Neue Entgeltumwandlung kommt nur langsam in Schwung
Startprobleme bei den neuen Betriebsrenten

Vielen Arbeitnehmern drohen in diesem Jahr Steuervorteile zu entgehen, weil sich die Einführung der neuen Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersversorgung verzögert.

sm BERLIN. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba), Boy-Jürgen Andresen, forderte die Bundesregierung auf, die Steuervorteile auch rückwirkend für 2002 zu gewähren, wenn die Beiträge für die zusätzliche Altersversorgung erst Anfang 2003 gezahlt werden.

Arbeitsminister Walter Riester (SPD) verwies darauf, dass Finanzminister Hans Eichel dafür angesichts hoher Steuerausfälle kaum zu erwärmen sei. Ohnehin müsse Eichel wegen der nachträglichen Einbeziehung des öffentlichen Dienstes in die Förderung schon mit höheren Belastungen rechnen.

Die mit der Rentenreform eingeführte steuer- und sozialabgabenfreie Entgeltumwandlung zu Gunsten betrieblicher Altersversorgung kommt nur langsam in Schwung. Diesen Eindruck vermittelten Experten bei der Berliner Herbsttagung der aba-Fachvereinigung "Pensionsfonds". Riester betonte zwar, für rund 18 Millionen Arbeitnehmer seien die tarifvertraglichen Voraussetzungen inzwischen geschaffen. Nach einer aba-Umfrage haben bisher aber weit unter 10 % der Arbeitnehmer tatsächlich neue Versorgungsverträge abgeschlossen.

Die Verzögerung hat mehrere Gründe. Nach den nötigen Tarifverträgen wurden in etlichen Branchen neue Versorgungswerke geschaffen. Die Zulassung von neuartigen Pensionsfonds und Pensionskassen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist aufwendig und langwierig. Nun bemühen sich die Anbieter betrieblicher Zusatzversorgungen und einschlägige Beratungsunternehmen, die Arbeitgeber von den Vorteilen der neuen Betriebsrenten zu überzeugen. In der nächsten Stufe müssen die einzelnen Arbeitnehmer über die vielfältigen, oft komplizierten Varianten informiert werden, bevor es zu Abschlüssen kommen kann. Laut Gesetz entscheidet der Arbeitgeber, welche Vorsorgeprodukte seinen Mitarbeitern im Rahmen der Entgeltumwandlung angeboten werden, der Arbeitnehmer entscheidet sich, ob er das Angebot annimmt und beispielsweise Teile seines Weihnachtsgeldes in eine betriebliche Zusatzvorsorge investiert.

Die Entgeltumwandlung gilt als besonders attraktiv, weil bis 2008 Einzahlungen zur Vorsorge bis zu 2 160 Euro im Jahr steuer- und sozialabgabenfreisind. Die Zeit eilt, da die Vorteile für 2002 nur realisiert werden können, wenn die Verträge noch in diesem Jahr geschlossen werden und Lohn des Arbeitnehmers vor der Besteuerung direkt vom Arbeitgeber in die Vorsorge eingezahlt wird.

Quelle: Handelsblatt

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