will seinen früheren engen Mitarbeiter Forgeard auf den Platz von Philippe Camus hieven, dessen Vertrag als EADS-Co-Chef im Sommer 2005 ausläuft. Lagardère hält Camus bisher die Treue. Doch in Paris wird erwartet, dass er nachgibt, nachdem der Camus-Freund Rainer Hertrich sein Amt als deutscher EADS-Co-Präsident aufgibt.

Immerhin hat Lagardère mit seinem Widerstand bereits Forgeards - möglicherweise vom Elyséepalast unterstützten - Plan durchkreuzt, die EADS-Führung allein zu übernehmen. Aufgeschreckt vom innerfranzösischen Machtkampf hat Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp seinen Rüstungsexperten Enders als künftigen Co-Chef ins Rennen geworfen. Der schnelle Schachzug hat die französische Seite überrascht und die Bestrebungen zur "alleinigen Übernahme" des deutsch-französisch geführten Konzerns frühzeitig durchkreuzt. Am Montag legte sich die Pariser Regierung fest: Schluss mit dem Streit.

Wenn Forgeard und Enders wie gewünscht ihre Arbeitsgebiete abstecken, könnte sich ihre Wahl als Glücksfall für EADS erweisen. Denn Forgeard hat als Airbus-Chef bewiesen, dass er etwas vom Zivilgeschäft versteht. Und Enders bringt als Major der Reserve militärische Sachkenntnis und als Ex-Mitglied des Planungsstabs des Bundesverteidigungsministeriums die nötigen politische Erfahrungen und Beziehungen für das Militärgeschäft ein. Außerdem wird dem "Atlantiker" Enders eher als dem französischen "Industrienationalisten" Forgeard zugetraut, in den USA und Großbritannien neue Märkte und Partner zu finden.

Forgeard kann zufrieden sein, denn er repräsentiert mit Airbus den mächtigeren Teil von EADS. Doch Enders hat die Zukunft auf seiner Seite: Denn EADS soll nach französischer Planung zum Kernkonzern der europäischen Rüstungsindustrie ausgebaut werden. Für 2005 ist ein neuer Anlauf geplant, den französisch-britischen Elektronikkonzern Thales einzubauen, der Teile für Kampfflugzeuge, Fregatten und Raketen liefert. Auch an den französischen und deutschen Marinewerften könnte EADS sich beteiligen. Und manche Visionäre sehen bereits eine Anbindung der britischen BAE Systems. Das hätte den Charme, BAE Systems von einer Partnersuche in den USA abzuhalten und zudem angelsächsische Märkte für EADS zu öffnen.

Doch um die hoch fliegenden Träume umzusetzen, müssen viele nationale Interessen berücksichtigt werden - und Lagardère. Bereits an diesem Mittwoch kann Lagardère auf einer Sogeade-Sitzung Zeichen setzen. Ein zweiter Termin wäre der EADS-Verwaltungsrat am Freitag, der das Projekt Airbus A350 auf den Weg bringen soll. Manche Pariser Beobachter meinen aber, Lagardère werde sich noch bis zum Jahresende Zeit lassen, um seine Unabhängigkeit zu beweisen und um weitere Zugeständnisse zu pokern.

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